Tollwut - Sollte man immer im Hinterkopf behalten:

    Eine kleine Warnung an alle zu einem Thema an das kaum noch jemand denkt..
    Tollwut kann man in Mitteleuropa ja vergessen, ist schon lange ausgerottet, oder?
    Stimmt nur teilweise, denn es wird dabei die weit verbreitete Fledermaustollwut ausgeblendet deren Symptome genauso brutal und schrecklich sind wie bei dem ursprünglichen Rabiesvirus...
    Insekten können Tollwut nicht übertragen? Stimmt beinahe. Direkt ist es unmöglich. Aber es gibt aber auch noch die Möglichkeit einer Oberflächenkontamination...
    Das Virus ist empfindlich und kann nicht lange außerhalb einer lebendigen Zelle überleben? Jein, im Experiment überlebte es unter optimalen Bedingungen weit über 140 Stunden...
    Daher sollte man die Empfehlungen des RKI dazu durchaus kritisch sehen!

    Warum ich das schreibe? Gerade selbst erlebt:
    Einen Schmetterling mit frischem Fledermausbiss im Hinterflügel untersucht - und dabei einen frischen Kratzer in der Hand. Das Dream Team!
    Urteil der Notaufnahme: Das Risiko einer Übertragung ist zwar gering gewesen, aber auf jeden Fall größer als Null...
    Zum Glück wird bei sowas nicht lange gefackelt, denn bei einem Irrtum heißt es immer hastalavista baby..
    Habe die ersten Impfungen weg, morgen geht's weiter...Ist aber nicht mehr so barbarisch wie früher, ist sogar verträglicher als die Grippeimpfung.
    Also im Zweifelsfall lieber einmal zuviel zum Arzt, irrst Du Dich bist Du tot! Kann leider auch Entomologen treffen...

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    kann man, muss man aber nicht...Wer aufpasst lebt auf jeden Fall länger.

    Und wer es nicht tut fällt der Darwinschen Auslese zum Opfer... Egal ob mit oder ohne Finger im Allerwertesten - oder wie hieß das komische Ding im Gesicht ? 😜.

    Na das wäre schon ein extrem seltenes Ereigniss und als exotische Fallstudie bestimmt einen Artikel in einer Fachzeitschrift wert. So kommt man dann als Entomologe doch noch zu Ruhm und einer wirklich relevanten Veröffentlichung...


    Google sag:

    Infektionen beim Menschen

    • Deutschland: Seit Einführung des Infektionsschutzgesetzes im Jahr 2001 wurde kein einziger Fall einer menschlichen Fledermaustollwut-Infektion gemeldet.
    • Europa: In der gesamten Geschichte der medizinischen Aufzeichnungen wurden in Europa bisher insgesamt nur 6 Todesfälle beim Menschen durch Fledermaustollwut dokumentiert.
    • Weltweit: Die überwältigende Mehrheit der weltweit jährlich etwa 59.000 Tollwut-Todesfälle wird durch Hunde übertragen (ca. 99%), vor allem in Asien und Afrika

    Unter 1% der Fledermäuse sind infiziert und die können dann meist nicht fliegen oder sind verhaltensauffällig.

    aber du hast schon recht. Theoretisch ist das möglich. Die Frage bleibt dann noch zu klären ob die Viruslast in den Speichelspuren am Flügel noch ausreicht um eine Infektion über eine nichtmehr frische Wunde (kein Biss) auszulösen. Du müsstest dich vermutlich am Flügel schneiden um eine Chance auf Infektion zu haben. Mann muss sich dann fragen welche Nebenwirkungen die Impfung mit sich bringen kann ( bin kein Impfgegner) und dann muss jeder eine eigene persönliche Risikobewertung vornehmen. Als Arzt hätte icb dir die Impfung auch nicht verweigert...

    Wie bist Du denn vom Kratzer an der Hand bei der Untersuchung in die Notaufnahme gelangt?
    Hat es gejuckt oder gebrannt oder hat dich ein Kollege auf das Risiko aufmerksam gemacht?

    Ich habe den Biß auf dem - vorher bedeckten - Hinterflügel gesehen und gleich gedacht " ach du Scheisse"...Fransenreiner Schneespanner, keinen Tag alt, also ein wirklich frischer Biss.

    Ich beschäftige mich schon lange mit dieser Krankheit, seit damals wo das Virus noch überall in den Fuchspopulationen präsent war. Als alter Waldläufer hatte man das immer im Kopf gehabt, und gefürchtet. Es war damals eine Befreiung gewesen als die terrestrische Tollwut dank der Impfköder eliminiert wurde. In den Fledermausbeständen ist ein ähnliches Virus verbreitet, was die gleichen Symptome auslöst, und zum Glück ebenfalls durch die klassische Impfung bekämpft werden kann. Ganz nebenbei, in Afrika gibt es zwei Tollwutviren bei denen keine Impfung hilft.

    Daher bin ich vorsichtshalber umgehend in die Notaufnahme marschiert und habe um eine Einschätzung gebeten. Und die Ärzte sind zu dem gleichen Schluss gekommen - eine Übertragung kann nicht komplett ausgeschlossen werden. Und da wir ja nicht bei Super Mario sind : "Sie haben drei Leben... " pokert man nicht damit.

    Die Impfung hält sehr lange vor, oft sind selbst nach zwanzig Jahren noch ausreichend Antikörper vorhanden. Bei einem späteren richtigen Biß sollte man sich zwar eine Auffrischung holen, aber man würde höchstwahrscheinlich auch ohne überleben.

    Beim Leuchten hat man regelmäßig über der Lampe kreisende Fledermäuse...wie die Möven beim Fischer. Und manchmal kommen die verteufelt nahe. Ein Biss wird oft gar nicht bemerkt, und die Quittung kommt dann ein paar Wochen später ( min/max 4 Tage bis 6 1/2 Jahre).

    Es gibt eine Schutzimpfung die lediglich drei Spritzen umfasst. Aufgrund meines eigenen Erlebnises kann ich die nur empfehlen.

    Man muss nicht immer gebissen werden. Es erkrankten bereits Höhlenforscher die in Fledermaushöhlen die Partikel nur eingeatmet hatten. Und es erwischte einen Tierpräparator der eine infizierte Fledermaus präparieren wollte und dabei Staub geschluckt hat.

    Das es nicht mehr Fälle gibt liegt daran das bei jedem kleinen Verdacht sofort geimpft wird.

    Frag mal Google nach "fledermaus kindergarten tollwut",

    Und was die Nebenwirkungen betrifft - als Versuchskaninchen kann ich bezeugen das man weniger merkt als bei der Grippeschutzimpfung. Und das obwohl es beim ersten Mal gleich eine doppelte Ladung gibt.

    Man lernt nie aus. :grinning_face_with_smiling_eyes: Tollwut gilt in Deutschland seit ca. 20 Jahren als ausgerottet - außer selten bei Fledermäusen (und Reiserückkehrer). Also Vorsicht bei toten oder "verrückten" Fledermäusen. Eine Schmierinfektion über ein Insekt habe ich noch nie gehört.

    Eine Rarität einer Rarität. Wir würden sagen: ein Looping drehender Kolibri.

    Aber auch dann hat man nach der Infektion noch reichlich Zeit für die Impfung. Das Virus muss ja von der Eintrittsstelle über die Nerven ins Gehirn gelangen. Das dauert von der Hand bis zum Kopf so zwei Wochen. Kein Fall für die Notaufnahme, sondern für eine gute Beratung.

    Die Google Antwort mit den 1 Prozent ist rein spekulativ. Totfunde werden zwar getestet, aber im Gegensatz zu den Füchsen damals gibt es kein konkretes Überwachungsprogramm für Fledermäuse. Genauso gibt es Vermutungen das der Prozentsatz wesentlich höher liegt. Wie gesagt, alles nur Vermutungen...

    Die Frage ist dabei: Würdest Du Dich darauf verlassen wenn der Einsatz Dein privatpersönlicher Kopf wäre? Mal davon abgesehen das ein erneutes Einschleppen zb durch die Wölfe jederzeit passieren kann... Die letzten Köderimpfungen sind schon lange her.

    Und wie immer gilt: Haben ist immer besser als Brauchen 😉

    Klare Antwort, nein ich würde mich wegen eines möglichweise angeknabberten - möglichweise von einer Fledermaus, möglichweise von einer Tollwutinfizierten und dann möglicherweise auch noch mit einer ausreichenden Virusmenge - Falterflügels nicht impfen lassen. Dad Risiko ist extrem niedrig und hat sich so noch nie manifestiert.

    Wenn ich aber in Afrika und Asien unterwegs bin, wie einige hier im Forum, und von einem streunendem Straßenhund angefallen würde, dann würde und habe ich mich impfen lassen. Eine qualvolle immer tödliche Erkrankung ohne Therapiemöglichkeit. Innerhalb von zwei Wochen reicht.

    Eine Impfung und eine Auffrischung reicht fürs Leben.

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    Warum Pflichtimpfung?

    Es wird in Deutschland immer eine Risikoanalyse gemacht, bei der mögliche Gefahren und Nutzen der Impfung gegeneinander abgewogen werden. Seit dem Ausrotten der terrestrischen Tollwut in Deutschland gibt es keine dringende Indikation mehr zu impfen, da die Gefahr einer Übertragung von Fledermaustollwutviren (verwandte Lyssaviren, aber eben nicht "das Tollwutvirus) auf Menschen ausgesprochen gering ist. Aufgrund der geringen Inzidenz ist auch weiterhin weitestgehend unklar, wie Infektionen mit EBLV beim Menschen tatsächlich verlaufen: sind das, was wir sehen, seltene Ausnahmen virulenter Verläufe von Erregern, die sonst keine schweren Symptome hervorrufen (ähnlich Ebola Reston, welches lange übersehen wurde)? Da gibt es noch sehr viele offene Fragen.

    Anders verhält es sich natürlich bei Urlaubsreisen in Länder, in denen die Gefahr einer Tollwutinfektion hoch ist. Hier wird selbstverständlich die Impfung empfohlen.

    Als kleine Anekdote: die letzten Tollwut-Todesfälle, die ich in Deutschland mitbekommen habe, waren nach Transplantation von Organen einer Spenderin, die nach einer Indienreise verstorben ist. Die Infektion war zum Zeitpunkt der Organspende unerkannt...

    Eine Rarität einer Rarität.

    Ist halt relativ. Beim Fang in der freien Natur oder einfach beim Geocachen steigt deine Chance eine FSME- oder Borreliose-infizierte Zecke zu füttern auch sehr stark.

    Wenn ich mir so die Karte der Länder mit Tollwutrisiko und die Karte mit jährlich an Tollwut verstorbenen Menschen pro 100K Einwohner anschaue sollte man bei Reisen ggfs. wohl doch noch eine Impfung mehr mitnehmen. Ich bin offenbar schon in diversen Mittel- bis Hochrisikogebieten durch die Natur gekraucht und habe auch praktisch in jedem dieser Länder mit halbwilden Haushunden interagiert.

    Zitat

    Ich beschäftige mich schon lange mit dieser Krankheit, seit damals wo das Virus noch überall in den Fuchspopulationen präsent war.

    Hat sich da eigentlich was in der Behandlung geändert? Ich bin zwischen '90 und '95 mal wegen Tollwutverdacht in Quarantäne gestellt worden.
    Der Hergang war folgendermaßen:
    Ein Freund hatte eine Füchsin angefahren, welche dann geflüchtet ist und ihr Junges zurückgelassen hat (seine Story). Das nun elternlose Junge hat er dann eingepackt und ist damit zu mir gefahren, da ich mich mit "so einem Biokram" auskenne. Ich schaue mir das Tier an und beruhige es - wobei es kaum Panik oder Fluchtreflex zeigt.

    Da mir auch nichts Besseres einfällt, fahren wir in den nächsten Zoo und teilen mit, wir bräuchten einen Gesprächstermin beim Leiter. (Hier kurz der Hinweis, dass wir beide zu dieser Zeit sehr jung waren.) Im Büro des Zooleiters erzählen wir ihm die Geschichte. Er kriegt erst mal einen Anfall, dass wir ein Wildtier quer durch seinen Park geschleppt haben und dass die uns überhaupt damit reingelassen haben (an der Kasse war eine studentische Hilfskraft. k.A. was er da erwartet hat ).

    Der Zooleiter ruft die Untere Naturschutzbehörde an und wir bekommen den Hinweis auf Tollwutgefahr bzw. Verdacht der Infektion bei uns beiden. Wir sollen das Tier, welches bei mir auf dem Schoß sitzt und mit Streicheleinheiten beruhigt wird, auch nicht mehr anfassen. Ich bekomme erst mal Schockstarre, worauf sich das Junge auch sehr unruhig wird. Nächste Anweisung: „Na, ist ja jetzt auch egal, streicheln Sie ruhig weiter.“ Während mein Kumpel und ich uns den „Ach du Scheiße“-Blick zuwerfen, wird am Telefon besprochen, wie es weitergehen soll. Das Junge hat niemand gebissen und m.E. bestand auch nie die Gefahr - einziger Infektionsvektor hätte Schmierinfektion sein können.

    Als nächstes holt der Zooleiter einen Behälter, in welchen das Fuchsjunge rein kommt, und geht aus dem Zimmer. Er kommt dann mit dem Behälter, welcher nun ein totes Fuchsjunges enthält, wieder. Er weist uns an zur Naturschutzbehörde zu fahren, in welcher sie das Gehirn des Tieres untersuchen würden, um eine Infektion festzustellen bzw. auszuschließen. Wir haben weiterhin die Anweisung mit Niemandem direkten Kontakt aufzunehmen und Niemanden anzufassen. Außerdem sollen wir eine Liste von Leuten, mit denen wir seit dem Aufgreifen des Fuchsjungen Kontakt hatten, aufstellen. Erklärt wurde uns, dass man eine Infiziertenbehandlung vermeiden wolle, da diese schmerzhaft und gefährlich sei. Wir haben dann in der Behörde auf das Ergebnis der Autopsie gewartet, welches negativ auf Tollwut war.

    Seitdem habe ich den Heidenrespekt vor Tollwut, den man auch haben sollte.

    Ebenfalls habe ich mir noch jahrelang Gedanken gemacht, wie Tod des Fuchsjungen zu vermieden hätte können. Wenn ich jetzt recherchiere heist es nur, das man bei Exposition einfach impft und gut ist und das der Impfstoff auch schon seit sehr langer Zeit da ist? AndreasHat sich Deiner Kenntnis nach die Behandlung in den letzten 30-40 Jahren geändert?


    .

    Eigentlich nichts außer das der Impfstoff wesentlich verträglicher geworden ist, und natürlich aktuell das Virusreservoir bei den Vierfüßlern weg ist. Daher greift man heute wesentlich entspannter zur Spritze. Da ist nichts mehr schmerzhaft oder so.

    Die früheren Impfstoffe aus getrocknetem Hirngewebe allerdings waren damals schon ziemlich barbarisch und hatten praktisch immer Nebenwirkungen.

    Die Todesrate ist von 100 auf 99,999 Prozent gesunken. Mittlerweile gibt es 15 ungeimpfte Überlebende. Für Interessierte: nach Jeanna Giese googeln.

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