Frage wg. "Farberhaltung" bei Schrecken

    Hallo an Alle,

    nachdem meine Arbeit mir wieder etwas Raum lässt, ist mir eine Frage eingefallen, die ich hier immer schon mal stellen wollte: Wie erhalte ich die Farben beim Spannen von Heuschrecken?

    Ich hatte vor einiger Zeit eine juvenile kleine Wanderheuschrecke (Locusta) präpariert, (die ja sehr hübsch sind und im Terrashop als Lebendfutter angeboten werden), leider ist diese beim Trocknen ganz dunkel geworden (nicht verölt), ein ausgewachsenes Exemplar dagegen hat die Farbe behalten, obwohl die ja nicht so "schön" sind wie die Jungtiere.

    Was muss man beachten, wenn die Farben erhalten bleiben sollen? Ich möchte gerne einige Aularches milliaris-Schrecken im Terra halten, aber für meine Sammlung auch 2 oder 3 Tiere präparieren.

    Und noch etwas anderes: Gibt es noch Entomologen, die sich mit der Präparation von Raupen beschäftigen? Möchte ich momentan nicht anfangen, würde mich aber interessieren wie das geht. Mein Vater hat mir einiges erzählt hierzu, aber leider schon viel vergessen und es hat ihm wohl auch nicht so gefallen ;-), das Raupen präparieren.

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    Die Präparation von Heuschrecken ist ein schwieriges Kapitel. Zur Konservierung und Farberhaltung müssen große Heuschrecken, die trocken aufbewahrt werden sollen, ausgenommen werden, da sie sonst schneller in Fäulnis übergehen, als dass sie getrocknet sind (was die Schwarzfärbung hervorruft).
    Man führt mit einer feinen Schere unten seitlich am Hinterleib entlang der Hautfalte einen Schnitt. (Durch die seitliche Schnittführung bleiben wichtige Besimmungsmekmale unverletzt). Dann nimmt man mit einer feinen Pinzette den Darm, den Fettkörper und die Geschlechtsorgane heraus, ohne die Pigmentschicht auf der Innenseite des Hinterleibes zu zerstören. Der Darm sollte am Hinterende abgeschnitten und nicht abgerissen werden. Außerdem muss man vom Hinterleib aus mit einer kleinen Pinzette in den Brustabschnitt fahren und den darin befindlichen, meist stark gefüllten Kropf herausziehen.
    Danach wird der Hinterleib mit einem vorher gedrehten kleinen Wattebausch oder mehreren Wattekügelchen ausgefüllt.

    [Blockierte Grafik: http://www2.biologie.uni-halle.de/zool/coll/entomol/images/ortho_prp.jpg]

    Besser als Watte ist die Verwendung von Dichtungshanf (aus dem Baumarkt oder von einem Wasserinstallateur). Die Fasern werden in 1 bis 2 mm kurze Stücke geschnitten mit denen zunächst vom Hinterleib aus der Thorax und anschließend das Abdomen gefüllt wird. Hanf hat den Vorteil, dass es schneller trocknet als Watte und die Tiere problemlos genadelt werden können.
    Danach drückt man die Wundränder mit einer Pinzette vorsichtig zusammen.
    Nach erfolgter Vorbehandlung werden die Exemplare rechts von der Mitte kurz vor dem Hinterrand des Halsschildes genadelt und in die Rinne eines Spannbrettes gesteckt. Bei prall mit Watte ausgestopften Tieren kann das Einstechen der Nadel gewisse Schwierigkeiten bereiten - ein Problem, das bei der Verwendung von Hanffasern nicht auftritt. Auf dem Spannbrett kann man die Flügel einer oder auch beider Seiten spannen. Der Vorderflügel wird zunächst so ausgerichtet, dass sein Hinterrand etwa im rechten Winkel zur Körperlängsachse steht, dann wird der Hinterflügel behutsam ausgebreitet und mit Hilfe eines auch über den Vorderflügel reichenden Spannstreifens festgesteckt (ähnlich wie bei Schmetterlingen).
    Einseitiges Spannen hat den Vorteil, dass man zwar bei einem Flügel die Aderung sieht, das Tier aber nicht ganz so viel Platz einnimmt. Für Demonstrationszwecke ist jedoch die beidseitige Präparation der schönen filigranen Flügel zu empfehlen.
    Die Hinterbeine können entweder ausgestreckt und parallel nach hinten gerichtet werden oder aber im Kniegelenk angewinkelt, so dass die Schiene den Schenkel berührt und unmittelbar unter diesem liegt. Letztere Form hat den Vorteil, dass die Tiere in der Sammlung weniger Platz beanspruchen und die empfindlichen Beine vor dem Abbrechen geschützt sind. Die erste Variante sieht besser aus.
    Zur Verbesserung der Farbkonservierung grüner, besonders zartgrüner Arten kann man nach dem Ausnehmen und Ausstopfen die Tiere für eine halbe Stunde in Aceton legen. Sollten sich während der Acetonbehandlung Farbveränderungen ergeben, ist das Tier sofort aus dem Bad herauszunehmen. Da die Heuschrecken durch die Behandlung hart werden, müssen sie unmittelbar nach dem Herausnehmen präpariert werden. Spannen lassen sich mit Aceton entwässerte Exemplare meist nicht mehr. Badet man die Tiere zu lange, bleichen sie aus, werden sie zu kurz behandelt, dunkeln sie nach. Die richtige Behandlungszeit zu finden, ist Übungssache.
    In jedem Falle muss man für die Präparation von Heuschrecken Erfahrungen sammeln und der Erfolg kann nicht zu 100% garantiert werden.

    Zitat

    Gibt es noch Entomologen, die sich mit der Präparation von Raupen beschäftigen?


    Das ist wieder eine ganz andere Geschichte. Da reden wir später mal drüber.

    Cheers - und viel Erfolg
    Joachim

    Hallo Joe,

    ups, ich scheine ein Faible für komplizierte Dinge zu haben ;-). Deine Beschreibung ist aber prima, ich werde das mal so probieren (sobald ich Zeit habe, seufz), wie du es beschrieben hast. Gibt es spezielle Werkzeuge dafür? Wenn es das Buch noch gibt, werde ich es mir holen.

    Hmmm, woran liegt es denn, das z. B. große Saturniiden so trocknen und Heuschrecken ausgenommen werden müssen? Als Laie würde ich denken, auch Heuschrecken etc. sollten so trocknen? Allerdings ernährt sich ja ein Falter anders als eine Heuschrecke vielleicht ist das ein Grund?

    Hallo Inge,

    Zitat

    Hmmm, woran liegt es denn, das z. B. große Saturniiden so trocknen und Heuschrecken ausgenommen werden müssen?


    Die Chitinhülle der Heuschrecken scheint viel undurchlässiger zu sein und oftmals auch mit einer Art Wachs überzogen, wodurch die Tiere offenbar gut vor dem Austrocknen geschützt sind (und als Präparat eben schlecht trocknen.)
    In älterer Literatur wird übrigens oftmals auch empfohlen, dickleibige Schmetterlinge (Saturniiden, Sphingiden...) auszunehmen. Ich kenne sehr viele alte Schmetterlingspräparate in Museen, deren Abdomen ausgenommen und mit Watte gefüllt wurden. Nach meinen Erfahrungen ist das bei Schmetterlingen aber grundsätzlich nicht nötig. Ich nehme an, diese Empfehlung geht darauf zurück, dass seinerzeit die Tiere ja hauptsächlich unmittelbar auf Expeditionen in den Tropen gefangen und präpariert wurden und Fäulnis dort ein viel größeres Problem ist.

    Viele Grüße
    Joachim

    Moin,

    es hängt viel mehr mit der Stärke des Chitinpanzers zusammen und mit der Farbe an sich. Schmetterlinge haben einen deutlich dickeren Chitinpanzer, der sich so schnell nicht verändert. Da er auch noch dicht behaart ist, im Gegensatz zu dem der Heuschrecken, sind farbliche Veränderungen nicht wahrnehmbar.

    Darüber hinaus ist die Farbe grün sehr instabil, zerfällt sehr schnell und ändert sich zu ockergelb bis hellbraun. Dieser prozess wird durch die Fäulnisvorgänge der Weichteile wesentlich verstärkt, so dass Heuschrecken nach dem Tod binnen weniger Stunden bereits merklich ihre Farbe verändern. Licht schädigt die Farbe ebenfalls, so dass dunkel aufgehobene Präparate deutlich länger ihre natürliche Farbe behalten, als solche, die z.B. im Kasten an der Wand hängen.

    Ein weitere Präparationsmethode scheint hier zusätzlichen Erfolg beim Erhalt der Farben zu erzielen, was ich persönlich darauf zurück führen würde, dass das Wasser recht schnell aus dem Körper raus kommt: Trocknung des Präparates in einer Vakuumglocke. Ich denke, dass man ähnliche Effekte auch bei der Tiefkühllagerung erzielen kann, mit dem Unterschied, dass diese wohl eher Wochen oder gar Monate dauert (müßte ich eigentlich mal probieren).

    Viele Grüße
    Klaas

    Edit: Beim Präparieren von Raupen kommt es im Prinzip auf die gleichen Bedingungen an: die Weichteile müssen raus und das Tier muss möglichst schnell das Gewebewasser verlieren, ohne es dafür zu erhitzen. Zumindest die Weichteilentnahme geht meines Wissens auf dem Wege, dass man die Raupe teilt und einfach "plattwalzt", weil die Weichteile somit weitestgehend vollständig raus kommen. Nicht ausschaben, da hier die farbtragenden Chitinflächen und damit die Farben zerstört würden. Mit einer Pinzette den leeren Körper öffnen und auffüllen. Trocknung wie oben beschrieben.

    Hallo Inge, hallo Klaas,

    Prinzipiell hat Klaas natürlich völlig recht - Entwässerung unterbindet Fäulnis.

    Zitat

    Da er auch noch dicht behaart ist, im Gegensatz zu dem der Heuschrecken, sind farbliche Veränderungen nicht wahrnehmbar.


    Ja - aber Schmetterlinge (auch dickleibige) trocknen deutlich besser und verfaulen nicht, was man am Geruch feststellen kann.


    Zitat

    Beim Präparieren von Raupen


    Da Klaas darauf schon geantwortet hat, will ich doch etwas dazu erzählen.
    Am gebräuchlichsten ist die Herstellung von Trockenpräparaten, indem man die Raupen ausnimmt und dann aufbläst.
    Die eingesammelten Raupen werden in einem Giftglas abgetötet und danach auf Löschpapier gelegt. Mit einer feinen Schere führt man quer einen kleinen Schnitt am Körperende, um die Afteröffnung etwas zu erweitern. Mit Hilfe eines runden Stabes (Bleistift...) drückt man erst am After, dann von der Körpermitte und schließlich vom Kopf aus den Körperinhalt vorsichtig nach hinten und durch diese Öffnung aus der Raupenhaut. Sobald die Raupe völlig entleert ist, wird der Darm hinter der Afterklappe abgeschnitten. Damit sich die Hautmuskulatur wieder etwas kontrahiert, bleibt die entleerte Raupe etwa 10 Minuten liegen. Dann führt man einen dünnen, hohlen, ca. 30 - 40 mm langen Grashalm durch die Afteröffnung und pustet Luft in die leere Raupenhaut (nicht zu heftig, damit die Raupe nicht wie eine Presswurst aussieht :fröhlich:). Nun muss Raupe trocknen, während man durch Pusten einen gewissen Druck in der Raupenhülle aufrecht erhält. Früher waren dafür extra Raupenöfen üblich - kleine Blechkästen, die über einer Flamme stehen und mit einer Öffnung versehen sind, in die man die Raupe hineinhält. Mit guten Erfolg benutze ich jedoch stattdessen einen Rundkolben in einem Klemmstativ, unter dem sich ein Spiritusbrenner befindet. Unter Drehen und ständigem vorsichtigen Pusten wird nun die Raupenhaut getrocknet. (Sieht ein bisschen wie beim Glasbläser aus). Nach 5 bis 10 Minuten ist das Präparat weitgehend trocken. Nun wird der Grashalm hinter der Raupe abgeschnitten. Zur Aufbewahrung des Raupenpräparates führt man eine Insektennadel durch das Körperende der Raupe, wo man den Grashalmrest in der Raupe auch mit durchsticht.
    An Stelle eines Raupenofens oder Rundkolbens kann man notfalls das Tier auch über einer Glühlampe trocknen lassen, was aber deutlich länger dauert.
    Mit etwas Übung erhält man erstaunlich schöne Präparate - auch von stark behaarten Raupen.
    Grüne Farben werden auf diese Weise aber auch zerstört.

    Neben der Herstellung hohler Trockenpräparate, gibt es auch Verfahren, bei der die Raupenhäute mit verschiedenen Substanzen gefüllt werden (z.B. Paraffin-Gips-Gemisch oder Glyzerin-Gelatine-Schlämmkreide-Gemisch)

    Die besten Ergebnisse erzielt man bei der Präparation durch Vakuum-Gefriertrocknung. Aber das ist eher nichts für den Hausgebrauch.

    Weitere Informationen dazu und Abbildungen findet man in dem o.g. Buch.

    Viel Spaß
    Joachim

    Moin tobi,

    das ist eine Methode mit nicht zufrieden stellendem Ergebnis, da die Farbe trotzdem sehr stark leidet, besonders bei Libellen, und extrem verblasst und außerdem die Tiere durch das Acetonbad derart spröde werden, dass man sie nur anzuschauen braucht und es bricht was ab.

    Viele Grüße
    Klaas

    hi!

    das kann ich nicht unbedingt bestätigen.
    länger als eine halbe stunde sollte man große libellen auf keinen fall im bad lassen. eher weniger...
    bei kleinen reichen 10 minuten...
    ich hab gottesanbeterinnen auf diese art präpariert und kann keinen wirklichen qualitätsverlust feststellen.
    wichtig ist, dass alle teile des darms entfernt wurden ohne dass sich verdauungssäfte in das abdomen ergießen.

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    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass diese Methode für Libellen nur bei den Aeshnidae Sinn macht, da alle anderen auch so die Farbe weitestgehend behalten und sicher behalten, wenn man sie ausnimmt. Und die Aeshnidae werden grundsätzlich blass und spröde. Aber wenn Du andere Erfahrung gemacht hast, warum nicht.

    Viele Grüße
    Klaas

    jedes getrocknete tier wird auf irgendeine art spröde. aber ich will ja damit auch nicht kuscheln, sondern es kommt in nen kasten und wird dann im idealfall nicht ständig angefasst.
    aber du hast recht, aceton ist sicher nicht die schonendste aber durchaus gängigste methode

    Hallo,
    Bei Libellen spielt schon das Tötungsmittel eine Rolle (Essigether, Schwefeldioxid, Einfrieren). Dabei reagieren die Vertreter verschiedener Odonaten-Gattungen unterschiedlich auf die Tötungsmittel. Weiterhin gibt es unterschiedliche Verfahren (Vakuumtrocknung, Trocknung unter Verwendung von Entwässerungsmitteln, Darmentnahme mit nachfolgendem Acetonbad, Ausfüllen des Abdomens mit Watte, Grashalmen, Wolle).
    Ich persönlich habe recht ordentliche Ergebnisse erzielen können, wenn ich den frischtoten (!) Tieren das Abdomen unterseits aufgeschnitten und den Darm entfernt habe. Auch der Thorax muss zwischen den Hinterhüften geöffnet und der Vorderdarm entnommen werden. Anschließend wird der Körper mit einem Wattestrang gefüllt, der abschließend mit alkoholischer Borsäurelösung getränkt wird (um Fäulnis ganz auszuschließen). An Stelle der Watte gehen sicherlich die o.g. Dichtungshanffaseren - ich habe es jedoch noch nicht ausprobiert.

    In wissenschaftlichen Sammlungen ist es übrigens inzwischen oftmals nicht mehr üblich, die Libellen zu nadeln und zu spannen.
    Vielmehr werden sie mit zusammengefalteten Flügeln in Zellophantüten oder Plastiktüten mit Clip-Verschluss aufbewahrt. Zur Stabilisierung und Etikettierung befindet sich ein Stück fester Karton entsprechender Größe in der Tüte. Die Tüten mit den Libellen können dann in Karteikästen untergebracht werden. Als Vorteile gegenüber der konventionellen Aufbewahrung gelten vor allem Zeit-, Raum- und Kostenersparnis. Die Exemplare sind vor mechanischer Beschädigung weitgehend geschützt und die Tiere können in den Tüten bequem verschickt werden. Ich habe große Libellensammlungen in dieser Form z.B. in den USA und Costa Rica gesehen.
    Bevor die Tiere eingetütet werden, müssen Sie natürlich auch entwässert werden - üblicherweise durch Vakuumtrocknung oder Acetonbad.

    Cheers
    Joachim

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