Posts by bellargus

    Ja, das meine ich ja. Mit Sicherheit sit die Art häufiger als es den Anschein hat (was nicht heißen soll das sie häufig ist). Wäre halt vor allem wichtig die Ökologie noch besser zu verstehen zusammen damit die Verbreitung etwas genauer zu beleuchten, um die Art besser einschätzen zu können.

    Eriogaster arbusculae (Alpen-Wollafter)


    Letzter Nachweis laut Roter Liste: ca. 1980

    Letzter Nachweis: 2021


    Eine typische arkto-alpin verbreitete Art mit Vorkommen in den alpinen Lagen der Alpen, sowie in den Gebirgen Fennoskandiens. Die Raupen bilden die typischen Gespinste vor allem an Strauchweiden (Salix spp.), aber auch anderen Zwergsträuchern wie Vaccinium spp., Alnus alnobetula und in Skandinavien vor allem Betula nana. Das Habitat bilden Zwergstrauchgesellschaften nahe der Baumgrenze oder in der Tundra. Für Deutschland wurde die Art selbstverständlich nur in den bayerischen Alpen nachgewiesen und das dann etwa 20-30 Jahre lang nicht mehr. Eriogaster arbusculae scheint allerdings generell eine Art zu sein die jahrweise starke Populationsschwankungen durchmacht und offenbar Ende der 1990er Jahre starke Verluste zu verzeichnen hatte. Die Gründe dafür sind nicht eindeutig geklärt. Lokal besteht eine Gefährdung durch Bebauung und Nutzung für den Tourismus. Sicher kommen auch Faktoren, die zur allgemeinen Degradierung alpiner Lebensräume beitragen hinzu (z.B. atmosphärischer Stickstoffeintrag). Die wohl kurioseste Gefährdungsursache, die ich für eine Schmetterlingsart bisher gesehen habe, ist hier die radioaktive Belastung durch den Reaktorunfall von Tschernobyl, welche mit den Populationseinbrüchen und Verhaltensänderungen bei der Art in Verbindung gebracht wurde (Trawöger & Brunner, 2004). Auch wenn dieser Zusammenhang nicht ausgeschlossen scheint, so ist die betreffende Studie doch eher argumentativ und enthält wenig wissenschaftlich übliche Datenauswertung, um es nett zu formulieren. Die Schlussfolgerung ist daher für mich fraglich, aber es möge sich jeder selbst ein Bild machen. In Deutschland wurde die Art jedenfalls 2014 in den Allgäuer Alpen wiederentdeckt. Die Erfasser hatten das Gebiet jahrelang systematisch abgesucht und konnten schließlich mehrere Nachweise an der Westabdachung der Allgäuer Alpen feststellen (Karle-Fendt & Wolf, 2015). Sie diskutieren, dass die Funde an bekannten Einwanderungsrouten für südliche und zentralalpine Arten erfolgten. Die fehlenden Funde vor dieser Zeit sprechen ihrer Ansicht nach gegen ein stabiles Vorkommen und für eine fluktuierende Arealgrenze mit temporärer Zuwanderung (Verdriftung) aus den angrenzenden österreichischen Alpen. Die Interpretation scheint sehr plausibel, somit ist davon auszugehen, das Eriogaster arbusculae in Deutschland nur zeitweilig bodenständige Populationen ausbildet.

    Coenocalpe lapidata (Blasser Wellenbindenspanner)


    Letzter Nachweis: 1960

    Neunachweis: 2011


    Zur Ökologie der Art ist nur sehr wenig bis gar nichts bekannt. Sie kommt wohl in Schottland in feuchten Heiden und Mooren vor und dürfte auch im restlichen Verbreitungsgebiet eher feuchte (Berg-) Wiesen besiedeln. Die Nahrungspflanzen sind nicht dokumentiert, einige nicht weiter belegte Literaturhinweise auf (wahrscheinlich in der Zucht angenommene) Hahnenfußgewächse wie Scharfer Hahnenfuß (Ranunculus acris), Buschwindröschen (Anemone nemorosa), Gemeine Waldrebe (Clematis vitalba) und Küchenschelle (Pulsatilla spp.) existieren. In Deutschland ist die Art nur in den bayrischen Alpen nachgewiesen worden. Seit der Einstufung der Roten Liste als ausgestorbene Art gibt es einen neueren Nachweis von 2011. Beide bekannten Nachweise erfolgten bei Mittenwald, sodass man davon ausgehen kann, dass sporadische Arealfluktuationen die Art ab und zu über die Grenze kommen lassen. Das Gesamtverbreitungsgebiet erstreckt sich wohl vor allem von Skandinavien bis Ostsibirien, mit einigen Populationen im Süden Frankreichs, den Alpen, in Österreich entlang der Donau und den nördlichen Heidemooren Irlands und Großbritanniens. Mit Ausnahme Skandinaviens ist die Art scheinbar in Europa überall lokal und selten anzutreffen. Dies macht sie zusammen mit ihrer wenig bekannten Ökologie und der Tatsache, dass vermutlich wenig Aufmerksamkeit darauf liegt ihre Bestände zu kontrollieren besonders anfällig für Lebensraumzerstörung.

    Euxoa lidia (Schwärzliche Erdeule)


    Letzter Nachweis: 1971


    Der Lebensraum von Euxoa lidia sind küstennahe Sandheiden, die sie einst in einen Streifen entlang der Küste Belgiens, der Niederlande über Nordwestdeutschland bis nach Dänemark besiedelte. Obwohl die Art damit schon immer ein sehr begrenztes Verbeitungsgebiet hatte und nur selten gefunden wurde, bildete sie scheinbar in manchen Jahren respektable Populationsgrößen aus. Warnecke (1951) berichtet von 30 Faltern die 1938 in Dänemark gefangen worden sein sollen. In Deutschland wurde die Art immer seltener gefunden und über Jahrzehnte vergeblich gesucht. Sie gilt daher seit Anfang der 1970er als ausgestorben. Auch aus Dänemark und den Niederlanden liegen zumindest nach meinem Kenntnisstand keine Meldungen aus diesem Jahrhundert mehr vor, sodass eventuell sogar zu befürchten ist, dass diese Art uns für immer verlassen hat. Leider scheint Euxoa lidia, wie so manche Arten mit ‚Seltenheitswert‘, ein Schleier des Misteriösen zu umgeben. Es sind offenbar wenige Informationen zugänglich. Vielleicht weil sich nicht viel damit beschäftigt wurde, aber sicher auch, weil vieles aus Angst vor Konkurrenz geheim gehalten wurde. Ich kann dazu nur sagen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass eine Art aus Unkenntnis ausstirbt um ein Vielfaches höher ist, als dass sie durch zu viel Aufmerksamkeit ausstirbt. So oder so gilt Euxoa lidia als eine der seltensten Schmetterlinge in Europa. Die Gründe für den Rückgang sind ziemlich sicher der schleichende Verlust und die Degradierung von Heidelandschaften. Es gibt einige eindrucksvolle Bilder, welche die Vergrasung von Heiden zeigen (die ich leider hier aus Urheberrechtsgründen nicht zeigen kann), vermutlich unter anderem durch atmosphärischen Stickstoffeintrag. Viele Heiden wurden aber auch durch die Verfügbarkeit von künstlichem Dünger in Ackerland umgewandelt oder aufgeforstet. Ein Trend der nur sehr langsam durch effektive Schutzmaßnahmen, welche durch aktuelle Forschung informiert wurden, umgekehrt wird.

    Eupithecia pauxillaria (Zahntrost-Blütenspanner)


    Letzter Nachweis: vor 1993


    Eupithecia pauxillaria ist in Europa mehr südlich verbreitet. In Mitteleuropa ist die Art offenbar nur sehr lokal zu finden. Das Habitat bilden warme, sandige oder auch felsige Standorte mit Vorkommen der Nahrungspflanze Gelber Zahntrost (Odontites lutea). In der Zucht wurde allerdings wohl auch Euphrasia stricta (Augentrost) angenommen. Die einzigen Fundorte in Deutschland liegen in Rheinland-Pfalz. Generell ist über die Art in Deutschland wenig bekannt, sie reagiert angeblich sehr empfindlich auf Veränderungen des Lebensraums und ist empfindlich für Inzuchtdepression (Weigt, 1993). Wahrscheinlich ist der Rückgang der ebenfalls gefährdeten Nahrungspflanze Odontites lutea der Hauptgrund für das Aussterben, möglicherweise in Verbindung mit verinselten Populationen und Habitatdegradation. Es ist wiederum nicht völlig auszuschließen, dass noch Vorkommen dieser Art in Deutschland existieren, da die Eupithecia-Arten unscheinbar und teils schwer bestimmbar sind, kurze Flugzeiten haben und heutzutage kaum einer mehr nach den Raupen sucht. Vor nicht allzu langer Zeit ist wohl ein Falter in den Österreichischen Kalkalpen (Nordtirol) aufgetaucht, obwohl die Art bislang vor allem aus dem Osten Österreichs bekannt war (Lechner & Ortner, 2007). Daher ist das bekannte Verbreitungsbild vermutlich sehr lückenhaft.

    Die Vorkommen waren sicher schon immer sehr lokal, aber zumindest in den großen Stromtälern und Feuchtgebieten, die ja nun im nordöstlichen Deutschland existiert haben, müssen sie wohl vorgekommen sein. So ist es ja heute vermutlich auch noch von der Ukraine ostwärts der Fall. Dabei muss man eben auch beachten, dass Feuchtgebiete schon sehr, sehr lange von Zerstörung betroffen sind. Viel länger als der Zeitpunkt an dem die landwirtschaftliche Intensivierung eingesetzt hat.

    Man kann bei diesen alten Funden nie irgendwas ganz ausschließen. Die Tatsache, dass an besagter Stelle insgesamt 6 Falter in 3 unzusammenhängenden Jahren zu Zeitpunkten der regulären Flugzeit der Art über einen Zeitraum der 5 Jahre umfasst gefunden wurden, lässt meines Erachtens auf eine lokale Population schließen. Das heißt wenn man von der Richtigkeit dieser Funde ausgeht. Könnten Etiketten gefälscht worden sein? Klar. So wie ich das verstehe hat außer dem Ehepaar das die Falter gefangen hat niemand diese Falter lebend dort gesehen. Bei solchen Einzelfunden ist nicht mehr sicher zu klären, was dort tatsächlich der Fall war. Das wird wie du sagst ewig im Nebel bleiben. Wir können nur spekulieren und die Glaubwürdigkeit der Angaben bewerten.


    Wie ich schon in dem Beitrag zu metelkana geschrieben habe, ist es bei den extrem lokalen Vorkommen der Art, die als sehr standorttreu beschrieben wird und der Unzugänglichkeit der Habitate durchaus plausibel, dass dort eine Population existiert hat. Die restlichen (ehemaligen) Vorkommen sind ähnlich weit verstreut und verinselt. Die Vorkommen in Polen wurden erst vor 20 Jahren überhaupt entdeckt. Und das in einem noch großflächiger intakten Lebensraum. Eine zufällige Verschleppung halte ich für unwahrscheinlich, da wie gesagt der Falter so beschrieben wird, dass er seinen Lebensraum kaum verlässt. Ein Zug parkt wohl eher nicht in einem intakten Sumpf. Auch Windverdriftung ist nur bei Arten eine Option, die gute Flieger sind und kurze oder längere Wanderflüge unternehmen wie z.B. vulcanica. Flugschwache, standorttreue Arten werden nicht von starken Höhenwinden erfasst. Eine so stenöke Art wie metelkana hat auch keine guten Chancen sich bei Verschleppung, Verdriftung oder Aussetzen mal eben so anzusiedeln (wir reden dann vermutlich von wenigen Individuen). Die meisten Wiederansiedlungsversuche brauchen sehr viele Anläufe und scheitern regelmäßig und das mit weit mehr Individuen. Ist das alles sicher ausgeschlossen? Nein. Aber wahrscheinlich finde ich es keinesfalls.

    Das was bei der Häutung abgestreift wird, ist die Cuticula oder das Exoskelett. Bei Insekten besteht das bekanntermaßen aus Chitin. Chitin ist absolut unverdaulich für Menschen (na ja, vielleicht nicht komplett, es wurden wohl Chitinasen im menschlichen Verdauungstrakt gefunden) und wasserunlöslich. Die gute Nachricht ist, dass mittlerweile bekannt ist, das Proteine einen weit größeren Anteil am Strukturaufbau der Cuticula haben als gedacht. Offenbar ist nur bis etwa die Hälfte der Cuticula Chitin, der Rest sind hauptsächlich Strukturproteine. Die schlechte Nachricht ist, dass diese Proteine für den Großteil der Stabilität verantwortlich sind und dafür stark quervernetzt sind. Wir reden also nicht von Proteinen die in der "normalen" Nahrung existieren und leicht zerlegt werden können. Ich hab keine Ahnung, ob diese Quervernetzungen überhaupt abbaubar sind, wenn dann aber vermutlich sehr schlecht. Ansonsten sind auf der Cuticula noch wachsartige Kohlenwasserstoffe als Verdunstungsschutz und manche Arten (wohl aber wenige Insekten) lagern noch verschiedene Mineralien wie Calciumcarbonat, Zink, Phosphat und Magnesium ein. Das alles aber in sehr geringen Mengen. Zu Punkt eins würde ich also zu dem Schluss kommen, dass Gespenstschrecken-Haut wahrscheinlich einen ähnlichen Nährwert wie Sägespäne hat. In der Tat wird Chitin und die deacetylierte Form Chitosan sogar als Nahrungszusatz zum Abnehmen verwendet, weil es Fette bindet.


    Zu Punkt zwei schätze ich würde das funktionieren, wenn die Tiere die gefüttert werden Chitin und die stark vernetzten Proteine abbauen können. Davon gibt es sicher einige, immerhin fressen Dermestidae so ziemlich alles was aus Chitin besteht. Wahrscheinlich weniger auf pflanzliche Nahrung spezialisierte Arten. Ich konnte kein Paper finden, was sich mit der Zusammensetzung von Insekten-Cuticulas beschäftigt hat. Ich schätze du bist hauptsächlich an Mineralstoffen und Vitaminen interessiert. Es gibt nur sehr viel zur Chitin/Protein Zusammensetzung.


    Zu Punkt drei: Ich meine Energie enthält Chitin sicher genug, Polysaccharide werden nicht umsonst in biologischen Systemen als Energieträger benutzt. Die Frage ist halt wie es mit der Freisetzung durch Verbrennung aussieht. Ich schätze die Tatsache, dass es Papers gibt die sich mit Chitinderivaten als Brandschutz-Beschichtung auseinandersetzen ist nicht besonders ermutigend. Wenn man genügend Oxidationsmittel draufschüttet klappt's garantiert.


    Ich sollte noch dazusagen, dass ich beschränkte Kompetenz in dem Bereich habe und ich meine Aussagen hauptsächlich auf die Literatur stütze die ich gefunden habe.


    Grüße Dennis

    Der Erstfund für Polen liegt in der Biebrza-Niederung, genauer bei Szóstaki, was nichtmal 15 km von dem von dir genannten Dorf entfernt liegt. Es ist davon auszugehen, dass die Art im gesamten Gebiet vorkommt und schon lange vorkam. Von daher würde ich darin keine Ausbreitung sehen. Der Fund in Deutschland war zwar in einem Garten, aber nach der Publikation von dieser Entdeckung kein Teich in dem Garten, sondern der "versumpfte Schilfgürtel des Machnower Sees" an den die Gartenanlage lediglich angrenzte. Vielleicht weißt du mehr als ich, aber die Publikation erwähnt auch keine Gartenanlage, sondern ein "Sommerhäuschen". Insofern würde ich nicht annehmen, dass das Habitat dort ein anpruchsloses, stark anthropogen beeinflusstes war. Sicher waren das zu dem Zeitpunkt sowieso nur noch extrem verinselte Reliktvorkommen.


    Grüße Dennis

    Ich denke viele nehmen Arten etwas zu ernst. Zumindest bekomme ich das Gefühl aus der Wortwahl "ist tithymali jetzt keine Art mehr", je eine gewesen oder was auch immer. Man sollte sich hin und wieder klar machen, dass Arten ein hilfreiches Konstrukt sind, um die Welt einfacher zu verstehen. Nicht mehr und nicht weniger. Wir reden hier nicht von irgendwelchen klar definierten Grenzen in denen sich eine Art bewegt, die man mal so eben testen und dann sagen kann "Jep, Test hat ergeben es ist eine Art". Es gibt viele Ansätze wie Arten definiert werden oder anhand derer man versucht Arten abzugrenzen. Verschiedene Methoden bringen oft unterschiedliche Ergebnisse, die alle an sich richtig sein können, aber nicht notwendigerweise in ihrer Aussage oder Magnitude übereinstimmen müssen. Das sieht man ja auch in Annas Arbeiten (zusammen mit ihren Kollegen), dass sich z.B. die tithymali von den europäischen "klassischen" euphorbiae in bestimmten genetischen Aspekten ein bisschen mehr Unterscheiden als in anderen. Es ist also ein bisschen eine Frage worauf wir uns einigen können was eine Art ist (oder sein sollte) und was nicht. Bevor mir niemand gut begründet darlegen kann warum Arten eine natürliche Einheit sind, bin ich nach wie vor der Meinung: Arten sollten in erster Linie praktisch sein, um damit Arbeiten zu können. Insofern begrüße ich doch den ersten größeren Versuch eine sehr zerhackstückelte Artengruppe zusammenzufassen, anstatt wie es momentan eher "in" ist anhand von genetischer Untersuchungen alles zu splitten bis man die Brösel nicht mehr aufkehren kann.


    Grüße Dennis

    Wahrscheinlich eher nicht oder wenigstens nicht über längere Phasen. Zumindest im Lepiforum heißt es die Raupen gehen nicht in Diapause und fressen den ganzen Winter über weiter. Deswegen überwintern die Raupen (erfolgreich) eher in Regionen mit ozeanisch geprägtem Klima.


    Grüße Dennis

    Orbona fragariae (Große Wintereule)


    Letzter Nachweis (nach Roter Liste): 1972

    Neufund: 2009


    Die Art lebt polyphag an Kräutern, seltener auch Sträuchern. Die besiedelten Habitate werden als eher unspezifisch beschrieben, wobei es sich wohl immer um gebüschreiche Saumgesellschaften handelt, z.B. an Waldrändern, gebüschreichen Hängen, Magerrasen oder Streuobstwiesen. Im 19. Jahrhundert noch in weiten Teilen Süddeutschlands bis nach Frankreich verbreitet, ging O. fragariae offenbar um die Jahrhundertwende deutlich zurück und starb von Nordwesten in Richtung Südosten allmählich aus. Im ganzen westlichen Verbreitungsgebiet der Art sind die Bestände offenbar zurückgegangen. Die Gründe sind wie so oft unklar, einige machen mit dem Verweis auf die unspezifischen Habitate Klimaveränderungen verantwortlich (Steiner in Ebert, 1997). Es ist nicht ganz klar welche Klimaveränderungen das sein sollen, wobei Wolfgang Wagner (www.pyrgus.de) die milderen Winter nennt, welche der eher kontinental verbreiteten Art zusetzen könnten. Er vermutet aber auch den Rückgang von Saumgesellschaften durch die Bereinigung der Waldränder und die Wald-Weide-Trennung als Ursache. Erfreulicherweise scheint der Roten Liste ein Neufund in den bayrischen Kalkalpen entgangen zu sein. Dadurch dass O. fragariae schon Anfang April fliegt, kann sie sicher auch leicht übersehen werden. Wie wir schon am Beispiel von Lamprosticta culta gesehen haben, ist aber Vorfreude für eine erneute Ausbreitung wohl etwas verfrüht. Auch wenn die große Stückzahl welche gefunden wurde (21 Falter) Hoffnung macht. Wenigstens auch mal ein positiverer Ausblick, in diesem sonst eher negativ behafteten Thema.

    Hatte das Glück ihn 2017 einmal zu finden.

    Sehr schön! Darf ich deine Bilder in den Ausgestorben-Thread einbauen?

    In Nordostpolen aktuell in Ausbreitung begriffen, auch die Anzahl der Nachweise ist stark gestiegen.

    Interessant. Wie darf ich mir Ausbreitung vorstellen? Gibt es neue Vorkommen in der Umgebung der bekannten, wenn ja wie weit sind die etwa voneinander entfernt? Kann mir noch nicht ganz vorstellen, wie die wieder bis nach Deutschland kommen sollen, mangels geeigneter Habitate. Vielleicht hat da aber auch eine Anpassung stattgefunden. Bei Lycaena dispar hat ja auch nach dem massiven Rückgang eine Ausbreitung stattgefunden, die noch immer andauert. Vermutlich hauptsächlich durch die Möglichkeit auch die häufigeren Rumex-Arten R. crispus und R. obtusifolius nutzen zu können, wo vorher nur der mittlerweile extrem seltene R. hydrolapathum genutzt wurde.


    Grüße Dennis

    Diacrisia metelkana (Sumpfbär)


    Letzter Nachweis: 1972


    Diese Art besiedelt ausgedehnte Sumpfgebiete, Niedermoore und Flussdeltas des Flachlands und kam ursprünglich von der französischen Atlantikküste ostwärts durch Mitteleuropa bis zur Krim vor. Diacrisia metelkana ist insgesamt eher östlich bis nach Sibirien verbreitet. Die einzigen Nachweise Deutschlands sind Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre in Brandenburg südlich von Berlin belegt. Immerhin waren zu diesem Zeitpunkt wohl die meisten Populationen in Frankreich schon erloschen. Dort wurden Sümpfe in Flusstälern entlang der Vesle bei Reims und Sümpfe nahe der Atlantikküste von Aquitanien und im Departement Deux-Sèvres besiedelt. Heute sind die wohl schon immer relativ lokalen und reliktischen Populationen in fast ganz Europa ausgestorben oder stark zusammengeschrumpft. Nur noch im Donaudelta Rumäniens sind große Populationen erhalten geblieben. In Ungarn und im kroatischen Neretva-Delta existieren noch weitere Vorkommen und auch in Nordostpolen wurde noch ein Vorkommen entdeckt. Die Art ist jedenfalls schon seit langem in Europa auf dem Rückzug, sodass ich die Ansicht mancher, dass die deutschen Populationen nur temporär etablierte Ausläufer östlicher Populationen gewesen sein sollen, nicht nachvollziehen kann. Zudem scheint Diacrisia metelkana generell leicht übersehen zu werden, da ihre Habitate oft sehr unzugänglich sind und die Flugzeit recht kurz ist. So wurden die Populationen in Kroatien erst 1997, in Polen sogar erst 2002 entdeckt. Ausgebreitet hat sich die Art sicher schon seit spätestens Mitte des 20. Jahrhunderts nicht mehr, denn sie wurde in Europa massiv durch die Entwässerung und Nutzbarmachung der Sumpfgebiete zurückgedrängt. Viele Schwemmebenen großer Flüsse wurden mit Kanälen und Entwässerungsgräben durchzogen und die trockengefallenen Flächen landwirtschaftlich genutzt. Die höhere Fließgeschwindigkeit des Wassers ermöglichte dann auch keine uferbegleitenden Feuchtgebiete oder Überschwemmungszonen mehr. Was für Hochwasser- wie Artenschutz eine Katastrophe darstellt, nimmt Diacrisia metelkana den Lebensraum, denn die Raupen leben an extrem nassen Stellen an verschiedenen hygrophilen, krautigen Pflanzen. Vor allem an Schwertlilien (Iris spp.) und wohl teilweise sogar an Wasserpflanzen wie der Weißen Seerose (Nymphaea alba). Leider ist zu befürchten, dass auch die Schwemmebenen und Deltas osteuropäischer Flüsse noch ähnliches erleiden müssen, sind sie bis jetzt wegen ihrer Unzugänglichkeit noch erhalten geblieben. Es bleibt zu hoffen, dass dort großflächige Schutzgebiete eingerichtet werden, ansonsten sieht die Zukunft vieler Arten, wie auch die von Diacrisia metelkana, in Europa düster aus. Wen Französisch nicht abschreckt der kann hier eine sehr detaillierte Zusammenfassung der Funde, Fundorte und Entwicklung der Art in Frankreich und Europa lesen.

    Ocneria rubea (Rostspinner)


    Letzter Nachweis: 1898


    Wieder eine mediterran verbreitete Art die in Mitteleuropa nur Verbreitungsinseln in wärmebegünstigten Gebieten aufrecht erhält. Bis kurz vor Anfang des 20. Jahrhunderts bestand noch ein isoliertes Vorkommen im Mittelrhein-Nahe-Gebiet. Dort wurden trockenwarme Eichenwälder besiedelt, an deren Eichen die Raupen leben. Im Mittelmeerraum dienen auch andere Bäume und Sträucher der Macchia als Nahrung wie z.B. Erica arborea, Arbutus spp. oder Pistacia spp. Die Beschreibung des Habitats als „Buscheichenwald“ ähnelt sehr derer der Habitate von Conistra veronicae und Eriogaster rimicola, die im selben Gebiet vorkamen und welche beide schon besprochen wurden. Es ist daher anzunehmen, dass alle drei Arten aus ähnlichen Gründen durch Lebensraumverlust ausstarben.



    Danke an Leo der diese Fotos aus Österreich zur Verfügung gestellt hat

    Stegania dilectaria (Hain-Pappelspanner)


    Letzter Nachweis: 1902


    In Deutschland belegbar nur aus der Oberrheinebene bei Karlsruhe bekannt. Andere Fundmeldungen gehen vermutlich auf Verwechslungen mit Stegania trimaculata zurück die in der f. cognaria Stegania dilectaria sehr ähnlich sehen kann. Mehrere Exemplare wurden nur in den zwei Jahren 1901 und 1902 gefunden. Es gibt weder davor noch danach eindeutige Hinweise auf die Art. Stegania dilectaria besiedelt wärmebegünstigte Auenwälder mit großen Pappelbeständen, an denen die Raupe lebt. Auch diese Art ist eher östlich-kontinental bis Zentralasien und in Europa von Österreich ostwärts verbreitet. Über die Bodenständigkeit und Gründe des Aussterbens ist nichts bekannt. Eine Einwanderung darf jedoch aufgrund der geringen Mobilität und ohne andere nahegelegene Populationen der Art bezweifelt werden. Die naheliegenste Vermutung ist, dass die Art lange wegen ihrer Ähnlichkeit zu Stegania trimaculata übersehen wurde und bei ihrer Entdeckung schon durch den Rückgang der Auwälder im Oberrheingebiet (siehe auch Amphipyra cinnamomea) im Aussterben begriffen war. Warnecke (1923) schreibt zu S. dilectaria und S. trimaculata in Deutschland „Offenbar sind die beiden Arten aber weiter verbreitet und bisher nur übersehen“. Eine Einschätzung die sicher trotz der Fehlbestimmungen zugetroffen haben mag, betrachtet man das heutige doch noch vergleichsweise ausgedehnte Verbreitungsgebiet von Stegania trimaculata (abgesehen davon das S. trimaculata auch eine gewisse Arealerweiterung zugesagt wird).


    Danke an Leo der dieses Foto aus Österreich zur Verfügung gestellt hat

    Pyrgus onopordi (Ambossfleck-Würfel-Dickkopffalter)


    Erster und gleichzeitig letzter Nachweis: 1928


    Eine zum Großteil im westlichen Mittelmeerraum verbreitete Art, die xerotherme, heiße Felshänge oder Magerrasen besiedelt. Nur zwei Funde sind für Deutschland auf der Schwäbischen Alb dokumentiert. Ob es sich dabei um eine verinselte Reliktpopulation oder gar die Reste einer einst größeren Population gehandelt hat, ist nicht mehr zu klären. Da die Art schwer von anderen Pyrgus-Arten zu unterscheiden ist, ist das durchaus vorstellbar. Zumindest ist die Bestimmung abgesichert und eine Verwechslung des Fundortes unwahrscheinlich. In der Schweiz gab es mehrere Reliktpopulationen die ebenso zum Großteil verschwunden sind, wobei für die verbleibenden Weinbau als Gefährdungsursache angeführt wird. Wolfgang Wagner (www.pyrgus.de) schreibt: „Für diese anspruchsvolle Art existieren heute kaum mehr potentielle Habitate in Mitteleuropa.“ Es ist damit zumindest nicht auszuschließen, dass die Art am Rand ihres Verbreitungsgebietes durch Habitatverlust in Folge von landwirtschaftlicher Nutzung zurückgedrängt wurde. Mangels belastbarer Daten sind aber ebenso klimatische oder andere Faktoren, die nicht auf anthropogene Einwirkung zurückgehen möglich.