Ungewöhnlicher Falter

    Hallo,

    ich habe hier einen großen Frostspanner,Erannis defoliaria, der eigentlich fast keine Flügelbeschuppung hat(Bild am besten anklicken um zu vergrößern).Ich habe ihn vor zwei Jahren bei mir zu Hause in der Nähe ,in einem kleinen Tal mit Lichtfang erbeutet.Er ist nicht perfekt aber auf Grund der fast farblosen Flügel habe ich ihn doch behalten.Kommt so etwas eigentlich öfter in der Natur vor?Vielleicht hat jemand ja ähnliche Tiere?Hier noch ein Bild im Vergleich zu einem fast normal gezeichneten Frostspanner:

    Schönen Abend noch Enrico.

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    Ich lasse solche Tiere auch meistens fliegen und tue sie nicht in die Sammlung. Einige davon haben in der Tat eine "Abberration", also ein anderweitiges Aussehen ab Geburt und wieder andere sind einfach nur mal in eine Wasserpfütze gefallen und wieder rausgekommen. Ich habe weder von Abberrationen noch von abgeflogenen Tieren etwas davon diese in meine Sammlung zu stecken und lasse diese deshalb fliegen :winking_face:

    Ich hatte bei verschiedenen Zuchten immer mal wieder einen Falter, bei dem Teile der Flügel unbeschuppt waren. Ob dieser Frostspanner abgeflattert ist, kann ich nicht sagen, aber normalerweise machen sich die Falter viel schneller die Flügelränder total kaputt, bevor sie so viele Schuppen verlieren, daß die Flügel fast durchsichtig sind.

    Eine Nahaufnahme ohne reflektierenden Hintergrund wäre ganz interessant.

    Viele Grüße - TX

    Hallo TOX,

    ich habe es noch mal versucht,leider bekomme ich es nicht besser hin als auf den Bildern.Vielleicht genügt es dir ja so.Man kann eine schwache Beschuppung der Flügel erkennen.Wenn man die Bilder zum vergrößern doppelt anklickt,sieht man die Details besser.

    Schönen Tag noch Enrico.

    Hallo Enrico! Ich denke daß der Falter sich sehr lange aus seiner Puppe rauszappeln mußte und dabei den größten Teil seiner Beschuppung verlor. Darauf komme ich weil es auch so aussieht als hätte er den linken Hinterflügel nicht richtig entfalten können. Was meinen die anderen? Gruß Christian.

    Moin,

    es gibt tausend Gründe sowohl das eine als auch das andere in Betracht zu ziehen. Solange in der Zucht kein Falter aus einer Puppe kommt, der einwandfrei und ohne Schuppen ist, muss man von vielen Möglichkeiten ausgehen. Den linken Hinterflügel als Indiz für langen Kampf beim Schlupf aus der Puppe zu nehmen, kann ich nicht wirklich zustimmen. Der sieht für mich eher aus, als wäre er schlicht leicht beschädigt (Riß), Teile umgeschlagen und dann bei der Präparation darauf nicht geachtet worden. Er ist auf alle Fälle nicht optimal nach oben gezogen worden.

    Gegen die Theorie des Abreibens spricht aus meiner Sicht, dass die verbliebenen Schuppen ausgesprochen gleichmäßig über die Flügel verteilt sind. Das wäre niemals der Fall, wenn der Falter abgeflogen ist. Auch der Theorie mit der Wasserlache würde ich nicht zustimmen wollen. Um die Schuppen durch flattern in einer Wasserlache zu verlieren, muss der Falter sehr stark mit den Flügeln flattern (Vibration alleine reicht hier nicht). Dafür hat er aber nicht ausreichend Kraft. Liegt der Flügel einmal auf der Wasseroberfläche (und das tut er beim ersten Schlag, also in dem Moment, wo der Falter ins Wasser fällt), wird die Adhäsionskraft jede weitere Flügelbewegung verhindern.

    Ich halte es durchaus für möglich, dass der Falter so der Puppe entschlüpft ist. Um sicher zu gehen müßtest Du aber wohl beim nächsten Falter einen Zuchtversuch über mehrere Generationen starten, denn ich dneke, dass dergleichen bisher nicht bekannt ist. Und natürlich würde ich den Falter aufbewahren. Er hat zwar taxonomisch keinen Wert (was Euxoa mit seinen Ausführungen wohl sagen wollte), aber ökologisch ist sowas immer interessant und relevant, auch wenn er einfach nru abgeflogen ist. Denn in vielen Jahren der Entomologie habe ich noch nie einen Falter gesehen, der so viel Schuppen verloren hat, ohne das die Flügel nennenswert beschädigt wären (falls er doch nru abgeflogen ist). Er ist ein Unikum, aber ich würde halt nicht versuchen daraus einen Erannis defoliaria var. oder f. oder sonst was zu machen, sondern ihn als Unikum in der Sammlung verwahren. Bemerkenswert und damit aufhebenswürdig ist sowas immer.

    Viele Grüße

    Klaas

    Hallo Klaas,

    also erst einmal danke für deine ausführliche Antwort.Also ich habe auch nicht vor den Falter aus der Sammlung zu nehmen ,da er für mich ebenfalls etwas außergewöhnliches ist.Ich bin persöhnlich auch der Meinung das der Falter so geschlüpft sein könnte,aber ich wollte eben mal andere Meinungen dazu hören.Also bei allen nochmal vielen Dank.

    Schönen Sonntag noch Enrico.

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    '
    Anfangs vermutete ich auf Grund der Eigenschaften der Flügelbeschuppung, daß der Falter diese Beschaffenheit seit dem Schlupf hat. Nachdem der populi aber weitere Bilder hochgeladen hat auf denen auch der linke Hinterflügel gut zu sehen ist, kam ich ins zweifeln, denn der HFl sieht wirklich eher so aus als wenn der Falter naß geworden wäre, was die These von Euxoa bestätigen würde. Denn vom Schlupf an mißbildete Flügel sehen meistens so aus wie auf folgenden Bildern, die ich hier auf ACTIAS gefunden habe:

    https://www.actias.de/wcf/images/pho…12-5a776514.jpg
    https://www.actias.de/index.php?page…il=1&embedded=1

    Also habe ich einen Versuch mit einen 2.-Wahl-Frostspanner durchgeführt: Ich habe die Situation simuliert wie der Falter im Wasser flattern würde: Über 200 mal ins Wasser und wieder rauß, die Flügel lange mit Wasser betropfen lassen, Flügel auf Wasseroberfläche und wieder weg. Diese Prozeduren haben der Beschuppung nichts anhaben können. Auch mit vorsichtigem Nachhelfen mit Wattestäbchen habe ich es nicht geschafft die Flügel so zu entschuppen, daß mann durch sie hindurchsehen kann. Viel eher ist die dünne Flügelmembran immer wieder gerissen, bevor so viele Schuppen entfernt waren, daß sie zum Vorschein kam. Daraus kann man schließen, daß der Frostspanner von populi wirklich von "Geburt" an nahezu unbeschuppt war, was man meines Erachtens schon als Besonderheit ansehen kann.

    Viele Grüße - TX
    '

    Er war auch vermutlich von Geburt an "unbeschuppt" weil jeder der mal versucht hat ein Aderpräparat von Schmetterlingen herzustellen weiss wie schwierig eine totalle Entschuppung ist. Ein Aderpräparat ist wenn man alle Schuppen entfernt damit man auf den ersten Blick die Adern sieht für weitere taxonomische Untersuchungen. Unbeschuppt habe ich wieder in Gänsefüsschen geschrieben da es sein kann dass der Falter doch beschuppt ist aber mit deformierten und abnormen durchsichtigen Schuppen die auch viel kleiner als normale Schuppen sind. Das kann nur ein Blick ins Mikroskop ans Tageslicht bringen. Bei Lycaenidae gibt es ja die gelbe verblichene Farbform. Dies ist auch kein verbleichen im klassischen Sinn sondern ein Blick ins Mikroskop zeigt dass alle Schuppen runde spitzen haben und selbst deformiert sind.

    Hallo,

    erst einmal vielen Dank für eure Experimente und Mühen.Ich glaube da sind wir uns zum Schluß dann doch alle einig geworden,also doch von Geburt an unbeschuppt.Ich werde das Exemplar gut aufbewaren und es als eher eine Seltenheit einstufen.

    Schönen Tag noch Enrico.

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