Laienfrage zu Kohlweißlingraupe

    Macht euch mal keine Sorgen.

    Habe sicher über 1000 Zuchten durchgeführt und es gibt immer wieder Höhen und Tiefen.

    Nie aufgeben - das eigentlich Unmögliche gelingt oft besser als man selbst denkt.

    Die Standart-Weißlinge haben in warmen Sommern mindestens 3, manchmal sogar mehr Generationen.

    Machen wir mal wieder eine Michmädchenrechnung auf:

    1 Paar Amseln legt 6 Eier. Im Sommer legen dann vielleicht 8 Amseln 24 Eier und dann sind es insgesamt

    32 Vögel am Jahresende wenn alles bestens geklappt hat.

    1 Paar Pieris napi legt im Frühling ca, 200 Eier und stirbt danach.

    Die Nachfolgegeneration (100 Paare) legen 20.000 Eier und sterben.

    Die 2. Nachfolgegeneration (10.000 Paare) legen 2.000000 Eier und sterben.

    Evtl. gibt es noch Folgegenerationen !!!!

    Das Problem bei Zuchten ist oft, dass man viel zu viele Nachkommen bekommt.

    Heimische Tiere kann man einfach fliegen lassen.

    Mit fremden Zuchten kann man den Genpool total stören (nicht angepaßt an Klima ....),

    wenn man sie unsachgemäß am falschen Ort freiläßt.

    Exotische Tiere können sogar zur Plage werden.

    Und vielleicht aus mal was menschliches zur Größe.

    Ich war immer der Kleinste in der Klasse.

    Für meinen Beruf war ich zu leicht und mußte zur Einstellung noch heimlich 2 Liter Wasser trinken

    um übernommen zu werden.

    Wenn ihr mein Erkennungsbild antippt, könnt ihr sehen, dass sich ALLES geändert hat.

    Immer einfach alles probieren, die Natur hat den "Ausfall" einiger Tiere eingeplant.

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    Die Raupe kann sehr wohl auch raus. Draußen überleben die "wilden" Raupen schließlich auch, zumal weithin bekannt ist, dass man sie oft bis in den November hinein findet. Nichtmals leichter Frost schadet ihnen (man beobachtete schon überlebende Raupen nach -10°-Nächten). Es gibt sogar oft genug Funde aus Dezember oder Januar, wenn auch von wärmebegünstigten Orten wie dem Kaiserstuhl...

    Manfred, dein Beispiel suggeriert, dass im Laufe des Jahres unglaublich viele Falter schlüpfen. Das ist vollkommen übertrieben. Wenn am Ende 1-5% der Eier zum Falter werden, dann ist schon viel erreicht. Aus 100 Paaren mögen 20.000 Eier entstehen, das sind am Ende trotzdem allenfalls wenige 100 Falter die dabei herauskommen. Parasiten etc. passen sich ja darauf an. Ansonsten hätte man von jeder Art zur Zeit der besten Bedingungen irrsinnig hohe Anzahlen.

    Ich hatte ja schon eingangs gestanden, dass ich ein absoluter Laie bin. So habe ich auch keine Ahnung, wie groß Bläulinge werden, aber wenn sie natürlicherweise klein bleiben, dürften sie sich auch an Nahrungspflanzen angepasst haben, die ihnen zugänglich sind. Ein Kohlweißling mit starker Entwicklungsverzögerung wird hingegen nicht an den Nektar herankommen, den er benötigt. Dazu dürfte sein Saugrüssel doch viel zu kurz sein.

    Die Geschwisterraupen waren vor der Verpuppung rund fünf Zentimeter lang und gut genährt. Die Puppen sind etwa drei Zentimeter. Wie groß wäre dann wohl die Puppe der zurzeit knapp zwei Zentimeter langen Kleinen? Dass normalgroßen Puppen winterhart sind, ist mir schon klar, aber ich will mit der Miniaturausgabe kein Risiko eingehen, nachdem sie sechs Wochen so tapfer gefuttert hat.

    Euer Optimismus freut mich ja, aber ein plötzlicher Wachstumsschub erscheint mir sehr unwahrscheinlich. Ich überlege deshalb, sie für den Fall einer Verpuppung in der Wohnung zu behalten und es auf einen Falterschlupf ankommen zu lassen. Würde ein Kohlweißling eine Nährlösung annehmen und falls ja, welchen? LG Annegret

    Hallo Annegret,

    die meisten Falter sind nicht auf eine einzige Pflanze / Blüte als Nahrungsquelle festgelegt. Weiters kommt es sehr häufig vor, dass innerhalb einer Population auch einmal sehr kleine Exemplare, aber auch sehr große Exemplare entstehen. Was bedeutet, dass auch kleinwüchsigere Falter mit evtl. etwas kürzerem Rüssel geeignete Blüten finden und anfliegen. Der Falter wird definitiv nicht verhungern!

    Weiters ist es nicht außergewöhnlich, dass es in einer Zucht auch mal Nachzügler gibt, die langsamer wachsen. Die Raupe kann also durchaus noch gut zulegen. Aber selbst wenn sie sich kleiner verpuppt, und auch die Puppe kleiner bleibt: es spielt keine Rolle! Sie ist deswegen nicht weniger winterhart, als die Großen! Und sie braucht die Überwinterung sogar, wie bereits geschrieben! Das ist absolut kein Risiko, zumindest nicht mehr Risiko, als sie in der Wohnung zu behalten!

    Du schreibst, dass du absoluter Laie bist, es haben Dir hier mehrere "alte Hasen" bereits auf Deine Frage geantwortet, nun, ich an Deiner Stelle würde den Rat erfahrener Leute dann zumindest in Erwägung ziehen. Eine Garantie für eine Verpuppung und / oder einen Falterschlupf gibt es weder in der Wohnung, noch bei Überwinterung, jedoch stehen die Chancen sehr gut, wenn Du die Puppe überwintern und damit der in unseren Breiten natürlichen Entwicklung einer Pieridae ihren Lauf läßt!

    Gruß Thomas

    Hallo Annegret,

    ich habe deine Frage vor kurzem mit meiner Tochter besprochen. Es gab ein paar Tränen...

    Ein Elefant bekommt frühestens alle 2 Jahre ein Junges. Das war bis zur Erfindung des Menschen genug für die Stabilität der Population. Der Große Kohlweißling legt je 200 Eier in mehreren Generationen im Jahr. Deine kleine Raupe ist so ein Unfall/Zufall, der mit der hohen Anzahl ausgeglichen wird.

    Nach dem Schlüpfen liegt die Lebenserwartung bei etwa zwei Monaten.(lt. tierlexikon.ch). Diese verbringt er, wenn er es wunderbarer Weise bis dahin geschafft hat in irgendeinem Käfig ohne Sex und mit abgeflogenen Flügeln.

    Die größten Chancen durchzukommen hat dein Kleiner, wenn du der Natur ihren Lauf lässt. Wikipedia schreibt, dass in milden Wintern auch Raupen überwintern. Solange noch kein Frost ist würden wir ihn draußen lassen und danach eine stabile Umgebung mit 2° Nacht und 8° Tag schaffen. Grünkohl wird im Biolandbau mit Netzen abgedeckt. Da ist keine Chemie.

    Johanna sagt: "Sei nicht traurig und freue dich am Wunder, wenn es kommt."

    Grüße von Johanna und Thomas

    Hallo Thomas,

    ich hoffe nicht, dass mein hartnäckiges Fragen euch verärgert. Ich stelle ja keinesfalls das geballte Fachwissen hier infrage, im Gegenteil. Ich möchte nur so gut wie möglich verstehen, und da ich hier im Archiv gelesen habe, dass Kohlweißlinge nicht nur als Raupen auf bestimmte Nahrungspflanzen spezialisiert sind, sondern auch als Falter lilafarbene Blüten bevorzugen, war und bin ich mir im Umgang mit der Kleinen unsicher. Das seht ihr einem Laien hoffentlich großzügig nach. LG Annegret

    Drei Experten, vier Meinungen, hihi..

    Klar, jeder hier hat so seine eigenen Erfahrungen und manchmal gehen die Meinungen/Einschätzungen halt auseinander. Ich gebe zu, dass ich mit Überwinterung von Tagfaltern kaum Erfahrung habe. Aber ich habe schon viele Nachtfalter im Keller überwintert. Ohne Frost, aber bei niedrigen Temperaturen. Ja, der Winter, und sei es ein "milder Winter", muss auf jeden Fall simuliert werden. Und meiner Erfahrung nach haben schwache Tiere bei milderen Wintern die besseren Überlebenschancen. Schwache Tiere fallen halt eher der Natürlichen Auslese zum Opfer (Sorry Thomas ;-)).

    Also, ich an Eurer Stelle würde die Raupe im Warmen (aber nicht hochsommerlich warm bitte, sonst kommt sie gänzlich durcheinander!) so zügig wie möglich zur Verpuppung bringen. Dabei aber die Taglänge (künstl. Licht beachten) kurz lassen, damit sie "merkt", dass es auf den Winter zugeht. Die Puppe dann mindestens im Keller oder geschützt im Gartenhäuschen oder an der Außentreppe oder... Also keinen oder kaum Frost zulassen.

    Ist nur meine persönliche Meinung und, wie gesagt, klappt wunderbar bei Sphingidae, Saturniidae...

    LG

    Thomas

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    Und noch was ernstes.

    Tagesperiodische antagonistische Schwankungen der Blauviolett- und Gelbrot-Empfindlichkeit als Grundlage der photoperiodischen Diapause-Induktion bei Pieris brassicae Von ERWIN BÜNNING und GABRIELE JOERRENS Aus dem Botanischen Institut der Universität Tübingen (Z. Naturforschg. 15 b, 205 213 [1960 ] ; eingegangen am 22. Januar I960)

    pdf 9 Seiten

    https://zfn.mpdl.mpg.de/data/Reihe_B/1…60-15b-0205.pdf

    @ woodstock max 20° sonst überlagert der Temperaturreiz den Lichtreiz und verhindert die Diapause

    Gruß Thomas

    Hallo Woodstock, ich werde es wie vorgeschlagen machen und der Kleinen, so sie es denn zur Verpuppung schafft, einen Platz im Keller bieten.

    Mit Ratschlägen, der Natur einfach ihren freien Lauf zu lassen, kann ich nichts anfangen, denn dazu ist es längst zu spät. In dem Moment, wo ich mich entschieden habe, sie zu päppeln und ins Haus zu nehmen, habe ich doch schon eingegriffen. Zwei ebenfalls unterentwickelte Raupen-Geschwister sind bereits kurz nach dem Schlüpfen gestorben. Sie selbst hätte ohne ein bisschen Hilfe vermutlich auch nicht überlebt. Nun ist sie sechs Wochen alt und verpuppt sich hoffentlich bald. Ich habe mir ein Entomologie-Buch bestellt, um zukünftig vielleicht nicht mehr ganz so dumme Fragen stellen zu müssen, und werde mir erlauben, euch zu berichten, wie die Geschichte der Kleinen weitergegangen ist. LG Annegret

    Hallo Annegret,

    noch etwas anderes: Ich habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht, das Futter mind. 1x täglich mit Wasser zu besprühen. So simuliere ich den Morgentau. Das mache ich bei allen Arten so und beobachte immer wieder wie die Raupe die Tropfen trinkt. Manchmal haben sie einfach nur Durst und das wird oft vergessen. Trinkende Raupen entwickeln sich meiner Erfahrung nach zu größeren Exemplaren. Allerdings halte ich sie im luftigen Holzkäfig. In einer Plastikbox muss man mit Wassergabe natürlich seeeehr vorsichtig sein und immer auch gut lüften.

    Viel Erfolg noch, bin gespannt auf den weiteren Zuchtbericht.

    LG

    Thomas

    Hallo Woodstock-Thomas,

    das war doch mal ein guter Tipp. Vielen Dank. Die Kleine hat tatsächlich getrunken und vor allem die benetzten Stellen des Kohls gefuttert. Mal sehen, wie sie sich entwickelt.

    LG

    Annegret

    Guten Morgen soil74, dann haben Sie leider nicht alles gelesen. Es handelt sich auch sechs Wochen nach dem Schlupf immer noch um einen Raupen-Winzling. Ich habe aber inzwischen viele gute Tipps erhalten, die ich befolgen werde. Sollte es tatsächlich zur Verpuppung kommen, werde ich nochmals ein Foto posten. Gruß Annegret

    Es handelt sich auch sechs Wochen nach dem Schlupf immer noch um einen Raupen-Winzling

    Dann ändert das aber nichts an meinem Vorschlag.🤩

    Es gibt solche Rohrkrepierer einfach. Vielleicht ist da etwas genetisch nicht so optimal gelaufen. Wäre in der freien Wildbahn sicher schon krepiert. Umso interessanter, was sich daraus bei Ihnen in der guten Stube entwickelt.

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    Hallo Thomas,

    wie schön, dass sich jemand an meine Mini-Raupe erinnert. Ich fürchte, ich habe irgendetwas falsch gemacht. Die Kleine hat in Woche sieben begonnen, massiv zu futtern, legte dann zwei Ruhetage ein und gurtete sich schließlich an die Wand. Ich kann gar nicht beschreiben, wie sehr ich mich gefreut habe. Eine Stunde späte kroch sie wieder durch ihre Box, rollte sich oft zusammen und fand offensichtlich keine Ruhe. Sie starb dann in der folgenden Nacht. Als ich sie am nächsten Morgen fand, war sie braun-gelb und welk. Nur eine Raupe, ich weiß, dennoch bin ich immer noch traurig, dass sie es nicht geschafft hat.

    Viele Grüße

    Annegret

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