Plädoyer für Buddleja

  • Wenn in meinen Referaten oder Publikationen der Sommerflieder Buddleja erwähnt wird, gebe ich meist meinem Mißfallen Ausdruck gegenüber dieser beliebten Art.
    Ein Neophyt bleibt ein Eindringling. Ich will nichts zu seiner Verbreitung beitragen.
    Nun hat mir ein aufmerksamer Leser, ein Bauer aus der Ostschweiz, geschrieben.
    Und ich denke, dass seine Gedanken durchaus diskussionswürdig sind. Lest seine Meinung und schreibt, wie ihr darüber denkt.




    Mit grossem Interesse haben wir Ihren Artikel gelesen. Ohne zu kritisieren zu wollen ist für mein Gefühl Ihr Artikel bzw. Fürsprache für die Schmetterlinge etwas einseitig geraten. Es gibt nämlich nicht nur Schmetterlinge!

    Wir lassen auf unserem Hof all jene Kräuter, Blumen, Bäume und Sträucher gewähren, wenn sie uns nicht einschränken. Da gedeihen alle Weidenarten, Bärenklau (nicht beliebt), Haselnuss, grosse Brenessel, die Samensammlung der Pro Natura, beide Holunderarten, Schwarz- und Weissdorn, beide Lindenarten, Eberesche und andere - und auch der von Ihnen geschmähte Sommerflieder. Sie bezeichnen diesen Strauch als eine "Beiz". Er sei zu nichts nutze.

    Ich gebe Ihnen in diesem Sinne recht, als es kein Wirt ist. Wenn ich aber jetzt in die Natur schaue, stelle ich fest, dass praktisch keine Blumen auf den Wiesen blühen, obwohl wir unseren Pächter angewiesen haben, die Blütezeit vorbeigehen zu lassen, damit die Blumen nicht nur blühen sondern auch versamen können. Irgendwann muss er ja auch mähen. Wenn ich aber den Sommerflieder betrachte, so kreisen da unzählige Insekten (u.a. auch Bienen, viele Arten Schmetterlinge, Falter und Schwärmer, die sogar auf dem "berüchtigten Bärenklau", dessen Blüten vor der Versamung dann abgeschnitten werden, Station machen) und decken ihren Bedarf an Nahrung.

    Ich meine, man kann ja nicht nur die Eiablage vornehmen (lassen) und dann einen Schlussstrich ziehen. Unsere Freude an den flatternden Gästen ist ja nicht nur die Raupe und Puppe sondern auch der Farbtupfer in Garten und Wiesen. Admirale, Distelfalter, Füchse, Tagpfauenauge usw. sind ja das PRODUKT unserer vielseitigen Bepflanzung. Auch wenn es nur ein Kohlweissling oder Zitronenfalter ist. Und so einseitig wollen wir die Sache nicht angehen. Auch unsere Bienen haben das Bedürfnis des Sammelns. Das sehe ich ganzheitlich, nicht nur bezogen auf Schmetterlinge und Falter. Glück für die Bienen (und deren Halter) ist in diesen Jahreszeiten höchstens noch die Waldtracht. Wo gibt es dann noch Blumengärten, in denen es oft viele hybride Pflanzen gibt?

    Dies als Ergänzung zu Ihrer etwas diskriminierenden Einstufung des Sommerflieders. Ich freue mich dennoch über die Farbenpracht unserer Sträuches und dessen wundersamen Geruchs. Und auch an den vielen "Gästen" an dessen Blüten.

    Mit freundlichen Grüssen
    Otto Erne

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  • Auch ich versuche bei der Bekämpfung von Neophythen mitzuhelfen und die Buddleja scheint mir eine wenig schlimme Art zu sein. Bei uns an den Ufern von Sense und Schwarzwasser gibt es viel problematischere Neos.


    Der Nektar, den die Buddleja abgibt, scheint den Schmetterlinge jedenfalls nicht zu schaden. Mir wurde gesagt, das Schlechte an ihr sei, dass die Schmetterlinge dort ihre Eier legen würden und die Raupen nicht fähig seien, vom Buddleja zu essen. Meine Frage ist nun, ob das stimmt.


    Legen die Lepis tatsächlich ihre Eier an die Buddleja?


    Was bei mir im Garten zu Zeit noch blüht ist der wilde Majoran, und da sind täglich einige Bienen drauf, wenn es das Wetter erlaubt. Auch bei den Fuchsien finden sich Honigsammler ein - aber bei beiden keine Lepis. Der Rest ist auch bei mir ziemlich verblüht.


    Eine Buddleja die ich öfters sehe steht in einem Garten bei der Kirche Wahlern. Dort habe ich im August und September immer wieder mehrere Pieris gesehen, einen Schornsteinfeger und einen Zitronenfalter und Bienen und Hummeln.


    An einem einzigen Tag, am 6. September 2010, aber waren fünf frische Admirale drauf.

  • In einem Beitrag in der Entomologischen Zeitschrift (84. Jahrgang , Seite 225) ist als weitere Futterpflanze von Acherontia atropos (Totenkopfschwärmer) der Sommerflieder aufgeführt. Es wurden in der Bodenseegegend einige Raupen auf Buddleja gefunden. Der Sommerflieder ist also auch als Futterpflanze nicht ganz nutzlos.
    Hat jemand schon entsprechende Erfahrungen gemacht?


    Viele Grüße
    Eberhard

  • Hallo im Forum,


    für Baden Württemberg ist Buddleja als Nektarpflanze für mehr als 150 Arten dokumentiert. Als Raupenfutterpflanze gibt es Beobachtungen für folgende Arten:


    Acherontia atropos


    Cucullia scrophulariae


    Cucullia verbasci


    Phlogophora meticulosa


    Eupithecia exiguata (Blütenfresser)


    Eupithecia absinthiata (Blütenfresser)


    Biston betularia


    Quelle: Günter Ebert, Die Schmetterlinge Baden-Württembergs, Band 10


    liebe Grüße


    Ralf

  • Donnerwetter! Gute Info. Hätte ich gar nicht gedacht, dass soviele Arten den Sommerflieder auch als Raupennahrung nutzen. Ebenfalls eine gute Saugpflanze für Tagfalter ist der Dost ( Oreganum vulgare), auch eine ursprünglich nicht einheimische Kulturpflanze. Ebenfalls in diesem Zusammenhang wären Kugeldisteln (Echinops) zu nennen. Es gibt zwar auch verwilderte oder einheimische Formen, aber die in Gärten angebauten Zierpflanzen werden gerne von vielerlei saugenden Insekten aufgesucht.

  • Origanum (nicht Oreganum) vulgare war ursprünglich im Mittelmeerraum verbreitet.
    Über die Verwendung als Heil- und Würzkraut fand die Pflanze entsprechende Verbreitung nach Norden und hat sich wohl, so aus Kloster- und Bauerngärten heraus weiter verbreitet. Wie so manch andere Art auch.


    Wann dann so eine Pflanze zur "heimischen Flora" gezählt wird, da gehen die Meinungen auseinander.... ;)
    Siehe auch zB. Kastanie, Platane etc.etc.



    Tschau
    Rudi

  • Im Vergleich zu anderen Neophyten, die sich extrem schnell ausbreiten und andere Pflanzenarten verdrängen, ist der Sommerflieder (Buddleja davidi)für unsere Botanik keine Gefahr. Er verbreitet sich nur sehr langsam und der Verbreitung sind auch Grenzen gesetzt, denn der Sommerflieder ist nur begrenzt winterhart. Spätestens nach längeranhaltenden scharfen Frösten ist es vorbei mit der Population. Nur Exemplare an klimatisch günstigen oder geschützten Stellen bleiben erhalten (wie z. B. unserer, der direkt an der Hauswand wächst). Das habe ich immer wieder feststellen können, zuletzt im Winter 2002/2003. Auf den ehemaligen brachliegenden (damals noch nicht bebauten) Geländeteilen des Fluhafens München-Riem hatten sich überall Sommmerfliederbüsche angesiedelt - sie waren teilweise schon einen Meter hoch. Ich habe keinen einzigen mehr gefunden, der diesen Winter überlebt hat. Auch der in Nachbars Garten war komplett vertrocknet.


    Daß der Sommerflieder als Fraßpflanze (für unsere heimischen Falterarten) herhalten muß, kann ich nicht bestätigen: Ich habe in all den Jahren noch nicht gesehen, das ein Falter dort ein Ei abgelegt hat oder es versucht hat. Ich hab auch noch nie eine Raupe daran gefunden.


    Da der Sommerflieder mit den Braunwurzgewächsen (Scrophulariaceae) verwandt ist kann ich mir schon vorstellen, daß man daran Braune Möche (Cucullia sp.) züchten kann.


    Gruß - TG

  • Daß der Sommerflieder als Fraßpflanze (für unsere heimischen Falterarten) herhalten muß, kann ich nicht bestätigen: Ich habe in all den Jahren noch nicht gesehen, das ein Falter dort ein Ei abgelegt hat oder es versucht hat. Ich hab auch noch nie eine Raupe daran gefunden.

    Na dann schau mal hier: Distelfalter (Eier und Raupen !) auf Sommerflieder

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  • Aber im Ernst: Ich habe trotzdem so etwas noch nie beobachtet und noch nie eine Raupe daran gesehen :( .

    ...wie du ja sicher weißt, gibt es für alles ein erstes Mal - und das du selbst so etwas noch nicht beobachtet hast, heißt ja nun nicht zwingend, daß es nicht stimmt.

  • Hey, verehrte Schnägge


    natürlich gibt es für alles ein erstes mal. Aber wie aus den Beiträgen in der Diskussion Distelfalter (Eier und Raupen !) auf Sommerflieder herausgeht, scheint es ja etwas Ungewöhnliches zu sein.


    Aber schreib' Du doch auch mal was über Deine Beobachtungen über das Leben am Sommerflieder - vielleicht hast Du schon mal ähnlich Interessantes gesehen worüber Du berichten könntest.


    Übrigens: Schnecken finde ich auch immer wieder in unserer Buddleja. Obwohl sie nichts davon fressen, kriechen sie die Stämme hoch und bleiben in den Zweigen sitzen (meistens Bänderschnecken). Warum weiß ich nicht.


    Sei gegrüßt - vom Turbo-Gast

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