Lasiocampa quercus Ausfälle

    Hallo zusammen,


    ist es beim Eichenspinner eigentlich typisch, dass die Raupen zwischen L2 und L3 sterben?

    Von meinen 138 Eiern sind fast alle geschlüpft (Schlupfrate ca. 99 %). Bis ins L2-Stadium gab es keinerlei Ausfälle. Jetzt aber passiert es immer wieder, dass einzelne Raupen eingehen: Sie sitzen reglos am Boden und bleiben deutlich kleiner als ihre Geschwister und sterben dann.

    Mir ist bewusst, dass es nie alle Raupen bis zum Falter schaffen. Von anderen Arten kenne ich es allerdings so, dass die meisten Verluste direkt nach dem Schlupf auftreten.

    Daher meine Frage: Ist es bei Lasiocampa quercus vielleicht anders, sodass die Natur die schwächeren Tiere eher etwas später „aussortiert“ – quasi nach dem Motto, dass sie den Winter ohnehin nicht überstehen würden?

    Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen und Meinungen!

    ( Foto zeigt 3 solcher Raupen )

    Liebe Grüße

    Sandra 🐛



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    Das schaut nach "Vergiftung" aus. Habe oft und auch z.Z. L. quercus, aber z.Z. keine derartigen Störungen.

    Aber, hatte dieses Jahr viele Zuchten durch Buchsbaumzünsler-Bekämpfung verloren.

    Da wurde nicht nur Gift, sondern auch Bazillus "thuringensis" ... eingesetzt und das wirkt auch noch

    in größerer Entfernung.

    Es wird im Baumarkt/Dehner als "ungiftig" und bedenkenlos einsetzbar verkauft.

    Alles Futter sofort wechseln, ggfs. Behälter reinigen und anderes Futter von anderem Standort holen.

    Könnte die Rettung sein.

    Hallo Manfred,


    Das mit der Vergiftung würde mich nur wundern, weil ich von diesem Baum alle meine Zuchten (Abendpfauenauge, Pappelschwärmer, etc ) durchgefüttert hatte und nie Probleme hatte.

    Aber wenn Du sagst, sie fressen auch Kirschlorbeer, dann stelle ich sie darauf um. Die Blätter sind ja auch viel ergiebiger und immer grün, die Weide lässt schon langsam das eine oder andere Blatt fallen. Danke Dir für den Tipp 🙂


    LG Sandra

    Hallo Sandra,

    Wie ich Dir schon in Trauschendorf gezeigt hatte, fressen meine an Pinus sylvestris und das funktioniert bisher gut.

    Habe auch im Freiland schon Raupen auf Kiefer gefunden.

    Viel Erfolg bei der weiteren Zucht,

    VG Josef

    Lasiocampa quercus (LINNAEUS, 1758) - ACTIAS

    Moin Sandra,


    ich züchte quercus seit so einigen Jahren mit unterschiedlichen Herkünften.

    Wenn ich früher Ausfälle wie die von dir gezeigten hatte, dann war die Haltung zu feucht und/oder zu wenig Luftaustausch im Behälter. Negativ sind auch Stress durch hohe Besatzdichte und eventuell auch schimmelnder Kot. Die Tiere sitzen gerne an der Körpergröße angepassten Ästen. Wenn nicht oder nur wenig vorhanden, suchen die Tiere mitunter danach und sorgen für unnötige Unruhe. Oder alles in Kombination. Also....welche Behälter nutzt du und wie schaut es mit der Belüftung/Zuchtumständen aus?

    Wenn du sie über den Winter weiter züchten willst, um die Überwinterung zu umgehen, solltest du sie auch nicht zu kühl halten. Über 20°C sollten es schon sein.

    An eine Vergiftung durch Pflanzenschutzmittel glaube ich hier nicht wirklich. Allerdings kann man so was sowohl im Negativen, als auch im Positiven nur selten beweisen. Daher wird dieses Argument gern ausgegraben, wenn man nicht mehr weiter weiß, wenn eine Zucht hops geht. Ist immer schöner, als sich selbst ein Eigenversagen eingestehen zu müssen. Aus eigener Erfahrung heraus sterben die meisten Zuchten durch Selbstverschulden des Züchters und weniger durch Einflüsse von aussen. Das trifft jeden Züchter.


    Desweiteren will ich dir abraten, diese L2/L3 jetzt schon auf Prunus laurocerasus umzufüttern. Das kann funktionieren, muss aber nicht. Kommt auf die Konsistenz deines laurocerasus an. Die Blätter von laurocerasus sind jetzt im Herbst meist schon zu hart für die kleinen Raupen, oder eben nur unter größerer Anstrengung für sie zu fressen. Ab L4, spätestens L5 ist Prunus laurocerasus dagegen ein super Futter für quercus.

    Es gibt für Raupen deiner Größe bessere Alternativen wie Rubus fruticosus und idaeus, Salix sp. und auch Cornus sanguinea. Auf Cornus-Schnitt füttere ich meine Tiere im Herbst, bis ich sie auf laurocerasus umsetzte, sollte ich die Überwinterung umgehen. Das Zeug wächst hier bei mir an jeder Ecke und bleibt bis mindestens Mitte Oktober verfütterbar.

    Mit Efeu und Kiefer hab ich persönlich keine Erfahrung.


    Dass einzelne Tiere immer mal wieder abstürzen ist ganz normal, wie du selbst schon gesagt hast. Egal bei welchem Futter. Auch als L5 oder L6 sterben immer mal wieder Tiere ab oder bleiben zurück.

    Viel Glück bei der weiteren Aufzucht und ich drücke die Daumen, dass du das Ruder nochmal herum reißen kannst.

    Rudi

    Hallo Josef,


    Bei Kiefer muss ich passen , das wäre eine Fahrerei um irgendwo welche zu finden, leider.

    Hallo Rudi,


    Ich glaube dann haben wir das Übel herausgefunden:

    Die Raupen habe ich in einer größeren Plastikbox, weil ich immer das Problem habe, dass die Weide im Wasser trotzdem trocken wird. Als sie noch ganz klein waren, habe ich ihnen beim ausmisten zu trinken gegeben ( mit der Sprühflasche kräftig in die Luft gesprüht und den feinen Niesel auf die Blätter rieseln lassen ). Das habe ich bis L1 / Anfang L2 gemacht weil es bei uns auch so extrem heiß war. Später dann nicht mehr, aber natürlich sind die Blätter manchmal leicht feucht nach dem Sammeln draußen.

    Die Blätter des Kirschlorbeers sind schon sehr groß und wie Du sagst, sehr hart.

    Den Cornus sanguinea haben wir hier in Massen. Dann würde ich eher darauf wechseln. Was den Behälter angeht: würde ich sie dann in ein großes Aerarium setzen mit Cornus sanguinea gewässert in einem Wasserglas. Wie hält sich dieses Futter ? Bleibt es gewässert länger frisch als Weide ?


    Alle, die jetzt schon L3 sind, sehen fit und gesund aus. Ich denke mal dass ich dann noch rechtzeitig die Kurve kriege mit ihnen. Traurig macht’s mich natürlich, dass es meine Schuld ist , dass kleine Räupchen gestorben sind. Das ist aber die logischste Erklärung. 🥺😥


    LG Sandra

    Achso, und Du schriebst, sie sitzen gerne an Äste, die ihrer Größe entsprechen. Das trifft leider auch nicht zu, habe ihnen jetzt immer die schönen, zarten zweigchen gegeben, weil die größeren Äste schon nicht mehr schön sind an meiner Weide. Also noch ein Fehler, den ich nicht wusste.

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    Moin Sandra,

    also erstens: Schmetterlingszucht ist IMMER learning by doing. Was beim Kollegen klappt, muss bei dir noch lange nicht funktionieren. Jede Menge Parameter wirken auf unsere Zuchten ein. Manche davon können wir anpassen, andere nicht. Entsprechend tendieren die Ergebnisse oftmals weit auseinander, obwohl man anscheinend alles genauso macht, wie der andere Züchter.

    Nun.... so luftig wie in einem Aerarium musst du sie auch nicht halten. Da trocknet dir nur das Futter zu schnell weg, wie du schon vermutest. Vielleicht ist das was für die Tiere ab L5, wenn du ihnen laurocerasus eingewässert anbieten wirst.

    Nimm ruhig einen Plastikbehälter und schneide/bohre in den Deckel und in die Seitenwände ein paar Löcher rein, die du mit Gaze verkleben kannst, so dass ein kleiner dauerhafter Luft- und Feuchtigkeitsaustausch erfolgen kann. Das reicht völlig.

    Je größer die Tiere werden und damit die Behälter, desto mehr Luft sollte halt ran kommen.

    Ich Arbeite bei mir mit Haribo-Dosen in unterschiedlicher Größe. Dort bleibt der Cornus gut 3 Tage ungewässert frisch. Darauf lege ich dann wieder einen frischen Trieb. Sauber machen tu ich nur einmal in der Woche. Der Kot darf halt nicht zu schimmeln beginnen; das ist ein guter Anzeiger ob alles passt.

    Ich schau mal, ob ich mit dem Handy noch ein paar aussagekräftige Fotos hinbekomme.

    Ansonsten kannst du echt jeden dichten, aber leicht zu säubernden Kunststoffbehälter nehmen. Jeder Eimer etc. oder du holst dir aus nem Bau- oder Drogeriemarkt etwas entsprechendes und passt es deinen Bedürfnissen an.

    LG

    Rudi

    Ich habe Haribo-Dosen unterschiedlicher Größen, in deren Seitenwände ich unterschiedlich viele Bohrungen mit 8 bis 10 mm gemacht habe. Hinzu kommen Deckel mit unterschiedlich großen Bohrungen.

    Auf diese Weise kann ich durch Tausch von Deckeln/Behälter schnell auf nötige Änderungen reagieren. Mehr Luft, mehr Feuchtigkeit, wie auch immer. Und zum reinigen sind sie auch ganz einfach, da keine Ecken.

    Ideal für die Aufzucht von L1 bis L3.

    So habe ich im Moment 40 L2/L3 von Lasiocampa quercus auf Cornus sanguinea in so einem Behälter. Und das läuft seit Jahren perfekt so. Futter bleibt frisch ohne zu faulen. Natürlich wird es langsam gelb und trocknet aus. Schimmel gibt' nicht, Kot bleibt locker und rieselt. Alle zwei bis drei Tage einen frischen Zweig drauf. Einmal wöchentlich alles raus.

    Für quercus reicht das locker.

    90% der Raupen sitzen oben am frischeren Futter und können damit ganz einfach umgesetzt werden.

    Hallo Rudi,


    Klasse dokumentiert, vielen Dank ! Das hat mir sehr geholfen 🙂

    Ich habe vom Action diese Plastikdosen ( weil Haribo kann ich gar nicht so viel essen 🤣), ich habe mir jetzt einen so fertig gemacht mit Luftlöcher. Die Raupen durften dort jetzt soeben einziehen, und zu ihrer Weide auf der sie noch sitzen, habe ich Cornus mit reingegeben. Habe das ganze so im Behälter angeordnet, dass sie sich auch vernünftig auf die Stängel setzen können. Ich bin sehr gespannt, wie sie das neue Futter annehmen werden ! Der Cornus hier bei uns ist aber ganz schön verlaust, habe noch eine Stelle gefunden wo er hübsch und sauber ist.
    Eingesprüht habe ich nichts, er ist also jetzt trocken in den Behälter gewandert, unten liegt eine schöne Lage Zewa. Eine tote Raupe habe ich heute glücklicherweise nicht gehabt 🩷


    Die Löcher an der Seite und im Deckel sind nun 8mm im Durchmesser, im Deckel 4 Stück und im Behälter 8.


    Die Raupen möchte ich, wenn möglich, gerne überwintern. Züchtest Du sie durch, oder gönnst Du ihnen auch eine Winterpause ? Und wenn Du die Winterpause umgehst, wann sind sie in der Regel reif für die Verpuppung?


    LG Sandra



    Sieht gut aus, Sandra. Solltest du zu viele Löcher gemacht haben und das Futter trocknet zu schnell aus, kleb einfach ein paar Löcher von aussen wieder mit Tesa zu.

    Du kannst auch Weide und Cornus zeitgleich verfüttern. Bei quercus kannst du wechseln wie du möchtest. Du wirst an den Fraßspuren sehen, ob sie etwas bevorzugen, oder es ihnen wurst ist.

    Läuse hab ich auch auf dem Cornus, aber immer nur wenige Blätter und auch eher "inselartig". Musst mal paar Meter weiter schauen. Da kanns dann ganz anders sein. Einzelne verlauste Blätter knipps ich einfach ab.

    Wenn du sie nun noch überwintern möchtest, musst du sie umgehend ins Freie verfrachten. Bezüglich Überwinterung gibt es gerade nen anderen Thread.

    Ich werde meine Tiere dieses Jahr alle Überwintern lassen; möchte im Herbst meine Ruhe vor ihnen haben :grinning_face_with_smiling_eyes:

    Solltest du sie im Zimmer weiter ziehen, hast du die ersten Kokons so Anfang/Mitte Dezember rum. Die letzten dann um Heilig Drei König. Die kannst du dann frostfrei, aber kalt bis April lagern und dann in einem Puppenkasten im Freien. Die Falter schlüpfen dann trotzdem relativ geregelt, als hätten sie als L3 normal überwintert. Je nach Herkunft dann von Juni bis September.

    So zumindest bei mir.

    Hallo Rudi,

    Ich hab die Box eh schon draußen stehen. Also wir haben ein ungeheiztes Nebengebäude, da ist es von der Temperatur her wie draußen, aber sie sind halt gut vor Regen, direkter Sonne usw geschützt.
    Dort stehen auch sämtliche andere überwinterer 🙂


    Heute Abend schau ich mal, ob sie den Cornus schon angerührt haben und wie der allgemeine Zustand so ist, ob nochmal eine gestorben ost. Wäre ja schön wenn jetzt keine Ausfälle mehr kommen.

    Denn eigentlich sind das ja doch recht einfache Tiere, finde ich. 🙂

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