Satyrium ilicis: Berichte, Habitatpräferenzen und Suchempfehlungen

  • [Anm.: Moderation: Das Thema soll dazu dienen, ein paar Erfahrungsberichte zu den Habitatpräferenzen und der Suche nach den Eiern des Braunen Eichenzipfelfalters zusammenzutragen. Dafür wurden ein paar Beiträge aus anderen Themen hier her kopiert - es darf gerne weiter diskutiert werden]



    Hallo in die Runde,

    ich möchte ein Fundbeispiele zu Satyrium ilicis für Mecklenburg-Vorpommern anbringen. Im Sommer konnte ich erstmalig ein Imagine der Art finden. Es wurden ca. 70 kleine Eichen abgesucht. Von denen waren 20 Eichen etwas größer gewachsen (mindestens 40cm). Funde erfolgten an zwei Eichen (zwei Eihüllen; eine Eihülle). Der erste Fundpunkt befand sich 1km entfernt vom Fundort des Falters. Dort war es ausgesprochen trocken (kaum Aufwuchs von Jungbäumen, Sträuchern). Im Sommer patrouillierten an dem Waldweg fünf Falter von Limenitis camilla. Die Eiche stand neben einer jungen Mirabelle, ansonsten recht frei in einem breiten Saum (ca. 3-4m breit) an einem Waldweg im Schutze von Kiefern. Auf der gegenüberliegenden Wegseite war deutlich stärkerer Aufwuchs von Jungbäumen, da beschattet durch alte Eichen. Der untere Ast der Eiche

    war von einem Grasfilz überwuchert. Die Moosdeckung lag bei 30% und der Waldweg verlief von Südost nach Nordwest, Eiablage erfolgte am Nordostsaum. Die Eiche wuchs möglicherweise auf einem alten Ameisennest. Weitere zwei Eichen in dem Wegsaum waren

    mitunter vollständig unter einem Grasfilz verborgen, waren aber bodennah nicht verzweigt.

    Die Eiche war 1,40m groß. Eihüllen befanden sich in 1,10m Höhe (südwestlich exponierter Ast, bräunlich gefärbt) und 50cm Höhe (nordwestlich exponierter Ast, weiß-grau-grün gefärbt, kaum von Ast zu unterscheiden). Die Rinde der Eiche war komplett glatt und braun-silbrig.


    Der zweite Standort befand sich nahe dem Falterfund. Dort wuchsen mehr Jungbäume auf. Die belegte Eiche stand wieder relativ frei in einem breiten Saum (ca. 3-4m breit) eines Waldwegs im Schutz von einer großen Eiche und mehreren Kiefern. Die Moosdeckung betrug 100%, mitunter wuchs Preiselbeere auf und der Waldweg verlief von Ost nach West, Eiablage erfolgte am Südsaum. Im Saum wuchsen ca. 20 Eichen, davon sechs mindestens 50cm groß.

    Die Eiche war 85cm groß. Eine Eihülle befand sich in 50cm Höhe (nordexponierter Ast, weiß gefärbt).

    Die Rinde der Eiche war weitestgehend glatt und braun-silbrig, teils grünlich (noch jünger).


    Was mir zu den Funden aufgefallen ist, Eiablagen an allen Standorten mit Eichen nie am unteren Stammbereich, Eiablagen trotz relativ gutem Eichenangebot sehr gering, Eichen waren zumindest einen Teil des Tages nicht direkter Sonne ausgesetzt. Die Eihüllen wirkten verhältnismäßig riesig und deutlich rundlicher anstatt flach wie bei anderen Zipfelfaltern. Sie ähnelten vielmehr in der Gestalt denen von Pheosia tremula oder ähnlichen

    Eiern von Nachtfaltern, welche an Pappel ablegen. Entgegen anderen Zipfelfaltern wurden hierbei die Eier zudem immer auf der Astunterseite abgelegt (vor Sonne geschützter), weitestgehend an bodenparallele bis 45 Grad abstehende 5mm breite Äste, sodass man immerzu die Äste wenden musste, um die Eihüllen entdecken zu können. Die Stämme der Eichen waren ca. 1,6cm breit. Das Ablageschema und die Wahl zur Eiablage von kleinen Ästen von Eichen mit etwas breiteren Stämmen (<2cm) und der geringen Dichte von Eiablagen trotz gut geeigneter Futterpflanzen erinnert mich sehr an eigene Funde von Satyrium pruni. Da in der Literatur angegeben ist, dass Eimengen von bis zu 40 Eiern an einem Standort nur zu erwarten sind, wenn ausreichend Metapopulationen vorhanden sind, schätze ich die Fundorte als eher schlecht ein, wobei das Verhältnis von frisch gelegten Eiern zu Eihüllen zwischen den Jahren starken Schwankungen unterliegen soll.

    Optimal wären deutlich länger gezogene Säume am Waldrand (aber evtl. nicht breiter als 4m da Schutz durch Hohe Bäume) mit bis zu 50 Eichen und überall an Waldwegen wiederkehrend. Bereiche mit höher wüchsigen Gräsern waren nicht belegt, möglicherweise sind diese nachteilig. Die Art schätze ich als sehr anspruchsvoll ein. Die weiß gefärbte Eihülle war zusätzlich sehr auffällig. Vermooste Stämme sind womöglich vernachlässigbar. Es kann sein, dass bodennahe Eihüllen deutlich zeitiger im Jahresverlauf aufgrund höherer Bodenfeuchte abfallen. Zudem kann dieser Sommer schlecht für die Art gewesen sein, weswegen sich keine frisch gelegten Eier finden ließen.


    Für die vereinfachte Suche nach Eihüllen anhand ähnlicher Habitatausprägungen und regionaler Gemeinsamkeiten kann

    ich bei größeren Vorkommen kleiner bis mittelgroßer Eichen an Waldwegen mit breitem Waldsaum im Verbund mit Kiefern

    und alten Eichen empfehlen, ausschließlich die waagerechten bis 45 Grad abstehenden Äste zu wenden.

    Das Suchschema ist wahrscheinlich in schlechten Flugjahren der Art besser geeignet, um die Eihüllen des Vorjahres

    zu finden.


    Beste Grüße

  • https://www.exotic-insects.com
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  • Hallo Kai,


    vielen Dank für diesen so ausführlichen Bericht und Glückwunsch zu den Funden!

    Ilicis ist eine Art, an der ich mir noch immer die Zähne ausbeiße - meine Bemühungen im Fluggebiet in Sachsen-Anhalt waren bisher noch nicht von Erfolg gekrönt. Interessant, dass du bei so vielen abgesuchten Eichen auch nur so wenige Eier finden konntest. Wie du schon richtig angemerkt hast, kenne ich es aus der Literatur auch nur mit deutlich höheren Dichten....evtl. existieren hier einfach regional ziemlich starke Unterschiede und die Literatur hierzu ist deutlich von den süddeutschen Verhältnissen geprägt (?) Zumindest von Baden-Württemberg und Hessen kenne ich Berichte zu solchen Dichten - von Ost-/Norddeutschland liegen mir solche Meldungen bisher nicht vor....@alle: gibt es hier im Forum evtl. jemand, der so hohe Dichten auch für jene Regionen in Nord-/Ostdeutschland bestätigen kann?

    Interessant fand ich auch deine Übersichtsbilder. Ich persönlich hätte vermutlich insb. den Standort 1.2 für zu dunkel eingestuft. Gut zu wissen/sehen, wie die tatsächlichen Habitate aussehen können.

    Womöglich ist die Ablage in diesem Jahr auch etwas verändert zu den sonstigen Jahren. Bspw. beim Schillerfalter würde ich ja erwarten, dass verhältnismäßig mehr Eier an kühleren Bereichen abgelegt wurden, um der Hitze zu entgehen. Zwar ist ilicis ja eh wärmeliebend - aber wer weiß. Wobei ich dann erwartet hätte, dass eher mehr Eier tiefer am Boden in der Vegetation zu finden sind und nicht exponiert oberhalb vom Gras.

    Spannend auf jeden Fall - und sehr schön zu sehen!


    Liebe Grüße,

    Toni

  • Interessant, dass du bei so vielen abgesuchten Eichen auch nur so wenige Eier finden konntest.


    Ich persönlich hätte vermutlich insb. den Standort 1.2 für zu dunkel eingestuft. Gut zu wissen/sehen, wie die tatsächlichen Habitate aussehen können.

    Womöglich ist die Ablage in diesem Jahr auch etwas verändert zu den sonstigen Jahren. Bspw. beim Schillerfalter würde ich ja erwarten, dass verhältnismäßig mehr Eier an kühleren Bereichen abgelegt wurden, um der Hitze zu entgehen. Zwar ist ilicis ja eh wärmeliebend - aber wer weiß. Wobei ich dann erwartet hätte, dass eher mehr Eier tiefer am Boden in der Vegetation zu finden sind und nicht exponiert oberhalb vom Gras.

    Standort 1.2 wirkt evtl. auf dem Foto etwas dunkel, aber auffällig war die dunkle Saumseite gegenüber mit einem eher dunklen Mauerbestand an Eichen. Dennoch war es dort insgesamt dunkler als am zweiten Standort, aber die Kiefern lassen Licht durch.

    Es gab auch noch weitere Saumbereiche mit Literatur typischen Eichen, möglicherweise hatte ich auch ca. 100 Eichen vergeblich abgesucht.

    Im Hintergrund von zweiten Standort (2.1) gab es auch viele gut geeignete Jungeichen, wie in der Literatur angegeben, welche hierbei zw. Kiefern wuchsen, evtl. war es dort zu trocken oder die Nähe zu alten Eichen fehlte. Dort waren keine Eier zu finden. Insofern Favonius quercus in alten Eichen lebt, könnte sich ilicis auch in den Baumkronen aufhalten und braucht daher Eichen mit einem gewissen Mindestalter, welche besseren Schutz vor Trockenheit (Honigtau als Nahrungsquelle) bieten als Kiefern.

    Ich habe auch vermehrt vergeblich nach Favonius quercus gesucht. Der Art ist es in Mecklenburg-Vorpommern evtl. etwas zu trocken. Die Eichen haben oft schlecht ausgebildete Endknospen. Ilicis scheint sehr trockenheitsliebend zu sein, aber dennoch geschützt durch hohe Bäume, möglicherweise immer in Verbindung mit alten Eichen.

    Interessant wäre zu wissen, ob die Art die alten Eichen mitunter nutzt, aber das Eiablageverhalten der Art ist wohl zu speziell, um an diesen erfolgreich Eier zu finden.

    Alte Eihüllen in Bodennähe könnten abgefallen sein. Ich hatte dort sehr gründlich gesucht, aber keine Nachweise.

  • Zumindest von Baden-Württemberg und Hessen kenne ich Berichte zu solchen Dichten

    Meine /Unsere Erfahrung in Südhessen zu ilicis sind aber sehr ähnlich zu den geschilderten von Kai. Konkret konnten wir Eier hier nur in einer einzelnen Eichenaufforstung über jetzt glaube ich 3 oder 4 Jahre kontinuierlich nachweisen. Die Dichte von Eiern ist nicht sehr hoch und die Suche ist sehr mühsam. Die in der Literatur tendenziell als favorisiert dargestellte Ablage an der Stammbasis kommt hier vor, aber es ist schwer zu sagen, ob diese sich mit Ablagen an Ästen die Waage hält oder unter Umständen sogar die Ausnahme ist. Das Problem ist, dass die Eier am Stamm deutlich leichter zu finden sind und sich oft darauf konzentriert wird, eben weil es in der Literatur so als Ablageschema angegeben wird. Ich finde gerade den Bericht aus dem Saarland nicht mehr, wo sogar überwiegend Ablagen an Ästen auch größerer Eichen gefunden wurden (wenn ich das richtig in Erinnerung habe). Die Angaben zu hohen Dichten von Eiern auf die du dich beziehst, sind nehme ich an von der Schwäbischen Alb und den Haubergen bei Haiger. Sowas ist aber meines Wissens aus keiner anderen Region dokumentiert, sodass ich davon ausgehen würde, dass es nicht die Regel darstellt. Auch am Nordrand der Schwäbischen Alb scheint das sich nicht flächendeckend so darzustellen. Die Art ist jedenfalls definitiv ein bisschen ein Rätsel was sich nur langsam durch mehr und mehr Funde etwas besser verstehen lässt. Ich denke, dass die Art eventuell ein bisschen ein "gestreckter Ruderalstratege" ist, der eben Eichenjungaufwuchs über die Zeitperiode besiedelt in der dieser aufwächst bis er zu alt und zu dicht wird.


    Grüße Dennis

  • Hallo Dennis,


    Strätling, R. hatte in "Bestandserfassung von Satyrium ilicis (ESPER, 1779), Brauner Eichen-Zipfelfalter (Lepidoptera: Lycaenidae),

    im deutschen Teil des Warndts (Saarland) durch systematische Eisuche" (Saarbrücken, Abh. DELATTINIA 35/36: 435 – 454, 2010) sehr ausführliche und gründliche Suchanalysen durchgeführt. Es wurde erwähnt, dass der Warndt 2010 noch einer der wenigen Standorte Deutschlands mit stabilen Metapopulationen der Art war, aber sich der Schwund ebenfalls bemerkbar machte, da es Jahre vorher besser aussah.

    Die maximale Anzahl Eihüllen an einem Standort betrug 44 und die Zahl der maximal intakten Eier 23.

    Zwei Eiablagen von insgesamt 138 Eiern erfolgten an Eichen mit einer Höhe >150cm.

    Wäre interessant zu wissen, in welchem Bericht vermehrt Eiablagen in höheren Straten auftraten. Da bodennahe Ablagen aufgrund einer schützenden Grasschicht stattfinden sollten, schätze ich, dass in höheren Straten erhöhte Luftfeuchte vorhanden sein muss, aber dennoch Besonnung. In welchen Situationen dann mitunter sogar mehrere Eiablagen in größerer Höhe stattfinden würden, wäre aus ökologischer Sicht sicherlich gut zu wissen, um die Art auch in ihrem Potenzial zu beurteilen, inwiefern sie sich in eher schlechten Habitaten halten kann, bevor sie verschwindet.


    Grüße Kai

  • Ja, das von Ronny Strätling habe ich auch gerade wiedergefunden. Bin mir nicht sicher ob es das ist was ich meinte. Ich denke eigentlich nicht, aber vielleicht habe ich das auch geträumt. Falls ich es noch finde sage ich bescheid. Wie auch immer, also ich hatte erst kürzlich so ein Ei in gut 1 m Höhe in einer Astgabel, weit entfernt von Grasbewuchs. Ich würde nicht annehmen, dass sowas die Regel ist, aber zumindest Ablagen an der Unterseite von niedrigen Ästen könnten meines Erachtens häufiger sein, als weithin angenommen. Ist jetzt die Frage was große Höhe ist, aber ich denke in großer Höhe legt ilicis nicht ab. Alles in über 1 vielleicht auch 1,5 m Höhe ist ziemlich sicher ungeeignet. Auch wenn da natürlich wahrscheinlich keiner sucht. Mich würde ja mal interessieren so ein Weibchen bei der Eiablage zu beobachten, um die Auswahl der Ablageorte besser zu verstehen. Inwiefern sich die Art in schlechten Habitaten halten kann und wann sie verschwindet werden wir wohl irgendwann herausfinden, denn die Eichenschonung in der sie hier sind ist mittlerweile schon ziemlich hochgewachsen. Wenn dort keine Maßnahmen stattfinden ist das nur eine Frage der Zeit.


    Grüße Dennis

  • Mich würde ja mal interessieren so ein Weibchen bei der Eiablage zu beobachten, um die Auswahl der Ablageorte besser zu verstehen. Inwiefern sich die Art in schlechten Habitaten halten kann und wann sie verschwindet werden wir wohl irgendwann herausfinden, denn die Eichenschonung in der sie hier sind ist mittlerweile schon ziemlich hochgewachsen. Wenn dort keine Maßnahmen stattfinden ist das nur eine Frage der Zeit.

    Den Gedanken hatte ich auch schon, bei manchen Arten ist es den Zeitaufwand wohl wert.

    Nächstes Jahr werde ich es wahrscheinlich mal bei größeren Vorkommen von M. athalia versuchen. Wobei da wieder die Frage ist, ob man einem Weibchen folgt und woran man erkennt, ob sie nach Pflanzen Ausschau halten. Aglais urticae konnte ich mal bei einer Eiablage beobachten, die dauerte ca. 30min für ca. 100 Eier.

    Der Nachweis sollte entsprechend rein theoretisch einfach sein, wobei ich anzweifle, dass sie stets größere Eipakete ablegen, schätze das schwankt zw. 5 und 30 Eiern.

    Das Eiablageverhalten zu untersuchen ist an für sich sehr spannend. Ich hatte das mal bei einem Massenaufkommen von Plebejus idas und Callophrys rubi gemacht.

    Rubi brauchte meist ca. 30min/Ei (selten 10min, Frühjahrssonne zusätzlich nachteilig eher kühler) in einem sehr lichten Kiefernforst zw. 10 und 12 Uhr. Zeitintensiv auf jeden Fall. Wenn Bewölkung aufkam, wurde der Zähler um 10-20min verlängert immer wenn Bewölkung aufkam. Dann versuchte das Weibchen zwanghaft Stellen mit großer Hitze zu finden. Wahrscheinlich wird das Ei dann flüssiger und leichter zu setzen.

    Ab 12 Uhr war Sense. Dann flogen auch keine Falter mehr von Saturnia pavonia zw. den Baumstämmen umher.

    Bzw. spät. 12:30 Uhr war da auch keine Flugaktivität mehr. Im Offenland sicher länger.

    Sicherlich zusätzlich dem kühleren Mikroklima bei Schattenwurf geschuldet. Ziemlich schnell war der Großteil an Heidelbeere beschattet.

    Bei Idas waren es ca. 40min/Ei (selten 15min). Die Art war unglaublich anfällig gegen Beschattung. Jede kleine Wolke hat die Weibchen komplett unterbrochen (meist kam dann leider zusätzlich kühler Wind auf). Bei Beschattung waren die Weibchen auch plötzlich verschollen, flogen auch beim Vorbeigehen nicht auf. Erst wenn mind. 20min durchgehend Sonne war, tauchten sie langsam erstmal wieder auf. Je länger Beschattung, umso später begannen sie wieder mit der Eiablage.

    Daher wundert mich auch nicht, dass pruni aufgrund der kurzen Flugzeit in schlechten Jahren (Regen, Bewölkung) massive Probleme bekommt. Ohne Sonne läuft nix. Wobei bei spini ja zusätzlich sogar der Eischlupf davon abhängt, ob xerothermes Klima vorliegt oder nicht. Hatte mal gelesen bei 6/6 beschatteten gebündelt gelegten Eiern schlüpfte keines und bei 15 Eiern insgesamt waren auch ca. 95% bei Beschattung nicht geschlüpft.

    Wenn bei M. athalia die Eiablage an der Unterseite von auf dem Boden flach aufliegenden Blättern von Spitzwegerich stattfindet, ist der Nachweis bei hohem Pflanzenaufkommen schier unmöglich.

    Bei sehr versteckt und vereinzelt lebenden Arten wie ilicis stelle ich es mir schwieriger vor, die Art zu beobachten. Ich hatte auch mal das Verhalten von Tagfalterarten anhand von Literatur zusammengestellt. Da wurden Größen betrachtet wie maximale Ausbreitungdistanz/ Generation, territoriales Verhalten der Männchen, Blütenbesuch oder myrmekophiles Verhalten.

    Ilicis kann demnach bspw. hauptsächlich bei Blütenbesuch als Falter detektiert werden. Die Falter leben im Schnitt 21 Tage (pruni 14 Tage).

    Ansonsten fällt mir noch ein, dass in anderer Literatur stand, dass bei hohem Männchenaufkommen bzw. wenn diese sehr territorial agieren, die Weibchen dem meist im verpaarten Zustand entgehen, da diese in Ruhe Eier ablegen wollen, was wohl bedingt zur Folge hat, dass Imaginalhabitate und Larvalhabitate sich verlagern können, aber maximal bedingt, eher weniger.

    Ob sich die Lebensdauer auf Männchen oder Weibchen bezog, war mir nicht ganz klar. Ich konnte zumind. bei P. idas beobachten, dass die Weibchen deutlich länger leben können als angegeben, wenn Besonnung ausbleibt (Eier noch vorhanden sind). Die sterben wahrscheinlich erst nach der Eiablage. Irgendwas hat die Natur da als optionale Möglichkeit eingeräumt. Rhamni lebt ja auch ca. 320 Tage und überwinternde Falter wie Aglais io werden in der 2. Generation deutlich kurzlebiger, wie auch immer das funktioniert.

    Da manche Arten in sehr geringer Populationsgröße vorkommen, schätze ich sind ilicis-Weibchen bereits 1-2 Tage nach Schlupf verpaart und sterben ca. 3 Tage später (Lebensdauer vermutlich 3-5 Tage). Wäre mal interessant, wie die Realität ausschaut.


    In der Literatur hatte ich mal gefunden, dass die Weibchen von ilicis unten nach oben die Pflanze entlang des Stamms ablaufen. Dabei sicherlich entsprechend lange mit ihren Antennen den Gesundheitszustand der Pflanze begutachten. Bei pruni fand ich Eier bevorzugt bei wildverbissenen bzw. wundverschlossenen Bereichen an Schlehe Eier.

  • Ja, ohne Sonne läuft bei den meisten Tagfaltern nichts. Bei xerothermen Arten sowieso nicht. Eiablagen zu beobachten ist mitunter mühsam und nichts was ich empfehlen kann, aber interessant ist es allemal. Oft ist es aber halt einfach Zufall ob man gerade über ein Weibchen stolpert was gerade beim Eierlegen ist. Ist mir z.B. bei Satyrium acaciae mal passiert.

    Hatte mal gelesen bei 6/6 beschatteten gebündelt gelegten Eiern schlüpfte keines und bei 15 Eiern insgesamt waren auch ca. 95% bei Beschattung nicht geschlüpft.

    Die schlechte Schlupfquote von spini ist immer wieder ein Rätsel. Ich weiß nicht ob ich glauben mag, dass das an der Beschattung liegt. Ich würde eher auf Parasiten oder Infektionen tippen.

    In der Literatur hatte ich mal gefunden, dass die Weibchen von ilicis unten nach oben die Pflanze entlang des Stamms ablaufen.

    Das würde mich wundern. Meine Hypothese wäre genau das Gegenteil, da eigentlich alle Lycaeniden erst eine relativ hochgelegene Position anfliegen und von dortaus nach unten laufen. Also wenn man Gebiete hat in denen man regelmäßig Eier findet sollte man doch irgendwie mal über ein Weibchen stolpern können... die Eichenschonung hier ist nur begrenzt groß, wie schwer kann das sein :grinning_face_with_smiling_eyes: . Problem ist eher, dass die Flugzeit halt da liegt wo alles liegt und man wie immer keine Zeit hat alles gleichzeitig zu machen. Aber falls es sich ergibt denke ich kann man sich da schon mal auf die Lauer legen.

  • Hallo in die Runde,

    noch ein paar ergänzende Erkenntnisse zur Suche von ilicis.

    Zusätzlich zu den beiden Standorten (1+2 Eihüllen) konnte ich 13 Eier und 2 weitere Eihüllen finden.

    Alle Funde fanden erneut an zwei getrennten Standorten statt. Standort 1 ist nahe dem vorherig geschilderten ersten Standort. Standort 2 befindet sich in unmittelbarer Nähe zum vorherigen zweiten Standort. Beide Standorte sind im Gegensatz zu den alten Standorten im Offenland.

    Standort 1 ist vollsonnig, karger Bewuchs, kaum Gräser, nur Magergräser. Er unterscheidet sich daher von Standorten bzgl. Hochwäldern mit Lichtungen.

    Standort 2 ähnelt eher typischen Untersuchungen. Dort gab es eine normale Grasschicht und Eichen darin waren belegt.

    Ich konnte dort zusätzlich Eier in größerer Höhe an großen Eichen entdecken.

    Standort 1 entspricht im Eiablageverhalten dem, welches in der Literatur angegeben sind. Eiablagen hauptsächlich

    bodennah am Stamm. Standort 2 ähnelt dem.

    Zusätzlich konnte ich an beiden Standorten auch mehr als ein intaktes Ei an einer Eiche finden. Wahrscheinlich sind beide Habitate Stammhabitate und die letztens geschilderten Standorte (nur Funde von Eihüllen) scheinen Ausweichhabitate zu sein, welche nicht für den Fortbestand der Art geeignet erscheinen. An Waldwegen konnte ich keine weiteren Eier an Eichen finden.


    Am Standort 1 wuchsen 11 mickrige bzw. kleine Eichen. Von denen waren 3 frisch belegt und eine hatte eine alte Eihülle. Dort waren Ameisen nahe den Eichen unterwegs und eine Ameisenstraße verlief nahe des Standorts. Zwei der drei intakten Eier waren direkt unter 2/2 der kleinen Kiefern am Standort (vgl. Bild). In einiger Entfernung befand sich eine einzelne kleine Eiche verwachsen mit Heidekraut (vgl. Bild). Dort befanden sich

    3 Eier am Stamm.

    Folgende Eiablagen fanden statt: 4cm (19cm Eiche), 2cm Eihülle (55cm Eiche), 11cm (20cm Eiche), 1.8cm

    An Eiche in näherer Umgebung: 3 Eier in 5.5, 6.5, 7.5cm (20cm Eiche)


    An Standort 2 wurden 2 Jungeichen nahe dem unbewachsenen Weg im Grasbereich (von allen Seiten von Gras umgeben) belegt. Jungeichen, welche entfernter vom Weg im Gras wuchsen, waren nicht belegt. Dort flog das Weibchen womöglich die höheren Eichen an (womöglich geringere Luftfeuchte, stärkere Hitzeentwicklung oder parallel Nahrungssuche und -aufnahme Honigtau).

    Ich konnte 2 Eier an einer solchen Eiche (1.8m) finden (nahe entsprechender Höhe mit Ameisen und Blattläuse) und eine Eihülle an einer größeren Eiche (3m), welche unmittelbar am Weg stand. Die beiden intakten Eier unterschieden sich in ihrer braunen Färbung (vgl. Bild) von allen anderen Eiern. Falls erhöht abgelegte Eier braun gefärbt sind, sind sie schwerer auszumachen.

    Der Weg an Standort 2 verlief von Nord nach Süd. Bodennahe Nähe zu Ameisenvorkommen konnte ich nicht erkennen.

    Hier wurden mindestens 7 Eier und eine Eihülle auf kleinem Raum abgelegt. Allerdings ist das Habitat, was einer Freileitungstrasse ähnelt sehr groß und von etlichen weiteren Jungeichen, Kiefern und zahlreichen Pappeln besiedelt. Die umgebenden Waldrandbereiche sind durch hochgewachsene alte Eichen gekennzeichnet.

    Folgende Eiablagen fanden statt: 1.15m Eihülle (3m), 2.5cm + 15.5cm (20cm), 15.5cm (30cm), 90cm + 1.20m (1.80m),

    16.5cm + 20.5cm (30cm)


    Abschließend unverständlich ist mir das Eiablageverhalten in größerer Höhe. Anhand der Unterschiedlichkeit der beiden stärker besiedelten Standorte vermute ich, dass bei sehr kargem Bewuchs, gestört durch Nadelstreu und großer Hitze Stammablagen hauptsächlich in sehr geringer Höhe stattfinden und bei Grasbewuchs etwas höher (+10cm). In den Ausweichhabitaten auf Lichtungen an Waldwegen mitunter noch höher (+40cm), evtl. aber nur aufgrund der höheren Gesamtgröße der belegten Eichen, allerdings deutlich schwächer besiedelt.

    Inwiefern das Eiablageverhalten der Art durch die Nähe von Ameisen begünstigt wird, ist mir nicht bekannt.


    Beste Grüße Kai :smiling_face:

  • We specialise in rare and common butterflies from the Neotropical (Central/South America, Caribbean Islands) and Holarctic regions (North America, Europe, Asia).
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  • Fotos: 1.4 (glasiges Ei, schwer sichtbar), 2.0 (Lichtung alter Standort 2, im Hintergrund Offenland mit Haupthabitat),

    2.1 (nicht belegte Eichen nahe Lichtung alter Standort 2), 3.2 (Eihülle an 3m Eiche, belegter Ast ragte auf Weg),

    3.4 (2 Eier an 1.80m Eiche, im oberen Bereich Ablage möglicherweise wo blauer Pfeil, wahrscheinlicher aber bei

    schwarzem Pfeil), 3.9 (grobrindiger Stamm 1.80m Eiche)

  • Wiedermal ein Beitrag aus der Rubrik "Vergesst die Winterbegehung bei Tagfalterkartierungen nicht!" in Kombination mit dem Aufruf zu komplexeren Landschaften.


    Heute konnte ich in Sachsen-Anhalt neben dem obligatorischen Schillerfalter gleich 5 Zipfelfalterarten als Ei nachweisen:

    -Brauner Eichenzipfelfalter (Satyrium ilicis)

    -Blauer Eichenzipfelfalter (Favonius quercus)

    -Pflaumenzipfelfalter (Satyrium pruni)

    -Kreuzdornzipfelfalter (Satyrium spini)

    -Nierenfleck-Zipfelfalter (Thecla betulae)


    Die Liste der Arten umfasst somit eine in Sachsen-Anhalt vom Aussterben bedrohte Art, zwei stark gefährdete, eine gefährdete und zwei der Vorwarnliste. S. ilicis ist selbst für ganz Deutschland stark gefährdet und S. spini gefährdet.

    Die Liste zeigt die Anzahl gefährdeter Arten, die sich derzeit leicht nachweisen lassen und die bei Begehungen im Sommer kaum erfasst werden, da sie versteckt leben.

    Interessant daran: die nächst bekannten spini-Vorkommen sind auf schmetterlinge-d.de mind. 100km entfernt verzeichnet. Ich lehne mich jetzt vllt. etwas weit aus dem Fenster: bei der Populationsgröße vor Ort würde ich die Art sogar im mittleren Niedersachsen erwarten (bekannt nur aus nichtmal einer handvoll Kalkmagerrasen in Südniedersachsen). Den tatsächlichen Nachweis kann ich dann hoffentlich die nächsten Wochen präsentieren - ich bleibe dran :winking_face:


    Der Artenreichtum ist auch dem Gebiet zu verdanken: wiedereinmal handelt es sich um ein Mosaik aus Kalk-Magerrasen und Heckenstrukturen (Kreuzdorn, Weißdorn, Schlehe). Selten habe ich so strukturreiche Biotope gesehen - ein extrem komplexes Geflecht aus Hecken und Magerrasen. Die Kombination fördert extrem stark den Artenreichtum - weder ein reiner Magerrasen noch riesige Hecken könnten sonst solch eine Diversität hervor bringen. Hinzu kommen Mischwälder mit zahlreichen Waldwiesen und Kahlschlagsflächen. Die Schlagfluren sind unabdingbar für den Braunen Eichenzipfelfalter, der immer wieder offene Flächen im Wald benötigt und durch die fehlenden Kahlschläge in den letzten Jahrzehnten stark zurück gegangen ist...


    Frohes Eier-raten :winking_face:






    Beste Grüße,

    Toni

  • Gut dass du das immer schön bewirbst :thumbs_up: :smiling_face: . Für jeden der Tagfalterkartierungen oder eine mehr selbstinitiierte Bestandsaufnahme seiner Umgebung macht gehört die winterliche Eisuche definitiv zum wichtigen Repertoire. Außerdem hat man im Winter eh nicht viel zu tun. Bei mir in der Region sind immerhin 4 Arten (Satyrium w-album, Satyrium pruni, Thecla betulae und Favonius quercus) trotz verhältnismäßig uniformer Kulturlandschaft relativ regelmäßig vertreten. Um Tonis Punkt zu untermauern: Von allen Arten gehen die Falternachweise nicht über den einstelligen Bereich pro Jahr im gesamten Gebiet. Das heißt von zweistelligen Zahlen an Fundorten durch Eisuche wären durch Falternachweise nur einige wenige zustandegekommen.


    Besonders S. pruni braucht allerdings deutlich größere Schlehenhecken auch im Verbund, sodass dieser hier relativ selten ist. Eine Wiederbelebung der Feldgehölze wäre wünschenswert. Wir haben ja auch in meiner Zusammenstellung der in Deutschland ausgestorbenen Arten gesehen, dass einige durch den Rückgang der Saumstrukturen (vor allem auch der Feldgehölze und Waldsäume) ausgestorben sind. Ebenjener Strukturen die auch die Zipfelfalter bevorzugt besiedeln.


    Die Schlagfluren sind unabdingbar für den Braunen Eichenzipfelfalter, der [...] durch die fehlenden Kahlschläge in den letzten Jahrzehnten stark zurück gegangen ist...

    Ich sträube mich etwas gegen die Ansicht, dass die fehlenden Kahlschläge einen großen Anteil daran haben. Wenn ich richtig informiert bin, dann sind in den meisten Regionen Deutschlands Kahlschläge erst über 2 ha genehmigungspflichtig. Wie auch immer die Genehmigungslage ist, zumindest in meinem Einzugsgebiet sind Kahlschläge durchaus regelmäßige Praxis. Auch wenn die Flächen klein sind, sind 2 ha für S. ilicis ausreichend, wie die einzige Population in meiner Gegend beweist. Die lebt in einer ziemlich exakt 2 ha großen Eichenaufforstung. Ich kann den Finger nicht auf ein spezielles Problem legen, aber die Strukturen welche durch die heutige Waldwirtschaft entstehen oder eben gerade nicht entstehen sind für S. ilicis nicht geeignet. Die Eichenaufforstungen sind sicher auch ein relativ neues Ersatzhabitat, was aber mittlerweile sehr viele große Populationen adaptiert haben. Ich weiß wirklich nicht wie man ilicis am besten fördert. Ob z.B. Waldweide ein gutes Konzept ist oder Mittelwaldwirtschaft. Dazu müsste mehr Forschung betrieben werden. Sicher muss eine diversere Bewirtschaftung erzielt werden und den Saumstrukturen wieder mehr Raum gelassen werden. In den meisten Wäldern werden die Waldwege dermaßen reinlich gehalten, dass auch dort keine Chance für eine Ansiedlung von Jungeichen besteht. Ich würde aber ungern für mehr Kahlschläge plädieren, weil das aus anderen ökologischen Gesichtspunkten auch nicht unproblematisch ist und zudem glaube ich ohne gezielte Förderung bestimmter Strukturen in den Kahlschlägen gar nichts bringt.


    Grüße Dennis

  • Ich bin schon häufiger Eichenaufforstungsmaßnahmen begegnet. Mich würde insbesondere interessieren, wie gut S. ilicis darauf anspringt. Bisher hatte ich in begehbaren Aufforstungen keinen Erfolg auf einen Nachweis. Interessant wäre auch, nachvollziehen zu können, in welchem Zustand die Eichenaufforstungen besonders geeignet sind und über wie viele Jahre (je nach Wachstumsrate der Jungeichen) diese Bereiche besiedelt werden können (Verjüngung aller ... Jahre). Möglicherweise ist auch eine lückigere Bepflanzung mit Jungeichen vorteilhaft, da in Gebieten mit natürlichen Vorkommen möglicherweise freistehende Grasbereiche etc. förderlich für die Imagines sind.

    Möglicherweise ist die Nachweisbarkeit von ilicis in größeren Jungeichenaufforstungen auch minimal, da bei den meisten Arten ein reiches Angebot geeigneter Futterpflanzen (S. w-album, Apatura ilia) die Nachweisrate deutlich senkt. Das beste Beispiel sehe ich dabei in Berichten zur Verbreitung von ilia gegenüber iris. Iris belegt demnach eher bestimmte wenige Weiden mit kleineren Knospen (niedrigere Straten) zahlreicher und ilia kommt überall in Gebieten mit Pappeln vor, aber ist ähnlich populi eher in allen Straten und Abschnitten innerhalb des Verbreitungsgebiets vertreten, wobei ilia scheinbar die größeren Knospen (höhergelegen) bevorzugt, aber insgesamt pro Fläche/Strate deutlich weniger ablegt.

    In Gebieten, in denen S. ilicis noch mäßig häufig vorkommt, wäre die Erfolgskontrolle der Übersiedlung bestimmt der erste Schritt. Der ruderale Charakter der Art ist sehr verwirrend.

    Die Eichenaufforstungen sind sicher auch ein relativ neues Ersatzhabitat, was aber mittlerweile sehr viele große Populationen adaptiert haben. Ich weiß wirklich nicht wie man ilicis am besten fördert.

    S. pruni scheint anhand eigener Sichtungen sehr gut auf jüngere angelegte Hecken zu reagieren, wobei die schnelle Wachstumsrate mitunter von Schlehe die langanhaltende stabile Besiedlung erschweren könnte. Die Art bildet evtl. selten größere Bestände aus.


    Gruß Kai

  • In den meisten Wäldern werden die Waldwege dermaßen reinlich gehalten, dass auch dort keine Chance für eine Ansiedlung von Jungeichen besteht.

    Das ist sowieso ein wichtiger Punkt. Hinzu kommt halt noch, dass Eichenjungaufwuchs in unseren Wäldern durch das Rehwild kaum durchkommt - wir haben derzeit ja eine enorme Alterslücke in den Eichenbeständen. Es gibt noch sehr alte Restbestände, aber die Verjüngung blieb die letzten Jahrzehnte über aus, sofern sie nicht gezielt gefördert/gepflanzt wurde (was selten geschah). Das Bild sollte sich jetzt allerdings vsl. im Hinblick auf die zunehmende Wolfsdichte die nächsten Jahre stark wandeln, schätze ich. Demnach sollte vermutlich auch ilicis die nächsten Jahre stark profitieren.
    Bzgl. Kahlschläge: die Populationen, die mir bekannt sind, finden sich entweder in Kahlschlägen oder Tagebauflächen. Definitiv benötigt die Art m.E. aufgrund fehlender natürlicher Zerfallsstadien anthropogene Störflächen - seien sie linear oder flächig. Natürlich bringt auch ein Kahlschlag nichts, wenn es keine Eichen in der Umgebung gibt, das ist klar. Aber ich denke schon, dass sich die Art die letzten Jahrzehnte überwiegend in diesen Strukturen gehalten hat. Und je weniger solche Flächen es gibt, desto mehr verschwindet die Art aus der Landschaft. Bei einem Trend hin zu immer "natürlicheren" Wäldern mit kaum Einschlägen sollte sich ilicis wohl kaum halten können, schätze ich. Dafür werden die Wälder wohl nie licht genug sein.
    Wir brauchen uns ja nur mal anschauen, wo die höchsten Populationsdichten auftreten. Die Hauberge scheinen hier wohl mit Abstand eines der besten Beispiele in Deutschland zu sein - in der dortigen Untersuchung konnten sie nichteinmal mit den Abundanzen der Eier arbeiten, da es schlicht zu viele zum zählen waren!
    https://www.ufz.de/export/data…5_Johannes%20Kamp_red.pdf
    Dort findet eine traditionelle Niederwaldwirtschaft statt und regelmäßig werden große Waldpartien eingeschlagen. Nicht nur ilicis, sondern auch zahlreiche andere Arten treten dort in hohen Dichten auf...

  • Definitiv benötigt die Art m.E. aufgrund fehlender natürlicher Zerfallsstadien anthropogene Störflächen

    Ich denke das steht außer Frage. Die Primärhabitate für diese Art entstehen zumindest in Mitteleuropa sicher schon lange nicht mehr. Ich bin mir aber unsicher was die beste Methode ist diese Flächen zu schaffen (bzw. eben ob es nur eine beste Methode gibt).

    Hinzu kommt halt noch, dass Eichenjungaufwuchs in unseren Wäldern durch das Rehwild kaum durchkommt [...] Das Bild sollte sich jetzt allerdings vsl. im Hinblick auf die zunehmende Wolfsdichte die nächsten Jahre stark wandeln, [...]

    Merkwurdig ist doch aber in diesem Zusammenhang, dass die Eiche eigentlich als beweidungstoleranter gilt als z.B. die Buche. Die Eiche ist ja eigentlich nur auf Flächen konkurrenzfähig, auf denen die Buche ihre Konkurrenzfähigkeit nicht auspielen kann, daher haben Bewirtschaftungsformen wie Waldweide und Niederwaldwirtschaft ja zu einer Förderung der Eichenbestände geführt (sicher zusätzlich durch Anpflanzung wegen des Nährwerts der Eicheln für das Vieh). Die jungen Eichen sind meines Wissens weniger schattentolerant als Buchen und kommen daher in dunklen Hochwäldern schlecht durch. Vielleicht liegt hier eher der Grund für den fehlenden Eichenjungaufwuchs. An dieser Stelle könnte man aber wahrscheinlich einen Glaubenskrieg über natürliche Waldstruktur starten.


    Es gibt Eichenschonungen die (zumindest scheinbar) keine ilicis beherbergen und aber z.B. im Mittelrheintal auch Populationen die scheinbar nicht in Eichenschonungen leben. Offenbar ist eine bestimmte Waldstruktur hier ausschlaggebend. Nicht der Nutzungstyp. Kahlschlag und anschließende Eichenaufforstung ist ja nur ein Weg lichte Waldbereiche mit Jungeichen zu schaffen. Ich würde die von dir erwähnte Niederwaldwirtschaft auch nicht mit Kahlschlag gleichsetzen, da die Bäume dabei nicht dauerhaft entfernt werden. Der Prozess ist sicher derselbe, aber der resultierende Wald nicht. Es wäre für mich wie gesagt auch die Frage, ob die Methode des Kahlschlags in Deutschland stark abgenommen hat. Kann gut sein, ich hab aber keine Daten dazu. In meinem Gefühl ist der Rückgang von ilicis der Abnahme lichter Waldbereiche im generellen geschuldet (das betrifft Waldaußen- und Innensäume, wie die Nutzung der Waldflächen selbst), nicht nur dem Rückgang der Praxis des Kahlschlags. Ich denke wir wissen noch zu wenig über das "Idealhabitat" von ilicis und sollten nicht den Fehler begehen die wenigen gut dokumentierten Vorkommen mit diesem gleichzusetzen oder diese als einzige Möglichkeit sehen ilicis zu fördern. Auch wenn der Satz ausgelatscht ist "Diversität schafft Diversität", von daher würde ich durchaus verschiedene Möglichkeiten in Betracht ziehen ilicis zu erhalten und zu fördern.

  • Moderator

    Changed the title of the thread from “Satyrius ilicis: Berichte, Habitatpräferenzen und Suchempfehlungen” to “Satyrium ilicis: Berichte, Habitatpräferenzen und Suchempfehlungen”.
  • Hier nochmal ein kleiner Nachtrag zur Entwicklung vom Braunen Eichen-ZF. Ich konnte etwas zum Fraßverhalten und der Lebensweise der Raupen lernen.

    Eine Raupe zerfrisst ca. 2-3 Blattstiele mit 1-3 Fraßspuren entlang der Blattmittelrippe (vgl. „Blattrippe“) und teilweise Blattstiele (vgl. „Blattstiel“). In den meisten Fällen welken die Blätter etwas an, verfärben sich aber nicht auffällig (vgl. „Blätter“, „Blätter2“). Einige wenige Blätter vertrocknen und verfärben sich braun (vgl. „Blatt“). Meist sind mehrere nah beieinander liegende Blätter angefressen.

    Wenn man potenziell geeignete Standorte mit Jungeichen kennt, empfehle ich folgendes Suchschema, wenn man nicht nur auf die Suche nach Faltern bedacht ist:


    1) Ausschau halten nach welken Eichenblättern im oberen Bereich der Eichen ab Mitte Mai, effizienter bei stärkerem Welkegrad ca. ab Anfang Juni (an den belegten Pflanzen bewegten sich die Raupen meist in obere Bereiche der Eiche, vgl. "Blätter2")

    2) Mittelrippen und Blattstiele anwelkender und angetrockneter Blätter auf typische Fraßspur auf der Blattunterseite überprüfen (1-3 längliche Fraßspuren, vgl. "Blattrippe")


    Mit dieser Methode konnte ich zusätzlich 3 neue belegte Jungeichen entdecken, an denen ich zuvor keine Eier entdeckt hatte. Zudem waren meist direkt unterhalb der Zweige mit den welken Blättern die Eihüllen der geschlüpften Raupen zu finden, welche den Nachweis bei Abwesenheit von Raupen parallel zum Fraßbild zusätzlich absichern.


    Mengenmäßig habe ich folgende Angaben bei grober Suche nach anwelkenden Blättern bei zuvor ermittelter Anzahl belegter Eichen (65) bzw. abgelegter intakter Eier (75) ermittelt:

    2 ungeschlüpfte Eier (ausgetrocknet)

    Befraß (1-3 Blätter/Raupe) von Eichenblättern mit Raupenfunden: 12/75 Eier

    Befraß von Eichenblättern mit Abwesenheit von Raupen: 9/75 Eier

    -> 21x mengenmäßiger Befraß für ursprünglich 75 intakte Eier/Individuen nachgewiesen, knapp 2/3 belegter Eichen übersehen, daher sollte man vermutlich in schwach besetzten Gebieten mehrere Jahre suchen und insbesondere erst ab ca. Anfang Juni, wenn die Blätter Zeit haben, anzuwelken und man anschließend die Fraßmuster an den Blattrippen/Blattstielen schneller entdecken kann bzw. erhöhte Mortalität der Raupen z.B. aufgrund langanhaltender kühler Witterung im Frühjahr

    Raupen mit Ameisenbesuch: 6/18 (vgl. "R2")

    Anzahl Raupen pro Eiche: 2x3, 2x2, 8x1 (= 18 Raupen/ 75 Eiern = 24%)


    Gruß Kai

  • We specialise in rare and common butterflies from the Neotropical (Central/South America, Caribbean Islands) and Holarctic regions (North America, Europe, Asia).
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