Danke Euch dreien für die Antworten.

    Allerdings hat das jetzt neue Fragen bei mir aufgeworfen.

    1) @ Falk: Wenn der Falter in der Micro weicher als weich wird, müsste er doch wiederum gut zu spannen sein?

    2) @ alle: Kann man denn durch irgendeine wissenschaftliche Methode feststellen, was der humanste Tod für die Wechselwarmen ist? Kann man z.B. feststellen ob nach dem Betäuben mit Chloroform und Töten durch die Salmiakspritze "Angststoffe" oder "Stressstoffe" im Körper der Tiere zu finden sind, die bei den anderen Methoden nicht zu sehen sind?

    3) @ alle: Von Ethylacetat habe ich noch nie gehört, habe aber gerade bei Wikipedia gelesen, es sei das am häufigsten eingesetzte Tötungsmittel in der Entomologie. Mir stehen bisher nur Ether (benutze ich selten), Chloroform (benutze ich fast immer) und Salmiakgeist zur Verfügung, damit töte ich immer meine Zuchten (oder einen Großteil davon, ab und zu dürfen, wenn es zur Flug-/Jahreszeit passt, auch ein paar fliegen). Das tut mir auch immer irgendwo ein wenig weh, man hat die Räupchen ja so lange gehegt...
    Deswegen würde ich gerne die Tiere mit der sanftestmöglichen Methode töten. Wie sind die klassischen Mittel Chloroform und Salmiakgeist gegen Eure beiden Methoden zu bewerten? Welche Eurer beiden Methoden erachtet ihr als besseren Tod für das Tier, ungeachtet der Präparationseigenschaften danach?

    Beste Grüße und danke schon für Eure Antworten!

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    Insekten sollen keine schmerzleitenden C-Nervenfasern haben, sie verfügen also offenbar nicht über Schmerzwahrnehmung. Warum sollten sie das auch? Schmerzen sollen das Individuum warnen, dass etwas an der körperlichen Integrität nicht stimmt, und das zielt auf das Überleben des Individuums ab. Das Leben der Insekten ist aber so kurz, dass sie daraus keine sinnvolle Lehre oder Konsequenz ziehen könnten, und wenn es bei einem Insekt zu Schmerzen käme, dann wäre es ohnehin zu spät, da, wie wir wissen, die meisten Verletzungen der Insekten, die nicht bloß das Ektoskelett betreffen, über Kurz oder Lang tödlich sind und die anderen irrelevant.

    @ Spinhx, JA es gab solche Experimente! Ich kann dir leider keinen Link auf eine Arbeit geben aber ich erinnere mich dass der, wo am wenigsten Stresshormone freigesetzt wurden der Ertrinkungstot war, was mich wiederum wunderte da ich nicht unbedingt ertrinken möchte. Der grausigste war aber, wie wohl gedacht, Verbrennen.

    Das würde mich interessieren. Kannst Du nicht mal nachforschen? Woher weiß man, dass und was es bei Insekten für Streßhormone gibt?

    Der grausigste war aber, wie wohl gedacht, Verbrennen. Selbst möchte ich aber nicht wissen wie man dies mass ( "hoffentlich" an Unfallopfern und nicht an ausgewählten Kleinnagern)

    Nee, das Grausigste ist für mich subjektiv immer wieder, wie über das Töten von Insekten geschrieben wird.
    Wenn man aussagekräftige Ergebnisse aus Experimenten ziehen will, reicht es meist nicht, "Einzelfälle" zu betrachten, da man sich reproduzierbare Messwerte wünscht. Daher wird man genau dies auch bei diesen Stresshormon-Untersuchungen getan haben, tja, tut mir Leid, lieber Claude, die Wissenschaft fordert eben ihren Tribut! Will man allerdings eine Aussage über den Tod bei Insekten treffen, dann macht es überhaupt keinen Sinn, Säugetiere zu untersuchen, aus oben genannten Gründen. Oder andersherum: Die Untersuchung, die Du kennst, läßt sich wohl nicht auf Insekten übertragen. Allerdings ist auch die Frage berechtigt, ob man nach Gesichtspunkten des Schmerzes urteilen kann, ob ein Tod qualvoll ist oder nicht, wo es keinen Schmerz (nach menschlichem Verständnis) gibt. Äh, ist das verständlich?
    Vermutlich ist stumpfes "Drauftreten" für die Tiere am schonendsten. Dann sind sie auch für die Sammlung unbrauchbar, und wir haben 2 Fliegen mit einer Klappe geschlagen. :grinning_squinting_face:

    Hallo Sven, danke für die Antwort.

    Trotzdem habe ich nochmal Rückfragen: irgendein Schmerzempfinden müssen die Tiere doch haben, schließlich leben manche länger als ein Jahr und auch ein Insekt meidet tödliche Hitze oder Kälte wenn es geht. Wird es in irgeneiner Art und Weise verletzt, versucht es zu entkommen etc.. Irgendwie muß dieses Verhalten doch motiviert werden? Oder sind das lediglich erblich eingespeicherte Verhaltensmuster auf bestimmte Wahrnehmungen der Umgebung, die aber nicht mit Schmerzen verbunden sind?

    Und jetzt noch mal meine zentrale Frage: Was haltet Ihr bitte für die schonendste Tötungsmethode für Insekten, die aber auch ein Präparieren ermöglicht?

    Beste Grüße!

    @ Claude: Naja, Deine Antwort war nicht ganz so sachlich, wie es bisher von Dir gewohnt bin. Lies bitte meine Frage genau, ich hatte ja noch zusätzlich hingeschrieben, ob dieses Verhalten eben ererbt und nicht durch eigentlichen Schmerz motiviert ist.

    Und genau deswegen habe ich ja Euch alle hier gefragt, da ihr, wie mir scheint, hohe Kenntnisse von Biologie und Chemie habt.

    Nichts für ungut und freundliche Grüße

    Hallo Werner,

    Und jetzt noch mal meine zentrale Frage: Was haltet Ihr bitte für die schonendste Tötungsmethode für Insekten, die aber auch ein Präparieren ermöglicht?

    Das ist von Tiergruppe zu Tiergruppe verschieden.
    Großen Schmetterlingen injiziere ich Salmiakgeist, eine verdünnte Ammoniumhydroxid-Lösung. Das tötet die Tiere innerhalb von Sekundenbruchteilen und sie bleiben weich und gut präparierbar.
    Die meisten Insekten wandern in ein Tötungsglas mit Ethylacetat (Essigsäureethylester oder Essigester). Hierin werden die Tiere recht schnell betäubt uns sterben dann innerhalb einiger Minuten. Man kann man nach kurzer Zeit die Tiere auch aus dem Tötungsglas nehmen und genau untersuchen. Will man das Tier nicht behalten, kann man es ggf. auch wieder freilassen oder im andern Falle zurück in das Glas tun. Wenn die Tiere nicht bereits zu lange im Tötungsglas waren (0,5 bis 3 Minuten), erholen sie sich rasch wieder.
    Bisweilen kommt auch Narkoseräther (Diethyläther, Schwefeläther oder einfach nur Äther) im Tötungsglas zum Einsatz - so habe ich angefangen vor fast 25 Jahren. Das hat den Vorteil, dass die Tiere sehr schnell betäubt und abgetötet werden. Andererseits werden die Insekten aber vergleichsweise hart und lassen sich schlechter präparieren. Narkoseräther sehr leicht brennbar :exclamation_mark: und außerdem hoch flüchtig, so dass man das Tötungsglas öfter nachfüllen muss.

    Für Kleinschmetterlinge und kleine Geometriden eignet sich Ammoniumcarbonat (=Hirschhornsalz) sehr gut. Dazu wird in ein kleines Glasröhrchen (z.B. Tablettenröhrchen oder Schnappdeckelgläschen) etwas Ammoniumcarbonat gegeben und durch eine lockere Watteschicht fixiert. Zum Abtöten kommt der Falter in das Gläschen, welches dann verschlossen wird. Das Ammoniumcarbonat zerfällt allmählich in Ammoniak, Wasser und Kohlendioxid (wobei sich das Ammoniak teilweise in Wasser zu Salmiakgeist löst). Die Ammoniakdämpfe töten die Tiere innerhalb weniger Minuten. Diese bleiben sehr weich und sind gut zu präparieren. Lediglich für einige grüne Geometriden ist dieses Verfahren nicht geeignet, da das Ammoniak die empfindliche grüne Farbe zerstört.

    Ansonsten ist (nach meinen Erfahrungen) das Einfrieren eigentlich ein sehr geeignetes Verfahren - vorbehaltlich der gut nachvollziehbaren Einwände von Falk, weiter oben in diesem Thread. Ich konnte jedoch bisher noch keine Nachteile feststellen und verwende das Verfahren vor allem bei Tieren, die sehr schnell in Verwesung übergehen (wie z.B. Heuschrecken) und bei solchen, deren empfindliche Farbe durch die Chemikalien in den Tötungsgläsern Schaden nehmen (auch wieder Heuschrecken, grüne Geometriden...). Gute Erfahrungen habe ich aber z.B. auch bei Krebsen gemacht.

    Von der - bisweilen in älterer Literatur empfohlenen - Anwendung von Schwefelkohlenstoff (Kohlenstoffdisulfid), Chloroform (Trichlormethan) und Tetra (Tetrachlormethan, Tetrachlorkohlenstoff) sollte man jedoch unbedingt Abstand nehmen :bibber: .

    Cheers
    Joachim

    Danke für Eure Antworten, Joe und Claude, damit konnte ich was anfangen. Vor allem habe ich diesen Dr Rose Artikel gefunden, bis zu Ende habe ich den jetzt zwar noch nicht geschafft, aber einen Teil schon. Was er schreibt, klingt recht einleuchtend. Somit würde sich ja die Frage nach der tierschonendsten Tötung bei Insekten fast erübrigen.

    Es geht/ging mir bei dieser Frage auch nicht darum, den großen Tierschützer zu spielen, sondern so wie der Jäger "waidmännisch" schnell und schonend das Wild töten soll, wollte ich nur wissen, was das waidgerechte Töten von Insekten ist. Man muß ja auch seinen Standpunkt, daß man den Tieren keine "Leiden" zufügt, wenn man sie sammelt, begründen können, da eben so ein Vorwurf von anderen Leuten schnell gemacht wird.

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    Es geht/ging mir bei dieser Frage auch nicht darum, den großen Tierschützer zu spielen, sondern so wie der Jäger "waidmännisch" schnell und schonend das Wild töten soll, wollte ich nur wissen, was das waidgerechte Töten von Insekten ist. Man muß ja auch seinen Standpunkt, das man den Tieren keine "Leiden" zufügt, wenn man sie sammelt, begründen können, da eben so ein Vorwurf von anderen Leuten schnell gemacht wird.

    Ein - wie ich finde - sehr vernünftiger Standpunkt.
    Das "warum?" und das "wie?" sollten regelmäßig hinterfragt werden.

    Joachim

    Hallo zusammen,

    @ Joachim

    Zitat

    Andererseits werden die Insekten aber vergleichsweise hart und lassen
    sich schlechter präparieren. Narkoseräther sehr leicht brennbar :exclamation_mark: und außerdem hoch flüchtig, so dass man das Tötungsglas öfter nachfüllen muss.


    Genau deshalb nehme ich das Zeug schon seit Jahren nicht mehr.

    Zitat

    Von der - bisweilen in älterer Literatur empfohlenen - Anwendung von Schwefelkohlenstoff (Kohlenstoffdisulfid), Chloroform (Trichlormethan) und Tetra (Tetrachlormethan, Tetrachlorkohlenstoff) sollte man jedoch
    unbedingt Abstand nehmen


    Was hast Du den gegen Chloroform ??? Zum einen ist es nicht so flüchtig wie Äther und die Tiere werden auch nicht so hart.

    Hallo Falk,

    Was hast Du den gegen Chloroform ??? Zum einen ist es nicht so flüchtig wie Äther und die Tiere werden auch nicht so hart.

    Nun - zunächst ist Chloroformein FCKW und als solches grundsätzlich bedenklich.
    Weiterhin zitiere ich einfach mal aus Seilnachts Lexikon der Organischen Chemie :
    "Trichlormethan (Chloroform)
    wurde früher als Pflanzenschutzmittel und als Narkosemittel verwendet. Diese Anwendungen sind heute verboten, da es Leberschäden verursacht und im Verdacht steht, krebserzeugend zu wirken. Außerdem besaß das Narkosemittel ein hohes Risiko: Viele Patienten starben an Herz- und Kreislaufversagen während der Narkose. Im Labor wird die süßlich riechende, farblose und nicht brennbare Flüssigkeit als Lösungsmittel verwendet. Unter Lichteinfluss bildet sich das Giftgas Phosgen und Chlorwasserstoff, daher wird es in braunen Flaschen aufbewahrt. Das käufliche Chloroform ist mit Ethanol stabilisert, der mit dem entstehenden Phosgen reagiert und es unschädlich macht."

    Nun mag die Präparierbarkeit der Tiere nicht so schlecht sein, wie bei Narkoseräther, sie liegt aber deutlich unter der von Ethylacetat (Essigsäureethylester oder Essigäther).
    Einzig als Langzeittötungsmittel in automatischen Lichtfallen ist der Einsatz von Chloroformsinnvoll - aber auch dort gibt es inzwischen eine Alternative. (Zumal diese Fallen auch nicht ganz unumstritten sind)

    Cheers
    Joachim

    Hallo Joachim.

    Also was die Präparierbarkeit nach Tötung mit Chloroform angeht, so kann ich sagen, daß sie sehr schlecht ist. Sterben die Tiere an Chloroform, dann sind die Muskeln nicht selten ziemlich hart. (so steht es auch im Handbuch der Schmetterlingszucht) Deswegen betäube ich nur 1 Minute oder kürzer mit Chloro, dann kommt sofort die Salmiakspritze.

    Ich bin ein Chemie-Laie, daher folgende Frage: auf Wikipedia habe ich gerade gelesen, dass Ethylacetat auch ein starkes Lösungsmittel ist, was z.B. Klebstoffschnüffler einatmen. Kann man jetzt irgendwie sagen, ob Chloro oder Ethylacetat für uns Menschen gefährlicher ist? Was bleibt länger im Körper/ wird schneller abgebaut? Ist das überhaupt relevant, da wir ja alle ( hoffe ich zumindest) sowieso nur unter freiem Himmel mit dem Zeug hantieren, und auch nur in geringen Mengen?

    Beste Grüße

    Hallo Werner,

    Also was die Präparierbarkeit nach Tötung mit Chloroform angeht, so kann ich sagen, daß sie sehr schlecht ist. Sterben die Tiere an Chloroform, dann sind die Muskeln nicht selten ziemlich hart.

    So sehen auch meine Erfahrungen aus.
    Wenn ich den Tieren Salmiakgeist injiziere, betäube ich sie vorher nicht, sondern spritze sie gleich, wenn sie noch im Kescher sind oder beim Lichtfang, wenn sie auf dem Leuchttuch sitzen.

    Chloroform ist aus den von mir oben genannten Gründen nicht ganz unbedenklich.
    Dagegen ist Ethylacetat ein gängiges Lösemittel und in vielen Produkten des Alltags vorhanden (Kleber, Fleckentferner, verschiedene Lacke, Nagellack- und Nagellackentferner...). In geringen Mengen ist es sogar in Medikamenten und Lebensmitteln vorhanden, da es zur Herstellung künstlicher Aromen verwendet wird.
    In jedem Falle sollte man sorgfältig arbeiten, die Dämpfe nicht einatmen, im Freien oder in gut gelüfteten Räumen arbeiten, bei der Arbeit nicht essen oder trinken - und nicht rauchen (Ethylacetatist brennbar - wenn auch nicht so leicht entzündlich wie Ether)

    Viele Grüße
    Joachim

    Hallo Joachim.

    Also was die Präparierbarkeit nach Tötung mit Chloroform angeht, so kann ich sagen, daß sie sehr schlecht ist. Sterben die Tiere an Chloroform, dann sind die Muskeln nicht selten ziemlich hart. (so steht es auch im Handbuch der Schmetterlingszucht)

    Genau. Der schreibt auch, wie man Zyankali benutzen kann... :bibber:
    Es ist der blanke Wahnsinn, mit was hier so alles hantiert wird.


    Genau. Der schreibt auch, wie man Zyankali benutzen kann... :bibber:
    Es ist der blanke Wahnsinn, mit was hier so alles hantiert wird.

    Ähm, was willst Du jetzt damit sagen? Man kann auch heute noch Zyankali befüllte Tötungsgläser im Entomologenhandel bekommen....
    Kannst Du bitte genau erklären, warum das schlecht ist, bzw. einen Verbesserungsvorschlag machen?

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    Fiebig Lehrmittel bietet die Gläser fertig befüllt mit Gipsboden etc. an. Also nicht den Stoff selber. Allerdings Lieferung nur gemäß Chemikalien-Abgabe Gesetz. Aber als HiWi / Student an der Uni dürfte es kein Problem sein den "Giftschein" zu machen. Da kann man ja eine Verwendung / Zweck nachweisen. Dann darfst Du Dir das Zeug kaufen....

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