31. Januar 2021 um 13:00 - Beitrag: Futterpflanzen aus den Gartencenter, Thema: Schmetterlinge züchten: Erfahrungen, Fragen und Antworten
Mal aus der Sicht des Gärtners:
Je besser und optimaler eine Pflanze steht und mit Nährstoffen, Wasser etc. versorgt ist, desto schneller wird sie sich auch meistens gegen Fraßfeinde zur Wehr setzen können. Vorausgesetzt die Pflanze hat eine solche Abwehrstrategie in ihrer Entwicklung vorgesehen.
Auf der anderen Seite wird es genug Fraßfeinde einer Pflanze geben, die mehr auf möglichst nährstoffreiche und saftige Kost angewiesen sind.
So lässt sich kaum eine konkrete Aussage treffen, dass möglichst kümmerliche Pflanzen grundsätzlich das bessere Futter für Insekten darstellen. Sondern es ist wie so oft bei der Vielzahl an unterschiedlichen Arten die entsprechende Spezialisierung einer Art zu beachten. Sowohl auf Seite der Planzen, als auch auf Seite der Fraßfeinde.
Und ob es dann wirklich die Inhaltsstoffe einer Pflanze sind, die ein Weibchen im Freiland zur Eiablage bewegen, oder eher die mikroklimatischen Bedingungen wie zB Äste kleinerer Pflanzen die aufgrund ihrer Bodennähe den Raupen wärmere Lebensbedingungen bieten....sehr schwierig das für die vielen tausend Insektenarten immer konkret zu beantworten. Für einzelne Arten wird es dazu schon Erkenntnisse geben. Diese jedoch auf andere Arten ungeprüft zu übertragen, wäre verwegen.
Ist es schon unter Freilandbedingungen ein schwieriges Unterfangen heraus zu finden welches Futtermedium in welchem Zustand eine Insektenart zur Entwicklung benötigt, ist dies mit nichtheimischen Arten noch viel schwieriger. Hier müssen diese Arten nun zusätzlich mit völlig "fremden und ungewohntem" Futter zurecht kommen. Mit viel Glück ist das Ersatzfutter noch einigermaßen mit dem Originalfutter verwandt. Oftmals jedoch eben nicht. Inhaltsstoffe, Konsistenz, Wassergehalt, ungewohnte Pilze, Sporen, Bakterien, Viren etc. auf/in der Blattmasse.... Und welche Einflüsse dann die ungewohnte Zusammenstellung an Inhaltsstoffen auf die Gesundheit der Raupen hat, wird sich immer erst über einen längeren Zeitraum zeigen. Auch wenn zu Beginn der Larvenentwicklung ein Futter eventuell sogar gut angenommen wird, muss das noch lange nicht bedeuten, dass eine solche Aufzucht auch zu einem erfolgreichen Ende gebracht werden kann. Giftstoffe in oder auf der Nahrung können sich im Larvenkörper bis zur letalen Dosis ansammeln und so zum Tod führen oder zumindest beitragen.
Aber nochmals zurück zu den Pflanzeninhalstoffe. Aktuell im Forum z.B die Gonimbrasia zambesina Raupen in der Gallerie die scheinbar problemlos Prunus laurocerarus fressen und dann die anderen Züchter welche offenbar keine Chancen haben Ihre G.z. Raupen an das selbe Futter zu bekommen?!
Wer sagt, dass es dasselbe Futter ist? Holt ihr das Futter von derselben Pflanze? Ich denke eher nicht.
Selbst wenn es zwei Prunus laurocerasus wären, die nur 10 Meter auseinander stehen würden, wäre es nicht dasselbe Futter!
Speziell bei Prunus laurocerasus kommt noch das Problem der Vielzahl an unterschiedlichen Sorten hinzu, die es auf dem Pflanzenmarkt zu kaufen gibt. Selbst Profis können hierbei oftmals nicht eindeutig bestimmen um welche Sorte es sich handelt, auch wenn man direkt vor der Pflanze steht und alle ihre morphologischen Merkmale sehen kann. Gerade bei Prunus laurocerasus ging die Pflanzenzüchtung die letzten Jahre in zwei markante Richtungen:
1) taugliche Heckenware mit aufrechtem, kompakt verzweigtem Wuchs und
2) bessere Winterhärte
Und insbesondere Sorten die eine bessere Winterhärte zeigen, lagern hierzu im Herbst entsprechende Inhaltsstoffe in ihre Blätter ein.
Welche Auswirkungen diese Inhaltstoffe auf die Gesundheit der damit aufgezogenen Raupen hat, sei mal in Frage gestellt.
Und dann unter solchen Voraussetzungen zu lesen, dass eine Zucht auf Prunus laurocerasus gut geht und fünf andere Zuchtansätze dagegen die L1 das Futter verweigern, lassen mich nicht erstaunen.
Wie sehen die Pflanzen aus, von denen das Futter geholt wird? Eine alte Hecke, die jährlich zweimal stark beschnitten wird? Ein freiwachsender alter Strauch? Eine frisch gekaufte Pflanze aus dem Gartencenter?
Wie ist der Standort der Pflanze? Sonnig, feucht, trocken, mooriger Boden, lehmiger Boden......
All dies fließt in der Regel nicht in die Betrachtungsweise des Entomologen bezüglich seines Problems dass die L1 das Futter verweigern mit ein. Wäre auch ziemlich kompliziert. Aber meiner Meinung nach angebracht.
Also....nur weil es irgendwo klappt die Art A mit der Pflanze B aufzuziehen, ist das nicht jederzeit an anderen Orten reproduzierbar.
Weil es eben nicht dieselbe Futterpflanze ist.
Und nun bin ich noch nicht mal auf die anderen Zuchtbedingungen eingegangen wie Temperatur, Licht, Sauerstoffgehalt, Feuchtigkeit, Krankheitserreger, Besatzdichte........
In diesem Sinn trotzdem noch viel Glück bei euren Zuchten.
Rudi
