Raupen auf Lebensmittel züchten?

    Hey,

    was mich nach ein paar Versuchen davon abgehalten hat weitere Raupen großzuziehen, war das nervige Auftreiben von Grünzeug, weil wir nix passendes im Garten hatten bzw weil meine Mum beim Riesenhunger der Kleinen ein Problem mit den ständig weniger werdenden Blätter an unserm Apfelbäumchen hatte....
    Jedenfalls dachte ich mir es gibt vli auch Arten die man mit Gemüse aus dem Supermarkt großziehen kann?

    Lg

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    Hallo Fabian,

    na ja, die Aren gibt es schon, aber man muss aufpassen, denn manche verückte Läden spritzen selbst ihr Gemüse gegen ungeziefer.
    Man kann zum Beispiel viele Arctiden ( Bären) mit Kohl und Endiviensalat ernähren, ebenso wie ein paar Pieridaen ( Weißlinge).
    Wenn dir das zu langweilig ist, kannst du auch versuchen, papilio machaon an Dill, Möhre ( achtung, wird oft gespritzt!) oder Pastinak zu füttern.
    Das waren nur ein paar vorschläge, ich bin sicher, ein anderes Mtglied kann diese Reihe noch vollkommnen.

    Lucas

    PS: viele Pflanzenarten sind auch mit anderen, leichter erreichbareren verwandt.
    Deshalb kommt es nicht selten vor, dass man polyphage Raupen an anderen Pflanzen halten kann, wie eigentlich vorgegeben.
    Bsp: anstatt Oleander nimmt man immergrün, anstatt Citrus Weinraute, oder anstatt Apfel, Salix die Weide.

    • Offizieller Beitrag

    Na das ist ziemlich einfach:
    Auf der Schmetterlingsbörse hier bei Actias wird in letzter Zeit recht häufig p. machaon angeboten. Allerdings als Puppe, was dir nicht so zuspricht, schätz ich mal.
    Aber in ein paar Wochen wenn die ersten Züchter ihre Falter kopulieren lassen, gibt es gute Angebote in Eiform. Man muss dann nur abwarten und sich das beste rausuchen. Also hab etwas Geduld.
    Zum thema Schutz: ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube in Deutschland sind sie eingeschränkt geschützt. D.h. du darfst keine direkten Freilandentnahmen machen, aber durchaus Raupen aus Zuchten weiterzüchten, würde ich sagen. Näheres kann dir bestimmt Marc (Papa Papilion) sagen, vieleicht schreibt er ja noch einen Beitrag hier, oder du kontaktierst ihn direkt per PN.
    Evtl. kann dir auch einer der moderatoren oder ein anderer Nutzer weiterhelfen :smiling_face:

    Lucas

    Den Weidenbohrer kann man mit Apfel und Möhre großziehen. Ist aber
    nicht so ästhetisch, finde ich. Außerdem werden manche Raupen auch mit
    künstlichem Futter groß, ebenfalls nicht so schön. Wenn Du sicher sein
    willst, dass das Futter nicht gespritzt ist, kannst Du das zeug im
    Bioladen kaufen.

    Zum Thema "geschützt": Ja, der Schwalbenschwanz steht unter Naturschutz
    und auf der roten Liste der bedrohten Arten, dies hält hier niemanden
    ab, ihn zum Kauf anzubieten (zum Glück) oder zu killen, aufzuspießen
    und in seinem Wohnzimmer als Trophäe und Zeichen für seine ungeheure
    Männlichkeit aufzuhängen (leider). Wem ich damit auf den Schlips trete,
    der kann sich ja beschweren, eine Diskussion darüber fände ich sehr anregend

    Lieber Sven,

    ich würde Sie sehr höflich und nett ersuchen, mich doch darüber aufzuklären, was das Sammeln von Schmetterlingen mit "ungeheurer Männlichkeit" zu tun hat. Ich bin zwar nur mittelmäßig begabt, immerhin aber doch mittelmäßig, kann aber trotzdem keinerlei Zusammenhang bzw. Klammer zwischen Schmetterlingsammeln und Männlichkeit erkennen.

    Wissen Sie eigentlich, dass das allermeiste Wissen über die Lebensweisen, Lebensräume, Vorkommen, Entwicklungsbedürfnisse, Populationsdichte etc. aus den Beobachtungen und Forschungen von Hobbysammlern stammt? Selbst namhafte und anerkannte Institutionen, Museen, Universitäten etc. greifen immer wieder auf die Erfahrungen und Sammlungsexponate von uns verdammten Hobbysammlern zurück.

    Ein guter und wohlgemeinter Ratschlag eines Schmetterlingsammlers mit ungeheurer Männlichkeit: Wenn Sie ein Problem mit uns Sammlern haben, besuchen Sie doch ganz einfach nicht deren Forum sondern irgendeine andere Diskussionsplattform. Dann müssen Sie sich nicht ärgern über Leute, die tote Schmetterlinge über dem Kamin aufhängen.

    Das meine ich wirklich gut und möchte Ihnen auf gar keinen Fall zu nahe treten. Dasselbe erbitte ich aber auch von Ihnen. OK?

    Grüße

    Heinz

    Hallo Sven, hallo Heinz,

    ich hoffe, dass jemand diese Diskussion in einen anderen Thread verschiebt, weil wir zu sehr vom Thema abschweifen.

    Ihr beiden, bitte erst 3 x tief durchatmen, bevor Ihr aus dem Bauch raus schreibt. Ihr habt ja beide einen Teil Recht und Unrecht.

    sven, Du solltest das Forum natürlich nicht verlassen!

    Heinz, stimme Dir zu, Schmetterlinge zu sammeln hat wirklich NICHTS mit Männlichkeit zu tun (dann würden wir wohl ehr Großwild jagen, oder Prachtautos fahren ...)

    @Für alle, die nicht wissen, warum Leute ( :female und :male ) Schmetterlinge fangen, züchten, töten und behaupten was für den Naturschutz zu tun!

    Die Liebe zur Natur und die Einsicht, dass aktiver Naturschutz auch Arbeit macht sind Prozesse, die langsam wachsen. Ohne die Amateur-Entomologen würden nur wenige Standortdaten vom Auftreten der Insekten vorliegen. Aufgrund der zeitlichen Veränderungen zur Häufigkeit, dem Auftauchen und plötzlichem Verschwinden von Arten ist es notwendig, diese Daten zeitlich zu beoachten, d.h. immer wieder neue Nachweise (auf verschiedenste Weise, nicht nur töten) zu erbringen. Viele Falter erkennt selbst ein Laie von Weitem, aber gerade viele Nachtfalter müssen sehr aufwendig eindeutig bestimmt werden, weil nah verwandte Arten sich nur minimal unterscheiden (aber anders leben). Diese Bestimmung geht nur, wenn das Tier genau untersucht wird, teilweise nur mit der Herauspräparation von Körperteilen. Da ist es schon besser, wenn das Tier tot ist. Ausserdem braucht man Vergleichsexemplare, die es erlauben, ein gesammeltes Exemplar mit einem Präparat zu identifizieren. Manchmal benötigt man sogar ganze Serien. Wieso? Weil 1. ein fotografierter Falter anders ausschieht als ein echtes Exemplar (Farbenverschiebung) und 2. Serien daher, weil einzelne Arten dermaßen stark variieren, dass man denken könnte es wären mehrere Arten (gegensätzlicher Fall zu oben beschriebenen minimal variierenden Arten). Wenn also die Tiere genau bestimmt worden sind, müssen die Daten ausgewertet werden. Das Tier wandert dann als Beleg in die Sammlung (die sollte übrigens lichtgeschützt, trocken und kühl aufgestellt werden, wofür sich die Wand über dem Kamin nicht eignet).

    Was wird aus den Daten? Also, ich muss zugeben, dass nicht genau weiß, wie jeder das heute macht. Früher (ja lacht ruhig) - also vor zwanzig Jahren habe ich selbst aktiv gesammelt und an der ökofaunistischen Erfassung durch eine sogenannte Fachgruppe (Erklärung nur bei Bedarf) teilgenommen. Die Daten wurden zentral gesammelt - damals per Karteikarten. Aus diesen Daten wurden Verbreitungsgrenzen der Falter erstellt. Und die zeitliche Veränderung wurde gegen Ende der 80ziger Jahre in Vorträgen publiziert. Dabei zeigte sich, dass viele Arten (z.B. mediterrane Typen), die ihre Nordgrenze in Mitteleuropa haben, weiter nach Norden vordringen. Arten, die ihre Südgrenze hier haben, ziehen nach Norden zurück (z.B. boreale Typen). Diese alte Beobachtung aus den 80zigern beschreiben wir heute mit "Klimaerwärmung". Das sind gemessene Daten, ohne die Hintergründe zu kennen. Genial - oder? Dies soll nur ein Beispiel sein, wofür man diese Daten verwenden kann und braucht. Einzelne Sammler schaffen es nur schwer, einer Art zur Bedrängnis zu werden. Da ist ein Gewerbegebiet, für das z.B. ein Moor trockengelegt werden muss, tausendmal tötlicher, weil Artenschutz = Biotopschutz ist. Oder wer pflanzt noch einheimische Pflanzen für Schmetterlinge in den Garten oder in der Stadtlandschaft - Städte, Gärten mutieren zu "Futterwüsten". Blüht zwar alles schön - frist aber kein einheimisches Insekt.

    Wofür sind die Schmetterlinge über dem Kamin gut? Die Liebe zu den Wundern der Natur beginnt nicht mit der schwarzgrauen, kleinen "Motte" die am Sommerabend ums Licht fliegt, sondern in aller Regel mit den fetten, großen, bunten - meist auch exotischen Exemplaren. Daher lieben die meisten Sammler Spinner, Bären und Schwärmer oder die hübschen, zarten Tagfalter. Das ist die Tür, die der Umweltschutz braucht, um Menschen, vor allem Kindern und Jugendlichen für ein Verständnis der Natur und den Gedanken des Schutzgutes "Umwelt" zu gewinnen. Infiziert durch die Arbeit mit dem Hobby widmen sich einige auch spezielleren Aufgaben - entweder direkt in der professionellen Entomologie oder anderen biologischen - oder wie ich ingenieurökologischen Aufgaben. Als ich kürzlich wieder anfing ein bisschen in der "Entomologie zu stöbern", traf ich auf einige Namen in Museen, Naturschutzbehörden und in Positionen der entomologischen Vereine, einschl. der Autorennamen auf div. Büchern, mit denen ich als Jugendlicher 10 Jahre gesammelt habe. So ist das, im "Alter" schließen sich die Kreise ...

    So, nun hoffe ich, Sven versteht jetzt besser die Sammler und Heinz, warum dieses Forum für ALLE offen sein sollte.

    Herzliche Grüsse :falter:

    Gödi

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