27. August 2008 um 16:51 - Beitrag: Luftdruck und Eiablage, Thema: Schmetterlinge (Lepidoptera)
Ein Luftdruckwechsel wirkt sich offensichtlich auf den Eiablagemechanismus aus; die am 15.08. gefundenen eierlegenden Windenschwärmerweibchen legten nach meinem nächtlichen Flug am 18.08.08 von Venedig nach Deutschland kein einziges Ei mehr ab - und das war später nicht mehr rückgängig zu machen.
Darum ist es bei den wenigen hundert Eiern geblieben und ich kann die anderen Besteller nicht mehr beliefern - es tut mir leid, Verzeihung nochmal.
Alle geschickten Eier wurden in der Nacht zum 17.08. gelegt. (In den früheren Jahren haben Weibchen von A. convolvuli auch nach mehrtägigen Zugtransporten nach Deutschland noch Eier gelegt.)
Ich kann mir indes schlecht vorstellen, daß beim Höhenwechsel wirklich ein Teil des Gewebes platzt oder ernst beschädigt wird - vielmehr scheint die feine Legeröhre bzw. einer der zarten Teile des Ablegetraktes einfach zu verkleben.
Eiablage findet bei A. convolvuli gg. Lebensende statt - und ist dann meist massiv.
Man könnte annehmen, die Vorräte dieser nach einem heftigen Sturm am Straßenrand aufgefundener, erschöpfter (alle waren mehr oder weniger stark von Hauskatzen beschädigt) und nach ausgiebiger Fütterung wieder lebhafter Tiere seien gerade am Ende.
Aber die Obduktion eines der inzwischen abgelebten Weibchen ergab einen großen Vorrat an reifen Eiern (Bild).
Ein Schnitt des "Lagerraumes" läßt, nach grober Schätzung, auf noch über 1000 abzulegende Eier schließen.
Damit wären wir bei genau derselben Beobachtung, die mir aus Herrn Wenczels Berichten bekannt ist - er habe oft eierlegende Weibchen aus Süd- und Mittelamerika (es waren Eumorpha- und, glaube ich, Manducaarten) nach Europa gebracht, aber sie hätten nach dem Flug kein einziges Ei mehr gelegt. Es muß sich dabei offensichtlich um dieselbe Panne handeln.
Die abgelegten Eier selbst überstehen den Druck- und Höhenwechsel dagegen problemlos; einen kleinen Eierrest nahm ich in diesen Tagen stets mit auf die Kongreßreisen - auch nach drei Flügen (10.-12.000m Höhe) sind aus allen die Räupchen geschlüpft.
Die Weibchen verhielten sich am Abend des 18.08. in ihren Behältern während des Fluges unauffällig, d.h. ruhig, mit zeitweiser Bewegung, wie schon zuvor bei der Bus- und Zugfahrt - die Behälter waren dunkel, aber äußere Bewegung läßt sie ruhen, ähnlich einem Sturm; nur beim Auf- und Abstieg auf eine bestimmte Höhe (etwa 4 km) kam bei allen gleichzeitig eine gewisse Unruhe auf, worauf sie auch flatterten. In großer Höhe waren sie wieder ruhig.
Die Eiablageorgane sind diesbezüglich offenbar sehr empfindlich, denn ansonsten ist der Höhenunterschied (durch Druckausgleich in der Kabine) nicht wahrnehmbar - drei frischgeborene Babies schrien allerdings die meiste Zeit wie am Spieß, verstärkt beim Auf- und Abstieg.
Daß es trotzdem geringfügige Unterschiede gibt, zeigen die Pringlesdosen (Bild): ab einer Höhe von etwa 5 km läßt der Druck das innere Deckelchen der dicht verschlossenen Dose anschwellen - und nach dem Abstieg wieder schrumpfen (früher dachte ich dann zuerst, meine seien "abgelaufen") - und nahm aus Neugier eine ältere Dose mit. (Daneben auf dem Tisch befindet sich eine Schachtel mit Windenschwärmereiern; die Eier sind vermutlich ausreichend luftdurchlässig bzw. elastisch, so daß sie das aushalten.) -
Der Pringleseffekt wirkt sich auf die Legeröhre wohl deshalb schädlich aus, weil sie dicht verschlossen ist - oder wer weiß, warum.
(Ich möchte noch kurz an einen älteren Beitrag erinnern, in dem vom Fund hunderter Taubenschwänzchen in großer Höhe bei Eiseskälte berichtet - und diskutiert wird.)
[Blockierte Grafik: http://kunde7.juli.bimetal.de/bilder/AconvOva1.jpg]
[Blockierte Grafik: http://kunde7.juli.bimetal.de/bilder/Pringles11.jpg]