27. Juli 2010 um 20:33 - Beitrag: Nur ein Ausflug in den Wald...., Thema: Schmetterlinge (Lepidoptera)
Am 25.07. endlich mal wieder ein freier Tag. Da gibts nur eins - ab mit der Kamera in die Natur, mal sehen was so fliegt. Doch dann Frust - auf meiner Lieblingsfläche weht ein mächtig starker Wind. Was nun? Die einzige Alternative wäre ein Spaziergang entlang eines befestigten Weges durch den Wald. Die Enttäuschung ist schnell verflogen, denn als Insektenfreund komme ich an diesem Tag voll auf meine Kosten. Viele von Euch interessieren sich dafür, was so an Faltern in anderen Gegenden unterwegs ist. Also habe ich mal ein paar Bilder dieses Ausfluges für Euch rausgesucht.
Das Waldgebiet ist nur einige wenige Hektar groß und befindet sich im Nordteil der Insel Usedom. Der größte Teil hat den Charakter eines Auwaldes. Es stehen hier vor allem Eichen, Birken, Eschen,Buchen, Ulmen, Erlen, Faulbäume usw.
Gleich am Anfang des Weges fällt mir eine bizarre Raupe ins Auge - es ist Acronicta aceris (Ahorn-Rindeneule) sicher auf dem Weg zum Verpuppungsplatz
Dann sehe ich ein frisches Araschnia levana (Landkärtchen) - diese Art ist heute der häufigste Falter. Auf meiner Wegstrecke (etwa 1,5 km) zähle ich etwa 50 Exemplare.
- auch Gonepteryx rhamni (Zitronenfalter) sind häufig zu sehen - vor allem Weibchen beim Blütenbesuch
Auch Aphantopus hyperantus ( Brauner Waldvogel) -
sowie weibliche Maniola jurtina (Ochsenauge)
Auf blühenden Disteln und Wasserdost stellen sich die imposanten Argynnis paphia (Kaisermäntel) ein.
Die braune Weibchenform ist in diesem Gebiet aber eindeutig in der Überzahl.
Mitten auf dem Weg fliegen vor meinen Füssen einige Coenonympha pamphilus (Kleine Heufalter) auf.
Auch Chiasmia clathrata (Gitterspanner) nutzen die Wege als Lebensraum.
Auf Blüten oder beim Sonnenbad kommen mir immer wieder Nymphalis c-album (C-Falter) vor die Kamera.
Bläulinge werden durch Celestrina argiolus (Faulbaumbläulinge) vertreten. Ich sehe an diesem Tag etwa 10 Stück.
Weißlinge sind auch immer mal wieder zu beobachten. Pieres rapae sehe ich heute nicht, dafür viele Pieres napae ( Rapsweißlinge) und einige prächtige Weibchen von Pieris brassicae (Großer
Kohlweißling) beim Blütenbesuch.
Ein seltener Gast dieses Feuchtwaldes ist ein Exemplar von Limenitis camilla (Kleiner Eisvogel). Er hat es auf die Blüten der Brombeere abgesehen. In einem trocknerem Waldstück etwa 15 km entfernt ist diese Art häufig.
Auch auf den Nektar der Brombeerblüten aus, ist Autographa gamma die Gammaeule.
Häufig auf Wasserdostblüten oder ruhend an Blättern sehe ich Eilema lurideola, den Grauleib-Flechtenbär.
Einer der schönsten Vertreter seiner Zunft ist zweifellos Vanessa atalanta, der Admiral. Heute kann ich 3 Exemplare zählen.
An Schönheit dem Admiral ebenbürtig ist Inachis io, das Tagpfauenauge. Die frischen jungen Falter sind jetzt ganz besonders schön.
Nur einmal sehe ich Nymphalis urticae, den Kleinen Fuchs. Ihn findet man häufiger außerhalb des Waldes.
Der absolute Höhepunkt diese Tages ist eine neue Art für mich. Auf Distelblüte entdecke ich ein Exemplar von Satyrium w-album (Ulmen-Zipfelfalter). Allein wegen dieses Falters war dieser Ausflug ein voller Erfolg.
Außer die auf den Bildern waren noch eine Menge Flatterer aus der Familie der Zünsler unterwegs, diverse Spanner, Wickler usw. Auch Käfer, Wanzen, Spinner etc. habe ich auf Speicherkarte gebannt.
Alles zu zeigen würde jetzt den Rahmen sprengen. Zum Waldgebiet noch ein paar Dinge. Im Vohrjahr sah die unmittelbare Umgebung des Plattenweges noch anders aus. Viel ursprünglicher und natürlicher war es links und rechts des Weges. Doch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen des Arbeitsamtes zum Wohle unserer Urlauber verändern unsere Natur leider nicht immer zum Guten. Links und rechts des Weges befindet sich jeweils ein kleiner Graben, an dessen Böschungen Salweiden, Zitterpappeln, Eschen usw. standen. An den Salweiden konnte ich im Vorjahr Weibchen von Apatura iris (Großer Schillerfalter) bei der Eiablage beobachten und auch fotografieren. Alle diese für Falter so wichtigen Gehölze wurden radikal abgeholzt. Jetzt wirkt die Umgebung des Weges wie ein Park - alles zum Wohle unserer Touristen!
Beste Grüße,
Harald