Nur ein Ausflug in den Wald....

    Am 25.07. endlich mal wieder ein freier Tag. Da gibts nur eins - ab mit der Kamera in die Natur, mal sehen was so fliegt. Doch dann Frust - auf meiner Lieblingsfläche weht ein mächtig starker Wind. Was nun? Die einzige Alternative wäre ein Spaziergang entlang eines befestigten Weges durch den Wald. Die Enttäuschung ist schnell verflogen, denn als Insektenfreund komme ich an diesem Tag voll auf meine Kosten. Viele von Euch interessieren sich dafür, was so an Faltern in anderen Gegenden unterwegs ist. Also habe ich mal ein paar Bilder dieses Ausfluges für Euch rausgesucht.


    Das Waldgebiet ist nur einige wenige Hektar groß und befindet sich im Nordteil der Insel Usedom. Der größte Teil hat den Charakter eines Auwaldes. Es stehen hier vor allem Eichen, Birken, Eschen,Buchen, Ulmen, Erlen, Faulbäume usw.


    Waldweg -


    Gleich am Anfang des Weges fällt mir eine bizarre Raupe ins Auge - es ist Acronicta aceris (Ahorn-Rindeneule) sicher auf dem Weg zum Verpuppungsplatz

    Dann sehe ich ein frisches Araschnia levana (Landkärtchen) - diese Art ist heute der häufigste Falter. Auf meiner Wegstrecke (etwa 1,5 km) zähle ich etwa 50 Exemplare.


    -


    - auch Gonepteryx rhamni (Zitronenfalter) sind häufig zu sehen - vor allem Weibchen beim Blütenbesuch

    Auch Aphantopus hyperantus ( Brauner Waldvogel) -

    und männliche -

    sowie weibliche Maniola jurtina (Ochsenauge) sehe ich immer wieder.

    Auf blühenden Disteln und Wasserdost stellen sich die imposanten Argynnis paphia (Kaisermäntel) ein.

    Ein Männchen -

    ein Weibchen in Normalfarbe -

    und ein braunes Weibchen -

    Die braune Weibchenform ist in diesem Gebiet aber eindeutig in der Überzahl.

    Mitten auf dem Weg fliegen vor meinen Füssen einige Coenonympha pamphilus (Kleine Heufalter) auf.

    Auch Chiasmia clathrata (Gitterspanner) nutzen die Wege als Lebensraum.



    Auf Blüten oder beim Sonnenbad kommen mir immer wieder Nymphalis c-album (C-Falter) vor die Kamera.

    Bläulinge werden durch Celestrina argiolus (Faulbaumbläulinge) vertreten. Ich sehe an diesem Tag etwa 10 Stück.

    - hier ein Männchen

    Weißlinge sind auch immer mal wieder zu beobachten. Pieres rapae sehe ich heute nicht, dafür viele Pieres napae ( Rapsweißlinge) und einige prächtige Weibchen von Pieris brassicae (Großer
    Kohlweißling) beim Blütenbesuch.

    Ein seltener Gast dieses Feuchtwaldes ist ein Exemplar von Limenitis camilla (Kleiner Eisvogel). Er hat es auf die Blüten der Brombeere abgesehen. In einem trocknerem Waldstück etwa 15 km entfernt ist diese Art häufig.

    Auch auf den Nektar der Brombeerblüten aus, ist Autographa gamma die Gammaeule.

    Häufig auf Wasserdostblüten oder ruhend an Blättern sehe ich Eilema lurideola, den Grauleib-Flechtenbär.

    Einer der schönsten Vertreter seiner Zunft ist zweifellos Vanessa atalanta, der Admiral. Heute kann ich 3 Exemplare zählen.

    An Schönheit dem Admiral ebenbürtig ist Inachis io, das Tagpfauenauge. Die frischen jungen Falter sind jetzt ganz besonders schön.

    Nur einmal sehe ich Nymphalis urticae, den Kleinen Fuchs. Ihn findet man häufiger außerhalb des Waldes.

    Der absolute Höhepunkt diese Tages ist eine neue Art für mich. Auf Distelblüte entdecke ich ein Exemplar von Satyrium w-album (Ulmen-Zipfelfalter). Allein wegen dieses Falters war dieser Ausflug ein voller Erfolg.

    Außer die auf den Bildern waren noch eine Menge Flatterer aus der Familie der Zünsler unterwegs, diverse Spanner, Wickler usw. Auch Käfer, Wanzen, Spinner etc. habe ich auf Speicherkarte gebannt.
    Alles zu zeigen würde jetzt den Rahmen sprengen. Zum Waldgebiet noch ein paar Dinge. Im Vohrjahr sah die unmittelbare Umgebung des Plattenweges noch anders aus. Viel ursprünglicher und natürlicher war es links und rechts des Weges. Doch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen des Arbeitsamtes zum Wohle unserer Urlauber verändern unsere Natur leider nicht immer zum Guten. Links und rechts des Weges befindet sich jeweils ein kleiner Graben, an dessen Böschungen Salweiden, Zitterpappeln, Eschen usw. standen. An den Salweiden konnte ich im Vorjahr Weibchen von Apatura iris (Großer Schillerfalter) bei der Eiablage beobachten und auch fotografieren. Alle diese für Falter so wichtigen Gehölze wurden radikal abgeholzt. Jetzt wirkt die Umgebung des Weges wie ein Park - alles zum Wohle unserer Touristen!

    Beste Grüße,
    Harald

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    Hallo Harald,

    nachdem ich mich nun (etwas frustriert) durch die Beiträge von Actias gekämpft habe. Angehängte Bilder in die Beiträge einfügen, wissenschaftliche Namen korrigieren, Spam löschen, etc. pp.
    Durfte ich nun Deinen Bericht genießen.
    Vielen herzlichen Dank dafür und meinen allergrößten :respekt: !
    Damit hast Du mir den Start in den Tag versüßt und ich möchte am liebsten jeden Morgen so etwas lesen dürfen. Leider machen sich viel zu wenig Mitglieder diese Arbeit aber ich verstehe es auch. Es ist schon sehr Zeitintensiv solche Berichte zu verfassen.

    Noch etwas zu Satyrium w-album, da kenne ich eine Stelle in Thüringen, wo er noch regelmäßig nachgewiesen werden kann. Hier im Altmühltal habe ich ihn noch nicht zu Gesicht bekommen.
    Über dieses Foto hab ich mich am meisten gefreut. :daumenja:

    Leider hatte ich in diesem Jahr kaum Zeit für's Hobby :loudly_crying_face: aber das wird bald anders. Am Montag geht es nach Mexiko, dort werde ich hoffentlich in Flattermännern baden. :grinning_face_with_smiling_eyes:

    Eines noch:
    Wer diesen Bericht liest und ihn gut findet, der sollte auf jeden Fall seine Meinung dazu hinterlassen. Also vor dem weiterklicken - Sternchen drücken!!! :winken:

    Hey Harald, :falter::falter:

    Super Beitrag da kann ich Heinz und Falk nur zustimmmen. So etwas weckt einen auf, wenn man gerade aus dem Bett gekrochen ist.
    Also :applaus::applaus: und fünf Sternchen.

    Gruss Daniel

    Nimm das an, was nützlich ist...
    Lass das weg, was unnütz ist...
    Füge das hinzu, was dein Eigenes ist...
    Bruce Lee

    soviel Lob macht ja fast schon verlegen, aber ich freue mich natürlich sehr.
    Die Fotos von Satyrium w-album haben auch für mich einen ganz besonderen Wert. Anfang 2000 habe ich diese Art mehrfach gezielt gesucht, aber leider immer vergeblich. Im Peenetal gibt (oder gab?) es einen großen Ulmenbestand. Dort sollen die Falter schon vor Jahrzehnten beobachtet worden sein, nur leider fand ich nie einen. Als ich ihn jetzt auf der Distel sah (muß ich zu meiner Schande gestehen), hielt ich ihn zunächst für einen S. pruni, den etwas Zeichnung fehlt. So ein bischen habe ich natürlich gehofft und zu Haus dann beim Bilder betrachten die Gewißheit. War schon ein tolles Gefühl...

    Beste Grüße
    Harald

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