Fundort XY: ungelöst...

    • Offizieller Beitrag

    Hi,

    ich bin gerade dabei, meine Sammlung etwas zu erneuern und habe bei einigen Präparaten noch Lücken in der Ettiketierung entdecken müssen. Dabei handelt es sich meist um Zuchtexemplare, bei welchen die Elterntiere von verschiedenen Orten stammen.
    Also hier meine Frage(n), am Beispiel erklärt:

    Nehmen wir mal an, ich bekomme Eier eines Falters aus Belgien und züchte gleichzeitig Tiere der gleichen Art, Fundort in meinem Garten.
    In der Nachzucht vereinige ich die beiden Zuchtstämme, die F1 Tiere werden präpariert.
    Welche Fundortangabe erhalten sie,- Belgien, mein Garten oder etwas anderes?

    Zweite Situation, ich erhalte Tiere aus einem Schmetterlingshaus, deren Eltern nachweislich seit Generationen in irgendeiner Schmetterlingsfarm "X" in England gezogen wurden.
    Welcher Fundort wird angegeben,- das Schmetterlingshaus, die Schmetterlingsfarm "X" in England oder der Ort, von dem die Urgroßeltern dieser Tiere vor 10 jahren mal stammten?

    Ich hoffe ihr könnt mir weiterhelfen,
    MFG,

    Lucas

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    Hallo
    Ich würde die Falter aus Fall1 folgendermaßen etikettieren: F1 Hybrid; BelgienX Deutschland (Daten genauer), Datum; zucht xy. Allerdings sind die Tiere für wissenschaftliche Vergleiche wertlos, es sei den es sollen Fragestellungen (z.B. Artstatus) durch Hybridisation bearbeitet werden.
    zu 2: Ich würde das Schmetterlingshaus angeben, allerdings ist mit größter Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass alles Hybride sind. Wissenschaftlich wertlos, aber dennoch hübsche Tiere.
    Gruß Christoph

    • Offizieller Beitrag

    hallo Christoph,

    vielen dank für deine Antwort.
    Dass die Präparate wissenschaftlich wertlos sind ist schade, aber nicht so tragisch, denn von einer wissenschaftlichen Sammlung bin ich sowieso noch weit entfernt - schon allein wegen der Qualität meiner Präparate. Sind sicherlich nicht schlecht, aber ich muss noch üben üben üben!

    MFG,
    Lucas

    Hallo
    Bei Hybriden wird normalerweise erst der Vater dann die Mutter angegeben (wenn bekannt). Also in diesem Fall: Fundort Vater x Fundort Mutter.
    Ist zwar nur am Rande: bei Pflanzen werden Naturhybride mit einem x vor dem Artnamen gekennzeichnet(z.B.N. xdaubeyana). Bei Tieren ist dies meines Wissens nicht üblich, allerdings werden einige Hybride manchmal unter alten Artnamen geführt (und angeboten). Bekanntestes Beispiel: Ornithoptera allotei, eigentlich ein Hybrid aus O.victoriae und O.priamus.
    Gruß Christoph

    • Offizieller Beitrag

    abend,

    danke für eure weiteren Beiträge.
    ich möchte für eventuell kommende Antworten nur noch mal kurz korrigierend in die richtige Richtung lenken: hier geht es um Hybriden aus verschiedenen Fundorten, nicht um artübergreifende Tiere, OK?
    Ist nicht böse gemeint, und ich bin dir sehr dankbar für deinen Beitrag, Christoph, aber wir wissen ja wie das so in einem Forum läuft - der nächste nach dir liest was von einer Ornithoptera-Hybride, und schreibt was zu papilio Hybriden usw....

    MFG,
    Lucas

    Ich glaube, das Wort "Hybride" hat in diesem Thread nichts zu suchen, weil es bei Hybriden immer um Mischlinge verschiedener Rassen oder Arten (in seltenen Fällen auch Gattungen) geht. Hier aber geht es, wenn ich den Fragesteller richtig verstanden habe, lediglich um die Bezeichnung des "Fundortes" von Zuchttieren, wenn Eltern ein und derselben Art bzw.Unterart,jedoch von verschiedener Herkunft, Nachwuchs hervorgebvracht haben.

    Ich persönlich glaube, dass hier eine "Fundortangabe" gar nicht möglich ist. Wozu dient denn die Fundortangabe? Sie soll z.B. nachweisen, dass eine bestimmte Tier- bzw-. Unterart in einer bestimmten Gegend vorkommt. Wenn man dann viele Tiere einer bestimmten Art aus ganz verschiedenen Fundorten vergleicht, kann man feststellen, ob vielleicht regional unterschiedliche Merkmale zu erkennen sind. Bei Nachzuchten, die aus der Verpaarung von Eltertieren unterschiedlicher Herkunft stammen, ist dies doch nicht mehr möglich. Natürlich bleibt jedem überlassen, dass er auf einem Etikett beschreibt, woher die Elterntiere stammen. Dass es dafür Vorschriften gibt, glaube ich nicht.

    Erwin

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Erwin,

    ja richtig, es geht um den Fundort.
    Ob man dazu Hybrid sagen kann oder nicht, kann ich nicht beurteilen - da aber der Begriff hier verwendet wurde habe ich ihn einfach übernommen, obwohl strenggenommen deine Erklärung logischer scheint (aslo das Hybriden Artmischlinge sind, davon bin ich bis jetzt eigentlich immer ausgegangen).
    Aber die Frage ist meiner Meinung nach damit noch nicht eindeutig geklärt, den fernab von der Zucht, bei der dieses beschriebene Phänomen jedes Mal auftaucht, wenn mal 2 Genpole vermischt um Inzucht zu vermeiden, geschieht das doch eigentlich auch in der Natur nicht selten, bsp. bei Wanderfaltern (Acherontia atropos, Danaus sp., Herse convolvuli, Vanessa cardui...) Eine solche Faunenvermischung lässt sich ja nicht vermeiden, und was würde man in diesem Fall auf das Ettiket schreiben, wenn man in Mexiko einen Monarchen fängt, obwohl man genau weiß, das dieses Exemplar eigentlich nur auf Durchzug ist und genaugenommen eigentlich 400 km vom Fundort entfernt lebt ???

    MFG,
    Lucas

    Hallo
    Wann eine Keuzung als Hybrid bezeichnet wird ist eine Frage der Deffinition. Genauso was nun eine Art, Unterart oder Farbform ist.
    Nur als Beispiel, der Apollo. Wenn man drei Bücher über die Verteilung der Unterarten in Europa nimmt, hat man gute Changen drei verschidene Angaben zu finden, da einer fast jede (Rest-)Population als eigene Unterart betrachtet, während der nächste z.B alle deutschen Vorkommen zwei Unterarten zuordnet. Nehmen wir nun einen Hybrid aus einer Kreuzung Altmühltal x Schwäbische Alb dann währe das nach AutorA ein Hybride aus zwei Unterarten während es bei AutorB eine Kreuzung innerhalb der Unterart währe.
    Daher finde ich es durchaus sinnvoll soche Fundort-Mischungen entsprechent ettiketiert in die Sammlung aufzunehmen, denn wer weiß, wie die Populationen in einigen Jahren eingestuft werden.Oder vileicht sogar als eigene Arten gelten.
    Ein nicht entomologisches Beispiel der letzten Jahre währe der Nachtaffe. Bei diesen lief in Zoos die Nachzucht in der F1 sehr gut. eine F2 gab es nur sehr selten. Bis Gentests nachwiesen, dass es in Wirklichkeit mehrere morphologisch extrem ähnliche Arten gibt. Und die Hybriden der F1 unfruchtbar waren.
    Gruß Christoph

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    Ein nicht entomologisches Beispiel der letzten Jahre währe der Nachtaffe. Bei diesen lief in Zoos die Nachzucht in der F1 sehr gut. eine F2 gab es nur sehr selten. Bis Gentests nachwiesen, dass es in Wirklichkeit mehrere morphologisch extrem ähnliche Arten gibt. Und die Hybriden der F1 unfruchtbar waren.
    Gruß Christoph

    Damit führst Du aber Deine eigene Argumantation ad absurdum, oder? In der Biologie ist sicher vieles nicht so klar und eindeutig wie in der Mathematik, aber ein Leitsatz ist, dass die Voraussetzung für die Definition einer Art ist, dass die Nachkommen fruchtbar sind. Auch das ist relativ zu sehen. Es gibt eine z.B. Möwenart entlang der Küsten von Grönland bis zur Ostküste Nordamerikas. Individuen benachbarter Kolonien verpaaren sich und haben fruchtbare Nachkommen. Verpaart man aber Individuen dieser Art aus weit entfernt lebenden Kolonien, kommen dabei keine fruchtbaren Nachkommen heraus.
    In Wikipedia steht dazu:
    In der Botanik und in der Zoologie bezeichnet man als Hybriden (maskulin) oder besser Hybride (feminin) ein Lebewesen, das durch Kreuzung von Eltern verschiedener Zuchtlinien, Rassen oder Arten hervorgegangen ist (auch Bastard). Diese Hybride weisen keine stabile Generationenfolge bei der Fortpflanzung auf; so sind z. B. Maultiere untereinander nicht fortpflanzungsfähig, pflanzliche Hybride wie z. B. bestimmtes Hochertragssaatgut ergeben bei der Wiederaussaat der Feldfrüchte wieder die Elternpflanzen.

    Hallo
    Inwiweit führe ich mich ad absurdum? Es gibt mehr als eine Artdeffinition. Die von dir aufgeführte Ist sicher die bekannteste. Andere Deffinitionen nehmen beispielsweise geographische "Merkmale" dazu (z.B. Trennung durch Inseln, oder Gebirge). Danach wird die Art durch den Genpool deffiniert. Eine Population gilt als eigene Art oder Unterart, wenn sie in keinem (theoretisch möglichen) Genaustausch mit der Ursprungspopulation steht. Und viele socher Arten sind fruchtbar miteinander zu kreuzen, vor allem evolutionär junge Arten. Beispielsweise, Platy und Schwerträger und auch innerhalb anderer Gattungen der Lebengebärenden Zahnkarpfen sind fruchtbare Bastarde möglich. Oder alle Großfalken (Wander-,Saker-,Lanner- und Gerfalke und verwande Arten) sind als Bastarde fruchtbar (und als Hybrid sogar mit einer dritten Art kreuzbar).
    Das Beispiel mit den Möven ist eine Kline. Darin ist jede Art fruchtbar mit der benachbarten kreuzbar, aber die beiden Arten am Ende des "genetischen Spektrums" nicht. Diese können sogar wieder im gleichen Gebit leben ohne sich zu kreuzen.
    Hir ein interessanter link (mit Diskusion dess Artbegriffs am Anfang)
    Gruß Christoph

    • Offizieller Beitrag

    Hallo,

    oho, das wir noch bei der Artdefinition landen, hätte ich nicht gedacht. Doch über dieses sehr heikle Thema könnte man sicherlich Bibliotheken füllen, genause wie mit der Frage -Was ist Intelligenz(?) oder -Was zuerst da war, Huhn oder Ei(?).
    Die bekannteste und bis heute weitesgehend offizielle Artdef., welche ihr ja schon aufgeführt habt, wurde beispielsweise auch vor einem halben Jahr in meiner Bioklasse gelehrt. man trichterte sie uns ein und niemand muckte, obwohl mir spontan an die 20 fruchtbaren Hybriden einfielen, es gibt sicherlich hunderte (schon allein seeeeehr viele bei den Heliconiden, um mal bei Schmetterlingen zu bleiben :winking_face: )

    Aber egal, darum geht es ja nicht.
    Interessant halte ich noch den Umstand, wie Zuchtmaterial in Umlauf gebracht wird:
    Rein theoretisch steht man doch vor jeder Kopula vor einem neuen inneren Konflikt: kreuzt man nun ein Tier mit dem Geschwistertier, erhält so die Ursprungsmerkmale der Parentalgeneration und belässt das Zuchtobjekt so als wissenschaftlich interessant, oder tut man der Vitalität des Stammes was gutes und kreuzt eine andere Blutlinie ein, um eine neue F0 zu erzeugen, sehr gutes Erbmaterial auf einer Börse also, aber völlig wertlos für eine wissenschaftl. Sammlung?

    Was denkt ihr darüber, kann man angebotene Zuchtexemplare eigentlich überhaupt bedenkenlos in eine wissenschafliche Sammlung einreihen?
    Doch wie kann man sich sicher sein, dass nicht irgendwann mal jemand, zur Erhaltung des Stammes ein paar Tiere eingekreuzt hat?
    Und dürfen dann eigentlich nur am Fundort gefangene Exemplare aufgenommen werden?

    MFG,
    Lucas

    Ob eine Sammlung irgendeinen wissenschaftlichen Zweck und Nutzen hat, darf man ja auch noch bezweifeln. Ich als überzeugter Nichtspießer und -Sammler kann mich da entspannt zurücklehnen.
    Eigentlich würde ich aber sogar eine Sammlung mit Hybriden interessanter finden als eine "reinbrütige".

    Hallo
    Dass eine wissenschaftlich geführte Sammlung für die Erforschung der Natur unnumgänglich ist, wird kein Biologe bestreiten. Wie anders könnte man beipielsweise entscheiden ob ein Schmetterling aus dem Dschungel zu einer neuen Art gehört als durch den vergleich mit dem Holo- und am besten den Paratypen? Da dieses Thema aber schon zur genüge diskutiert wurde, belasse ich es dabei.
    Die Aufnahme von gezüchteten Faltern in eine Sammlung ist dann wissenschaftlich sinnvol, wenn: a) die Herkunft genau bekannt ist. b) die Art nicht zu viele Generationen gezüchtet wurde, da oft eine unbewusste Selektion vorgenommen wird indem z.b. zwei besonders "schöne" Exemplare verpaart werden. Ich würde außer bei sehr seltenen Arten nicht weiter als F2 als geignet für wissenschaftliche Zwecke ansehen.
    Gutes Beispiel für in meinen Augen unbedenkliche Zuchtfalter sind die diversen Vogelflügelfalter, da hier meist die Eltern aus der unmittelbaren Umgebung stammen und Blutaustausch mit der Wildpopulation erfolgt.
    Die von dir angesprochene Geschwisterpaarung währe Inzest und züchterisch nur für Schönheitszucht geignet. Am sinnvolsten ist eune regelmäßige Blutauffrischung mit Tieren gleicher Herkunft. Sicher sein, dass niemand Mist gebaut und andere Unterarten reingekreuzt hat kann man nur sein, wenn man vom Wildfang an selbst gezüchtet oder das Zuchtmaterial von vertrauenswürdigen Quellen hat.
    Ein letztes Problem sind Zuchten bei veränderter Themperatur, da einige Arten( z.B. Waldbrett (Parange aegria)) themperaturabhängige Farbformen ausbilden. Hier kann schon die F1 systematisch wertlos sein, aber wissenschaftlich (falls immer auftretend) die Themperaturabhängigkeit eines Merkmals belegen (Vermerk auf Etiket!!!!)
    Gruß Christoph

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