Schmetterlinge in der Schule züchten

    Hallo an alle Experten,


    ich unterrichte in der Grundschule eine zweite Klasse. Da wir im nächsten Frühjahr das Thema "Tiere" haben, erfragte ich diese Woche die Interessen der Kinder, um entsprechend darauf eingehen zu können und zu planen. Das Interesse an Insekten und ganz besonders an Schmetterlingen ist riesengroß.
    Da ich nur ungern rein theoretisch unterrichte, sondern darauf achte, dass die Kinder handlungsorientiert lernen, kam mir gleich der Gedanke, in der Schule selbst Schmetterlinge zu züchten.
    Aber: ich habe wenig bis gar keine Ahnung davon und deshalb tausend Fragen.
    Meine Kollegen sind auch sehr interessiert und deshalb kam zusätzlich der Gedanke auf, das Ganze dann gleich so anzugehen, dass alle etwas davon haben und dass so ein Projekt auch wiederholt werden kann, ohne dass jeder Lehrer immer wieder bei null anfängt. D.h. es steht im Raum, auch schriftlich so eine Unterrichtsreihe zu planen und evtl. zu veröffentlichen (bei einem Schulbuchverlag, mit dem wir schon zusammengearbeitet haben).
    Jetzt suche ich mir also so viele Informationen wie möglich zusammen und wäre um jede Antwort und jeden Kontakt froh.

    • Welche Schmetterlingsart würdet Ihr empfehlen, in der Schule zu züchten?
    • Wann und wo bekäme ich das entsprechende Zuchtmatarial? (Selbst sammeln?)
    • Wie teuer würde es etwa werden? (da die Parallelklasse wohl mitzüchtet, bräuchten wir Material für 2 Klassen)
    • Welche Behältnisse eignen sich? Wenn schon handlungeorientiert, dann richtig. Deshalb würde ich am liebsten auch selbst etwas mit den Kindern bauen.
    • Wann müsste ich anfangen Material zu besorgen?
      Entschuldigt meine Ahnungslosigkeit, aber womit fängt man denn an? Eier, Raupen? Die Kinder sollten eigentlich alle Entwicklungsstadien kennenlernen (ich auch), aber natürlich nicht ein Jahr warten müssen bis ein "fertiger" Schmetterling zu sehen ist?
    • Wie sind die Erfolgschancen für einen Anfänger wie mich?
    • Ich würde sehr gerne auch einen Experten in die Schule einladen oder auch mit den Kindern besuchen, den die Kinder befragen können und der von seinen Erfahrungen erzählt? Gibt es Adressen? (Ich wohne an der Weinstraße und unterrichte in einem Ludwigshafener Vorort).
    • Wie sieht es mit dem Aspekt des Umweltschutzes aus?
    • Wie beurteilt Ihr die Zucht in der Schule?
    • Eher als Beitrag zum Umweltschutz oder als grenzwertigen, bedenklichen Eingriff?

    Also, ich freue mich über jede Antwort, jeden Link, jede Adresse, gerne auch über Buchtipps!

    VG
    tobiane

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    Hallo Melanie

    Leider stellen sich nicht alle Lehrkräfte diese grundsätzlichen Fragen, wenn sie das Thema Schmetterlinge in der Schule behandeln.
    Vielleicht geben die andere Spezialisten bei ACTIAS unterschiedliche Antworten. Man kann die Sache von verschiedenen Seiten angehen.

    Hier, was ich schon anderen Lehrern geschrieben habe, die selber Schmetterlinge züchten wollten:

    • Am liebsten würde ich dir den Schwalbenschwanz, Papilio machaon, empfehlen. Zwei gewichtige Gründe sprechen aber dagegen.
      Erstens schlüpft der Falter meist im Juli - also grad in den Sommerferien, wenn die Schule geschlossen ist.
      Zweitens ist es illegal. Der Schwalbenschwanz ist (noch) eine besonders geschützte Tierart. Die Entnahme aus der Natur, der Besitz, Zucht und Handel damit, sind in Deutschland verboten.
      Also empfehle ich dir jene Arten, deren Raupen auf der Brennnessel fressen: Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge, Distelfalter oder Admiral.
    • Hier in der ACTIAS-Börse werden jedes Jahr sogenannte Gelege und Jungraupen angeboten, die sich für eine Schule besonders eignen.
    • Dieses Zuchtmaterial kostet zweimal nichts, jedenfalls kaum viel mehr als die Portokosten. Viele Züchter überlassen den Schulen gerne ein paar Eier oder Raupen.
    • Selber Zuchtkästen bauen mit Zweitklässlern? Keine Ahnung ob das funktioniert. Du kannst auch eine einfache Kiste nehmen und einen feinmaschigen Netzstoff darüber spannen. Da gibt es viele viele Möglichkeiten. Raupen brauchen Platz, Luft und Licht. Und der Behälter muss gereinigt werden können.
    • Fang im Frühling, im April, mit den Eiern an. So kannst du im Mai Raupen füttern und im Juni Schmetterlinge fliegen lassen.
    • Kritische Erfolgsfaktoren bei der Raupenzucht sind Sauberkeit und das Fernhalten von Parasiten, Raupenfliegen und Schlupfwespen. Sonst schlüpfen dann plötzlich Fliegen aus den Puppen anstatt Schmetterlinge.
    • Es gibt unter den ACTIAS-Züchtern bestimmt auch in deiner Gegend Spezialisten, die gerne in deine Schule kommen und etwas über die faszinierende Welt der Schmetterlinge erzählen.
    • Züchten ist kein direkter, aktiver Beitrag zur Erhaltung dieser bedrohten Tierart. Aber es ist die Gelegenheit, Kinder auf schmetterlingsfreundliche Gärten und öffentliche Schutzmaßnahmen aufmerksam zu machen.
    • Das Züchten von Schmetterlingen sollte obligatorisch sein in der Schule. :winking_face:
      Meine Erfahrung: Kinder, die einmal Raupen gefüttert und gepflegt haben, die wissen, wie sich Schmetterlinge von Ei zum Falter entwickeln, begegnen den Kleinlebewesen und anderen Insekten ganz anders, verantwortungsvoller. Denn sie wissen: wer Schmetterlinge liebt, muß Raupen mögen.
    • Als isolierte Tierhaltung (wie Meerschweinchen, Papagei oder Ratte) eher sinnlos, aber im Zusammenhang mit der Vermittlung der Zusammenhänge (Biodiversität gegen Monokulturen usw.) spannend und wertvoll.

    Hallo!
    Ich habe heuer im Frühjahr erstmals so ein Projekt in meiner 2. Volksschulklasse durchgeführt. Kann ich nur weiterempfehlen,die Kinder sind mit Begeisterung dabei.
    Ich hab mir über Actias 20 Eier bestellt, die gab ich in einen kleinen Plastikbehälter ( von Eisfamilienpackungen)auf Küchenpapier. Am nächsten Tag waren schon kleine Raupen geschlüpft.Die Futterpflanze legte ich daneben, so kletterten sie selbständig hinauf. Die Kinder nahmen Lupen mit , damit sie die winzigen Raupen besser sehen konnten. Nach einigen Tagen war das aber nicht mehr nötig, die Raupen wuchsen sehr schnell. Wir führten ein Tagebuch und schrieben alle Beobachtungen genau auf. Übers Wochenende nahm ich die Raupen zu mir nach Hause, um Kontrolle zu haben. Die Raupen häuten sich von Zeit zu Zeit, eine Häutung konnten wir in der Schule beobachten.
    Nachdem sie größer wurden, nahm ich eine Wäschetonne aus Gaze wie es sie bei Ikea gibt, in die gab ich unten Papier, darauf kleine Vasen mit Futterpflanzen auf denen die Raupen waren. Diese Wäschetonnen sind luftdurchlässig, man kann hineinschauen, aber die Raupen können nicht davonlaufen. Das ist besonders vor der Verpuppung wichtig, da wandern sie nämlich herum .Nach weniger als 3 Wochen verpuppten sie sich, dann dauerte es 14 Tage bis der erste Schmetterling schlüpfte. Der Schmetterling wurde noch ausgiebig betrachtet, fotografiert und dann in die Freiheit entlassen.
    Die Kinder waren sehr interessiert, nahmen Futterpflanzen mit, in der Früh schauten sie immer gleich, wie es den Raupen geht, sie entdeckten am Schulweg und zu Hause auch Raupen, die wir dann zu bestimmen versuchten ( mit Büchern und Internet). Alles in allem war es ein Erfolg und mir selber hat es auch großen Spaß gemacht. Auch die Kollegen waren sehr interessiert und erkundigten sich immer, wies den Raupen gehe.
    Liebe Grüße Johanna

    Servus Melanie.

    Ich arbeite selbst als Hausmeister an zwei Schulen im Münchner Norden und züchte hier auch Schmetterlinge. Die Kinder, egal welcher Jahrgangsstufe sind sehr interessiert und ich wäre froh, wenn "meine" Lehrkräfte soviel Zeit erübrigen könnten, so ein Projekt in den Unterricht zu integrieren, obwohl es so schwer nicht wäre.

    Marc hat dir auf so gut wie alle deiner Fragen eine ehrliche Antwort gegeben. Nur zu zweien deiner Fragen hätte ich noch etwas hinzuzufügen:

    Frage 4: Selbst in Einmachgläsern, die mit Gaze und Gummiband verschlossen sind, kann man eine Tagpfauenaugen- oder Fuchszucht durchführen. Allerdings sind höhere Behälter, wie man sie auf Marc´s Fotos sieht besser. In höheren Behältern kann man die abgeschnittenen Triebe der Futterpflanzen (Brennesseln) länger in Vasen frisch halten und gleichzeitig für eine gute Durchlüftung sorgen. Dies ist für eine gute Raupenentwicklung besser. Auch können die Schüler die Tiere in grösseren Behältnissen leichter beobachten. Zugleich kann man die Falter dann auch in diesen größeren Behältern schlüpfen lassen, was im Glas oder "Schuhkarton" nicht so toll funktioniert. Jene Behältnisse kann man günstig kaufen, auch bei einem engen Schulhaushalt oder man "beschwatzt" ein handwerklich geschickes Elternbeiratsmitglied :winking_face: und lässt sich was bauen. Schüler der 2. Jahrgangstufe dürften jedoch kaum einen fugenlosen und dichten Zuchtkäfig zusammen bekommen. wie er für eine Schmetterlingzucht von nöten wäre.

    Frage 6: Deine Erfolgsaussichten auf eine erfolgreiche Zucht ist bei den von Marc genannten Arten ausgezeichnet. Wenn du nicht den absoluten Schlendrian einziehen lässt, kann eigentlich kaum was schief gehen.

    Hoffentlich gehst du das Projekt im Frühjahr an und lässt dich nicht von anderen davon abbringen. Die Kinder werden es dir mit Begeisterung danken.

    Gruss.

    Rudi

    Hallo Melanie,
    mit eurer Idee habt ihr "den Nagel auf den Kopf getroffen". Und ich spreche aus langjähriger Erfahrung. :applaus:
    Jedes Jahr gehe ich in mehrere Schulen und starte dort mit Lehrkörper und Kindern meine Zuchtprojekte. Die Kinder legen eine Begeisterung an den Tag, die so richtig wohl tut.

    Die ganze Angelegenheit läuft bei mir so ab, dass ich sog. "Aerarien", das sind jene luftigen Gazebehältnisse, wie sie Papa Papillon in seinem Beitrag abgebildet hat und die du auch bei ihm kaufen kannst, in die Klassen mitnehme und dort so lange lasse, bis die geschlüpften Schmetterlinge freigelassen wurden. Meines Erachtens sind die Aerarien besser geeignet als die von IKEA verkauften Wäschebehälter, die für Fortgeschrittene OK sind, für Kinder aber, die das Ganze ja auch mit den Augen mitverfolgen möchten und sollen, zu wenig Einblick bieten. Die Aerarien aber haben zum einen weiße Gazewände und zum anderen ist eine Wand aus durchsichtigem Kunststoff gehalten. Sicht und Handhabung von der Seite (nicht wie die IKEAs von oben) sind, meiner Meinung nach, vorteilhafter und beim Aerarium eben gegeben..

    Die Zucht aus dem Ei ist natürlich interessanter aber sicher auch etwas zeitaufwendiger und bedarf eine zusätzliche Portion Geschick als jene aus der Raupe.
    Raupensuchen wäre auch eine "lustige" Tätigkeit und Inhalt eines Freilandtages mit der Klasse. Am besten geeignet dabei sind sicher die halbwüchsigen Raupen des Tagpfauenauges. Sie sind rel. leicht zu finden (sie leben gesellig in sog. "Raupennestern" und sind schon deshalb viel leichter auszumachen als einzeln lebende Raupen) und dann auch ohne größere Ansprüche zu züchten. Wenn ihr mal an einem Tag so etwa Anfang Juni loszieht und halbsonnige/halbschattige Brennnesselbestände absucht, werdet ihr sicher Erfolg haben. Darüber hinaus ist auch die Futterbeschaffung während der Zucht kein Problem. Brennnesseln halten sich, in's Wasser gestellt, ziemlich lange frisch.

    Ihr könnt dann im Klassenzimmer das Heranwachsen der Raupen sowie deren Verpuppung beobachten. Anfang Juli kommt das große Erlebnis des Falterschlupfes. Und dann das Überdrübererlebnis des Freilassens in die Natur.

    Du wirst sehen, nicht nur die Kinder sondern auch die LehrerInnen werden ihre Freude an so einem Projekt haben.

    Beset Grüße und alles Gute
    Heinz

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