Raupe, willst du ewig fressen?

    :freude:Es war Mitte Oktober im vergangenen Jahr, da übergab mir Marus Bürki
    vom Botanischen Garten Bern eine Kiste voller Ligusterzweige mit den typischen
    weissen Raupen vom Atlasspinner.
    Die meisten davon gingen an der Insektenbörse vom 20. Oktober in Kloten an andere
    Schweizer Züchter, wo sie üppig ernährt und gepflegt wurden, bis sie sich in ihr Kokon
    einspannen und ein paar Wochen später als Falter in Tischtuchgrösse* die Umwelt erfreuten.

    Ein paar Raupen brachte ich damals von der Börse wieder nach Hause und fütterte sie
    mit Lorbeerkirscheblättern. Nach etwa drei bis vier Wochen verschwanden alle
    in ihren kunstvollen Kokon.

    Alle? Nein. Elvira (sie reagiert auf diesen Namen) frass gemächlich weiter,
    las sich sorgfältig ein neues Blatt aus und blieb dann fast eine Woche lang daran hängen.
    Anfangs Dezember war sie immer noch am Fressen. Sie feierte Weihnachten mit uns,
    und tat auch zum Jahreswechsel keine Anstalten, eine neue Behausung zu spinnen.

    Jetzt ist Ende Januar, und Elvira frisst sich immer noch gemächlich durch ihr Blatt
    und freut sich, wenn ich mit dem Luftbefeuchter komme.
    Nein, tot ist sie nicht, höchstens lethargisch.

    Ich denke, dass die Temperatur (20 bis 24 Grad) einen Einfluss auf ihr Verhalten hat,
    aber so lange habe ich noch nie eine Raupe fressen sehen.

    Wer hat schon ähnliche Erfahrungen gemacht?

    Wird die Raupe demnächst eigehen?
    Kann sie jetzt überhaupt noch eine Metamorphose vollbringen?

    [Blockierte Grafik: http://kunde7.juli.bimetal.de/bilder/atlas005.jpg]
    Da ist sie, die Nimmersatte.


    * Es gibt ja auch sehr kleine Tische.

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    Hallo
    Es gibt Insektizide die die letzte Häutung zum Imago oder der Puppe (je nach Mittel und Art) hormonell unterdrücken.
    Die Larven wachsen immer weiter ohne die Metarmorphose zu beenden.
    Entdeckt wurden die Stoffe als Wanzen im Labor in einigen Zuchten sich nicht entwickelten, in anderen schon.
    Ursache war, daß in einigen Behältern die Zeitschrift "Sciense" als Einlegepapier benutzt wurde, in den anderen "Nature".
    Das Papier war aus verschiedenen Holzarten produziert worden, von denen nur eine die Abwehrstoffe enthielt.
    Auf diese Weise wurde auch nur ein Teil der Zuchten lahmgelegt.

    Möglicherweise ist auch die Raupe in diesem Beitrag mit solchen Substanzen in Kontakt gekommen.

    Gruß Christoph

    Hallo!

    Auch ich vermute eine hormonelle Störung, allerdings natürlicher Art. Kenne ich von anderen Zuchten. Solche Raupen bleiben in der Entwicklung stark zurück, nur ein Bruchteil davon packt es dann irgendwann bis zum Imago. Diese sind dann sehr klein und eignen sich keinesfalls für eine Weiterzucht.

    Viele Grüße

    Jürgen

    Heute, am 10. Januar, frisst Elvira immer noch
    gemächlich an ihren Lorbeerkirscheblättern.

    [Blockierte Grafik: http://kunde7.juli.bimetal.de/bilder/atlasraupe11.jpg]

    Meist hängt sie nur rum, scheisst etwa zweimal im Tag
    und hört am liebsten gregorianische Gesänge.

    Warten wir ab...

    Ihre Geschwister sind längst geschlüpft, haben sich gepaart
    und Eier gelegt... und sind meist eine Woche später eingegangen.

    Die Zeit vergeht. Elvira wächst.
    Länge über alles: 69 Millimeter.

    [Blockierte Grafik: http://kunde7.juli.bimetal.de/bilder/elvira2302.jpg]

    Sie macht immer noch keine Anstalten,
    sich demnächst einzuspinnen.

    Sie schaut mir zu, wenn ich am PC schreibe,
    und manchmal habe ich das Gefühl, es gefällt ihr hier.

    [Blockierte Grafik: http://kunde7.juli.bimetal.de/bilder/atlasraupe12.jpg]

    Heute Morgen, um 8.10 Uhr um genau zu sein, hat sich Elvira entschieden, ihr Raupendasein
    auf dem Lorbeerkirsche abzuschliessen und die ersten Fäden des Kokons gesponnen.
    Ganz gemächlich, wie das eben ihre Art ist.

    Sie hat 164 Tage lang als Raupe erst auf Liguster, dann nach der zweiten Häutung auf
    Prunus laurocerasus ein Blatt nach dem andern verzehrt.
    Sie hat fünfmal länger gelebt als ihre längst geschlüpften Geschwister.

    Ob es daraus einen Falter gibt?

    Hallo Marc,
    denke Du wirst in 4 bis 6 Wochen einen schönen Falter aus Deiner Elvira bekommen.
    Ich hatte vor ca. 3 Jahren mal eine Zucht an Liguster, die dann aber schief ging und die letzten 5 Raupen habe ich dann auf meine Lorbeerkirsche ins Freie gesetzt. Gedacht als Vogelfutter.

    Nun nach 10 Wochen bei schlechtem Wetter fand ich doch tatsächlich 4 erwachsene Raupen, die dann auch 4 schöne Falter ergaben.

    'Gruß Georg

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