Luftdruck und Eiablage

    Ein Luftdruckwechsel wirkt sich offensichtlich auf den Eiablagemechanismus aus; die am 15.08. gefundenen eierlegenden Windenschwärmerweibchen legten nach meinem nächtlichen Flug am 18.08.08 von Venedig nach Deutschland kein einziges Ei mehr ab - und das war später nicht mehr rückgängig zu machen.
    Darum ist es bei den wenigen hundert Eiern geblieben und ich kann die anderen Besteller nicht mehr beliefern - es tut mir leid, Verzeihung nochmal.
    Alle geschickten Eier wurden in der Nacht zum 17.08. gelegt. (In den früheren Jahren haben Weibchen von A. convolvuli auch nach mehrtägigen Zugtransporten nach Deutschland noch Eier gelegt.)

    Ich kann mir indes schlecht vorstellen, daß beim Höhenwechsel wirklich ein Teil des Gewebes platzt oder ernst beschädigt wird - vielmehr scheint die feine Legeröhre bzw. einer der zarten Teile des Ablegetraktes einfach zu verkleben.
    Eiablage findet bei A. convolvuli gg. Lebensende statt - und ist dann meist massiv.
    Man könnte annehmen, die Vorräte dieser nach einem heftigen Sturm am Straßenrand aufgefundener, erschöpfter (alle waren mehr oder weniger stark von Hauskatzen beschädigt) und nach ausgiebiger Fütterung wieder lebhafter Tiere seien gerade am Ende.
    Aber die Obduktion eines der inzwischen abgelebten Weibchen ergab einen großen Vorrat an reifen Eiern (Bild).
    Ein Schnitt des "Lagerraumes" läßt, nach grober Schätzung, auf noch über 1000 abzulegende Eier schließen.
    Damit wären wir bei genau derselben Beobachtung, die mir aus Herrn Wenczels Berichten bekannt ist - er habe oft eierlegende Weibchen aus Süd- und Mittelamerika (es waren Eumorpha- und, glaube ich, Manducaarten) nach Europa gebracht, aber sie hätten nach dem Flug kein einziges Ei mehr gelegt. Es muß sich dabei offensichtlich um dieselbe Panne handeln.
    Die abgelegten Eier selbst überstehen den Druck- und Höhenwechsel dagegen problemlos; einen kleinen Eierrest nahm ich in diesen Tagen stets mit auf die Kongreßreisen - auch nach drei Flügen (10.-12.000m Höhe) sind aus allen die Räupchen geschlüpft.
    Die Weibchen verhielten sich am Abend des 18.08. in ihren Behältern während des Fluges unauffällig, d.h. ruhig, mit zeitweiser Bewegung, wie schon zuvor bei der Bus- und Zugfahrt - die Behälter waren dunkel, aber äußere Bewegung läßt sie ruhen, ähnlich einem Sturm; nur beim Auf- und Abstieg auf eine bestimmte Höhe (etwa 4 km) kam bei allen gleichzeitig eine gewisse Unruhe auf, worauf sie auch flatterten. In großer Höhe waren sie wieder ruhig.
    Die Eiablageorgane sind diesbezüglich offenbar sehr empfindlich, denn ansonsten ist der Höhenunterschied (durch Druckausgleich in der Kabine) nicht wahrnehmbar - drei frischgeborene Babies schrien allerdings die meiste Zeit wie am Spieß, verstärkt beim Auf- und Abstieg.
    Daß es trotzdem geringfügige Unterschiede gibt, zeigen die Pringlesdosen (Bild): ab einer Höhe von etwa 5 km läßt der Druck das innere Deckelchen der dicht verschlossenen Dose anschwellen - und nach dem Abstieg wieder schrumpfen (früher dachte ich dann zuerst, meine seien "abgelaufen") - und nahm aus Neugier eine ältere Dose mit. (Daneben auf dem Tisch befindet sich eine Schachtel mit Windenschwärmereiern; die Eier sind vermutlich ausreichend luftdurchlässig bzw. elastisch, so daß sie das aushalten.) -
    Der Pringleseffekt wirkt sich auf die Legeröhre wohl deshalb schädlich aus, weil sie dicht verschlossen ist - oder wer weiß, warum.
    (Ich möchte noch kurz an einen älteren Beitrag erinnern, in dem vom Fund hunderter Taubenschwänzchen in großer Höhe bei Eiseskälte berichtet - und diskutiert wird.)

    [Blockierte Grafik: http://kunde7.juli.bimetal.de/bilder/AconvOva1.jpg]

    [Blockierte Grafik: http://kunde7.juli.bimetal.de/bilder/Pringles11.jpg]

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    Hallo Bostjan

    Ich habe meine Zweifel an der Luftdrucktheorie, obwohl sie mir auch schon als Erklärung für den Legestopp bei Th.alecto durch den Kopf ging.
    Auch sollte sie Schuld daran sein, dass meine beinahe 50 Sphingiden Weibchen , die ich mal wohl behalten aus Venezuela Heim brachte, keine Eier legten.
    Als sich dasselbe Phänomen aber bei Nachzuchtweibchen zeigte - plötzliche Legeverweigerung nach hunderten von guten Eiern und der Gegenwart von kräftigen Männchen - schmiss ich die Theorie über Bord. Es muss an irgend etwas anderem liegen. Saturniden, Pieriden, Arctiiden und Lasiocampiden legen auch nach dem Höhenflug problemlos weiter, obwohl gerade die bestimmt nie nur annähernd in die Wander - Sphären steigen, wie das Schwärmer tun. Ausserdem kann ich auch von durchaus positiven Transfers berichten. So haben mir Hyles Arten und Marumba quercus aus Griechenland bisher noch nie Probleme bereitet. Genauso wenig wie damals tithymali aus Gran Canaria.

    Vielleicht finden wir es mal raus, woran es liegt und können uns viel Frust ersparen.

    Gruss

    Bernhard

    Hallo,

    ich kann zwar höchstens Vermutungen anstellen, warum die Weibchen keine Eier mehr ablegen können, melde mich aber trotzdem mal zu Wort.

    Ich muss mich Bernhard anschließen und die Drucktheorie (zumindest teilweise) in Zweifel ziehen, allerdings muss ich fairerweise zugeben, dass ich sie genausowenig widerlegen kann.

    Zitat


    Es ist vorgeschrieben, dass der Luftdruck in der Kabine nicht unter den Wert fallen darf, der unter Normalbedingungen in 8.000 ft (2.438 m) Höhe herrscht.


    (Wikipedia - Druckkabine Ich zitiere ungern Wikipedia, aber auf die Schnelle konnte ich nichts anderes finden, man möge mir verzeihen)

    Es stünde also zur Debatte, ob ein Weibchen die Höhe bzw. den Druck in einer Höhe von ca. 2400m mit unbeschadetem Legeapparat übersteht.

    Vielleicht ist es ja ein Holzweg, möglicherweise könnte auch die Geschwindigkeit des Druckabfalls der ausschlaggende Faktor sein oder die (für den Falter plötzlich eintretende) Trockenheit der Kabinenluft.

    So, jetzt hab ich auch meinen Senf dazugegeben. Und morgen werde ich gleich ein Patent für Schmetterlingsweibchenflugzeugdrucktransportbehälter anmelden :grinsen:

    Servus,
    moe/Benjamin

    Hallo Bernhard, hallo Benjamin,

    danke für Eure Meldungen mit den interessanten Vorschlägen und Ergänzungen! Spannend, wie viele Details und Einzelaspekte es wohl noch zu beachten gibt; - die Sache mit dem Luftdruck fiel mir als Erklärung ein, weil es danach einfach gar nicht mehr ging - und weil ich Deinen Bericht vom Gespräch am Frankfurter Entomologentreffen, Bernhard, vor Augen hatte... Danke für dessen Erneuerung und die interessante Ergänzung! Die Sache bleibt mysteriös.
    Der schnelle Druckwechsel ist in der Tat ein ebenso wichtiger Gesichtspunkt. Ein Wechsel der Luftfeuchtigkeit (Austrocknung) kann wohl auch Schäden bewirken - diese suchte ich zu vermeiden, aber der Effekt ist trotzdem nicht auszuschließen, obwohl ich das für die kurze Dauer etwas unwahrscheinlicher finde. Aber so einen Behälter, Benjamin, würde ich sofort bestellen!

    Viele Grüße,

    Hallo, - vielleicht noch ein Gedanke!

    Da Schwärmer ja doch eine recht kräftige Muskulatur haben und auch recht unruhige Gesellen sind, kann es da nicht sein, dass die Aufregung (Flügelzittern) und das sicher enge Obdach in der Zeit des Fluges (vielleicht sogar getütet) ein starkes aufwärmen des Schwärmerkörpers zur Folge hat.

    Dieses Fieber übersteht dann vielleicht nicht die Legevorrichtung!

    Wie ich darauf komme - ich hatte irgendwann einmal einen Bericht gelesen, in dem es hieß, das in der Hand gehaltene Windenschwärmer, welche versuchen zu flattern, sich durch die Muskulatur so sehr aufheizen, dass es nach einer gewissen Zeit sogar zum ableben kommen kann.

    Ob dem so ist sei mal zu hinterfragen - abe jeder kennt es slbst -> Viel Sport = Wärme!

    Gruß
    Rigo

    Hallo Rigo,

    danke für den interessanten Hinweis! In der Tat, Überhitzung der Muskulatur, wie Du sie beschreibst - und wie auch ich von ihr (möglicherweise aus der selben Quelle) gelesen hatte - ist zu beobachten, wenn man das Tier während des Schwirrflugs mit Händen ergreift (was man natürlich keinesfalls tun sollte); zumindest tun sich die Falter dann eine Weile sehr schwer damit, wieder normal davonzufliegen...
    Die Erwägung, die Luft im Behälter sei zeitweise zu warm gewesen und habe hinzuzüglich zeitweiser Flugaktivität zu einer entsprechenden Überhitzung geführt, ist ein guter Gedanke - allerdings muß ich zugeben, daß ich in einer Reihe früherer Fälle (unzählige Male seit meiner mittleren Kindheit) schon Windenschwärmerweibchen in viel ungeeigneteren Behältnissen (Stoff- oder gar Plastiktüten, Bechern usw. -- diesmal waren die Behälter eher geräumig und bequem, und die Tiere verhielten sich ruhig) über längere Zeiträume hinweg von einem Ort an den anderen verfrachtet habe, ohne daß die Weibchen dann mit der Eiablage aufgehört hätten; sogar sichtlich beschädigte, höchst "abgeflogene" Tiere haben am Ziel noch viele Eier gelegt - auch wenn ich hinzufügen muß, daß bei A. convolvuli (unabhängig von der Tageszeit) kein einziges Ei jemals unterwegs abgelegt wurde -- aber danach wieder.
    (Mit Flugzeug habe ich Windenschwärmerweibchen diesmal zum ersten Mal mitgebracht.)

    Schönen Gruß,

    Hallo zusammen,

    gleich mal eine Frage von mir.
    Wie bekomme ich Windenschwaermerweibchen ueberhaupt zum Eier legen.
    Ich fange des oefteren hier in Thailand ein Weibchen nachts am Licht und sperre es in eine Plastikbox, aber sie legen keine Eier. Ich habe auch schon versucht veschiedene Winden als Ablagepflanze mit beizugeben und trotzdem funktioniert die Eiablage nicht.

    Danke fuer eventl. Ratschlaege

    Thomas Ihle

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