Mähwahn in Deutschland

    Hallo allerseits,


    zum Artikel von Bahmann über den Rückgang in Südamerika fällt mir ein daß das was ich bei uns vor 45 Jahren an Schmetterlingen sah jetzt bei weitem nicht mehr da ist. Wenn ich dann bedenke das die "Alten" damals sagten daß es früher viel mehr gab, so meine ich daß sowohl von Arten- wie Induvidienzahl seit 50 Jahren keine 20% vorhanden sind.

    Durch die Aktivität des Menschen wie Ackerbau, Beweidung und Rodungen, dadurch stellenweise Versteppungen ist die Artenvielfalt gegenüber der früheren vollen Bewaldung stark gestiegen. Viele Tierarten aller Ordnungen sind eingewandert. ZB. der Apollofalter wäre ohne den Holzverbrauch des Menschen an vielen Stellen im Flachland schon vor mehreren tausend Jahren wegen Verbuschung der Flugstellen verschwunden. Und der Mensch ist es leider auch der durch seine nun Übertriebene Aktivität die vielzahl zerstört, weil durch den Maschineneinsatz das so leicht und mühelos geworden ist.

    Was leicht geändert werden könnte, aber sehr schwer beizubringen ist, ist das unnötige Mähen. Mähen ist wichtig um die Verbuschung zu verhindern, aber das Mähgut muß abtrasportiert werden, sonst erstickt die Vielfalt und der Boden wird zu stark gedüngt. Straßenränder müssen max 1m breit gemäht werden, dort ist auch das Mulchen akzeptabel, aber das bis zum Waldrand auszuüben selbst wenn dieser 50m weg ist lässt keinen Platz mehr für Natur. Nicht alles was grün ist ist Natur. Die Landwirtschaft hat Überproduktion, spritzt alles nieder und die Grassilagen, die wegen des hohen Eiweißgehaltes viel zu früh gemacht werden müssen sind zweifelsohne schlimm, aber daß jeder Wegrand, Überfahrtsweg, Bachlauf usw. von den Bauern abgemäht und liegengelassen wird ist eine Katastrophe. Es ist sehr schwer den Leuten beizubringen sie sollen es entweder sein lassen oder ein mal sehr spät Mähen und das Mähgut abtransportieren. Bachläufe gar nicht mähen geht, denn wenn gemäht und alles liegengelassen wird verstopft der Graben viel eher. Gräben sind im Winter wichtige Verstecke für Hase und Rebhuhn.

    Vielleicht hat jemand von Euch mehr Erfolg als ich.

    Gute Zeit wünscht Elmar

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    da gebe ich Dir recht, in Deutschland ist es eigentlich so, entweder wird zu viel gepflegt oder zu wenig.

    Ein gesunden Mittelmaß gibt es nicht mehr.

    Beispiel gibt es viele. Hier sei nur das Mähen der Waldwege genannt. Die Waldwege sehen aus wie Parkanlagen, gemulcht.

    geradegeschnitten. Blütenloses Einheitsgrün im Sommer zur Flugzeit vieler Falter. Auf der anderen Seite sind die Wälder aber zu dicht und zu schattig. Ergebniss, keine Falter mehr, keine Habitate für Raupen, keine anderen Insekten, Vögel,Pflanzen

    nur Allerweltsarten.

    Wir hatten hier bei uns mal eine Action mit dem Forst gemacht mit Begehung vor Ort, Erklärung etc.

    Das hat aber auch nix gebracht. Die Jäger wollen schöne Waldwege haben damit Sie schon von weiten die Wildschweine vom Hochsitz aus sehen können wenn sie den Waldweg entlang laufen.

    Oft wird das Ausmähen der Waldwege auch an Firmen vergeben, die Mähen wenn es ihnen paßt.

    Soviel von mir, und beim Schreiben könnte ich mich schon wieder aufregen über das Thema.


    gruß armin

    Hallo,
    dazu kommt dann noch, dass sich anscheinend vielerorts niemand dafür zuständig fühlt, das unsäglich überall wuchernd Springkraut mal abzumähen, bzw zu flämmen.Eine eingeschleppte Pflanze, die nicht in unseren Faunenraum gehört. Zumend verdrängt es immer mehr der ein heimischen Flora. Der Laie sieht hier ja leider nur wunderschöne rot- bzw rosablühende Blumen.
    Gruss,
    Gerd

    Ihr habt leider nur zu Recht!
    Die Zerstörung der Biotope hat Methode und je effektiver die Geräte und je größer der wirtschaftliche Druck,
    umso mehr bleibt die Natur auf der Strecke!
    Und unsere Entscheidungsträger sind alles andere als kompetente Gesprächspartner in Sachen Naturschutz, eher Lobbyisten der Industrie.
    Rezepte dagegen?
    Schwierig!!!
    Die Eu versucht mit wenigen Programmen dem Artenschwinden entgegen zu wirken.
    Stichwort Wiesenbrüterprogramm. Da wird den Landwirten ihr Ausfall bezahlt, wenn sie sich entscheiden,
    erst ab dem 1.August(soweit mir bekannt) die erste Mahd der Wiesen anzusetzen. Dies soll den Bodenbrütern die Möglichkeit geben, ihre Brut großzuziehen. Davon profitieren natürlich auch viele andere Arten, gerade Insekten. (Und die Jäger, die dann mehr Niederwild zum Abknallen haben! :face_with_tongue: )[Hab ich das wirklich geschrieben?Verd...t. Entschuldigung! :unsure: ]
    Oder die Zahlungen an die Landwirte für das Stilllegen von Ackerflächen und das strikte Verbot, diese Flächen wieder in die extensive Bewirtschaftung zu nehmen.
    Doch ist dies nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein!
    Außerdem gibt es den Landschaftspflegeverband mit Spezialisten für alle möglichen Facetten des Naturschutzes. Leider erinnern die mich oft an Don Quichotte bei seinem Kampf gegen die Windmühlen, in diesem Fall die Landwirte, die leideer immer noch nach dem Motto vorgehen:
    Des war scho immer so, des hammer noch nie gmacht, des geht eh net!
    Wie sagt der blasse Nordmann dazu: Wat der Bur nit, kennt dat fritter nit.
    Was also kann man tun? Nichts? Resignieren?
    Nein, nur wer sich engagiert, in Naturschutzverbänden oder in der Politik, der regionalen, nicht der "großen", der kann vielleicht etwas bewegen.
    Und dann haben wir Naturschutzgesetze, die nichts anderes tun, als unseren Nachwuchs davon abhalten, sich mit der Natur zu befassen. Biotopzerstörung jeglichen Ausmaßes dagegen ist legitim.
    Genug gefaselt, und jetzt erst recht!
    Trotzdem gehe ich mit meinen Kindern, selbstverständlich mit Schmetterlingsnetz und Raupenbox, auf die Pirsch, im Rahmen der Gesetze versteht sich und zeige ihnen, wie der Mensch mit der Natur umgeht
    und das es auch anders geht! Und ich unterstütze die Schule, wenn es um die Schmetterlinge geht.
    Das ist es was wir tun können: unser Wissen weitergeben, damit unsere wundervollen Schmetterlinge nicht vergessen werden. :thumbs_up:
    Gruß
    Arnd

    Tja, Ökologie und Ökonomie müssen eben in einem gesunden Verhältnis stehen. Irgendeiner muss auch alles bezahlen. Da die Straßenbankette vermutlich auch eher von den Straßenbauämtern betreut werden, erwarte ich mal, dass hier v.a. die Belange des ADACs als Naturschutzbelange eine Rolle spielen. Ähnlich schaut’s wohl auch bei den Waldwegen aus, wenn die Jägerschaft deren Erhalt betreut und bezahlt, kann man ihnen kaum vorwerfen, dass sie dabei auch ihre Interessen durchbringen und nicht auf so sehr auf Jagdirrelevantes Getier Acht geben. Will man dies ändern müsste man sich vermutlich einer Partei oder Naturschutzorganisation anschließen, um seiner Stimme mehr Gewicht zu geben. Da können sich die meisten vermutlich selbst an die Nase fassen, da man so viel Engagement dann eben doch nicht aufbringt (mich eingeschlossen). Und ansonsten gilt eben wer bezahlt, der bestimmt.
    Häufig genug sind auch noch gerade die, die sich über gekappte Alleebäume etc. aufregen, die ersten die kein Problem haben, den schönen, alten Baum im Vorgarten abzusägen, sobald sie feststellen, dass das Wohnzimmer dunkel ist, das Laub überall rumliegt, die Dachrinnen voll sind etc.etc. . Naturschutz ist also relativ. In unser Gesellschaft muss Natur/Getier zu allererst schön sein, wenig kosten und im Zweifel eben weichen.
    Grüße Harro

    Wenn ich an die 70er oder 80er Jahre denke, dann kann man sich noch gut an die Tagfalterschwärme erinnern, die es heute so nicht mehr gibt. Es wimmelte praktisch an allen Blüten und auf allen Feldern. Selbst den Kohlweißling bekommt man nur noch selten zu sehen.
    Zum Thema Mähwahn fällt mir auch der Heckenschneidewahn ein. In der DDR wurde der Heckenschnitt in den öffentlichen Anlagen oft stark vernachlässigt oder blieb teilweise ganz aus, was dazu führte dass sich viele Schwärmer ungestört vermehren konnten. Da konnte man an einem Nachmittag ohne aufwendig zu suchen 10 Ligusterschwärmerraupen auffinden! Heute entdeckt man davon nur noch eine alle 5 Jahre ...

    Ihr habt alle recht!

    Das ist echt ein Problem des modernen Menschen! Immer weniger interessieren sich für die Insekten. Oftmals wird in einem Insekt ja auch nur ein Schädling gesehen. Viele Bürger wissen ja nicht mal, dass Schmetterling und Raupe zusammengehört. In der Gesellschaft wird man ja schon schief angeguckt, wenn man sagt, dass man Falter züchtet. Ofmals sogar als Spinner abgestempelt.

    Das grosse Problem ist einerseits das Wissen um die Tiere. Ich werde immer wieder von Bauern oder Bauernfrauen im Wallis mit Fingerzeig, darauf anufmerksam gemacht, keine Falter zu fangen und alle meine Fänge wieder frei zu lassen. Weil doch die Schmetterlinge so schön sind. Wahrscheinlich wissen diese gar nicht, dass ihr Weinberg ganze Populationen ausradieren. Die Leute sehen alles nur kurzfristig und in einer fst schon kitschigen Art und Weise. Sie sehen die Schönheit eines Schmetterlings, überlegen aber nicht, woher der kommt, was er braucht und wie es um seine Zukunft steht, wenn man soche arge Landwirtschaft betreibt und alles todspritzz und mit Monokulturen zupflastert.

    Deshalb sind die besten Plätze, da wo der Mensch nicht hinkommt. Wäre das Wallis nich an manchen Stellen sehr steil, würd dort auch noch ein Rebberg stehen. Weil alle ums überleben kämpfen und für das gute Geld alles an Natur hergeben. Deshalb sind ja Ruderalfläachen wie Kiesgruben so wertvoll, dort wird gearbeitet und zugleich entsteht ein wichtiger Lebensraum für viele Arten.

    Das mit den Ligusterschwärmerraupen ist mir auch schon aufgefallen. Nie findet man eine. Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir züchter mehr Falter haben, als die die in der Natur in Freiheit leben.

    Kein wunder, heute muss ja alles schön sein. Wie die eigene Frisur müssen die Hecken geschnitten und gepflegt werden. Wahrscheinlich wieder so ein Prestige-mode-erscheinungs-Wahn des Menschen.

    Der Mensch arbeitet nicht mit der Natur sonder gegen die Natur und merkt es nicht mal .... SCHADE und gute Nacht!

    Thom

    Das mit den Ligusterschwärmerraupen ist mir auch schon aufgefallen. Nie findet man eine. Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir züchter mehr Falter haben, als die die in der Natur in Freiheit leben.

    ob es was bringen würde wenn alle züchter nur noch spierstrauch füttern würden? ob die art sich dadurch an die pflanze mehr gewöhnt? dieser wird ja immer erst im spätherbst beschnitten. die größte falle für den ligusterschwärmer ist ausgerechnet der liguster.

    Wenn die orange Horde mit ihren Motorsensen, Laubpustern etc. ausrücken ist es zum Teil ganz nützlich mit dem höchstqualifizierten Sensemann ins Gespräch zu kommen. Der ist meistens daran zu erkennen, dass er sich am wenigsten bewegt. Dann macht man ihn darauf aufmerksam, dass dort, wo sie beabsichtigen zu mähen, eine seltene unter Naturschutz stehende Libellenart ihren Lebensraum hat. Lässt er sich nicht überzeugen muss man cool bleiben und mit einer Anzeige drohen.

    Torsten

    Hallo Allerseits,
    die meisten Tagschmetterlinge leben im Offenland, auf Wiesen. Diese Wiesen müssen ein- bis zweimal (je nach Nährstoffreichtum des Standorts) gemäht werden, damit die Lebensgrundlage dieser Arten, nämlich eine blumenreiche Mähwiese erhalten bleibt. Hochstaudenfluren, Gebüsche oder später Wald, die sich nach einer Nutzungsaufgabe einstellen würden, sind lang nicht so artenreich wie Mähwiesen. Also liebe entomologische Freunde, das Mähen ist nicht das Kernproblem, solange es in extensiver Form erfolgt, sondern absolut notwendig. Es ist vielmehr die Nährstoffüberversorgung, die unseren Faltern den Lebensraum zerstört. Überall kommen Stickoxide über den Luftpfad in den Boden, überall werden Wiesen gedüngt oder nur noch beweidet. Und so verändert sich die Artenzusammensetzung der Flora. Die für unsere Falter so wichtigen Nektar- und Raupenfutterpflanzen verschwinden. Nicht durch eine angepasste Mahd, darauf sind Wiesenpflanzen und unsere Schmetterlinge seit Jahrhunderten angepasst. Also lasst die Kirche mal im Dorf und regt euch lieber über die extrem falterfeindlichen Veränderungen (Intensivierung, Überdüngung, Grünlandumbruch) in der Landwirtschaft (und deren europäischer Förderung) auf, als über die Mahd von Flächen. Im übrigen sieht es im Wald nicht anders aus, auch im Wirtschaftswald verschwinden die Arten durch die intensive Nutzung (Fichtenmonokulturen, gleichaltrige Wälder, fremdländische oder nicht standorttypische Baumarten, Kahlschläge etc.). Das Artensterben ist hausgemacht, unsere intensive Nutzung oder Pflege jedes Quadratmeters bleibt nicht ohne Folgen. Die Mahd zu verteufeln, trifft das Problem nicht im Kern, sondern zeigt, dass auch wir Entomologen zum Teil schon das Wissen um die Lebensvoraussetzungen unserer Schmetterlinge zu verlieren scheinen.
    Lösungen gibt es nur, wenn die europäische und deutsche Förderpraxis in Land- und Forstwirtschaft ökologisiert wird. Das heißt, wenn der Landwirt oder Forstwirt, der wirklich im Sinne des Naturschutzes handelt, mit Fördergeldern belohnt wird. Viele Programme zur Evaluierung der Erfolge der aktuellen Förderprogramme laufen zwar. Doch da gibt es seit Jahrzehnten heftigen Wiederstand der Lobbyisten.

    Klaus-Bernhard

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    ... Diese Wiesen müssen ein- bis zweimal (je nach Nährstoffreichtum des Standorts) gemäht werden, damit ...

    nichts muss. wer würde denn mähen, wenn der mensch - als ursache aller probleme auf dieser welt - nicht da wäre?

    @ der Frank: Vielen Dank für den Link. Ist schon ein interessantes Thema. Gut ich bin jetzt nicht der Schmetterlingsprofi, doch es gibt ja auch Arten die im Wald leben. Ihre letzten Rückzugsgebiete sind dort meist nur noch die Wegesränder. Andere Lichtungen mit verschiedenen Futter-und Blütenpflanzen gibt es ja fast garnicht mehr.
    Hier in Brandenburg haben wir sowieso viel zu viele Kiefernforste. Dazu kommt dann in den Eichenwäldern die eingeschleppte Traubenkirsche. Doch solange niemand etwas macht, wächst die Traubenkirsche immer weiter und die Eichen werden zur Möbelherstellung abgeholzt. Da kommen wir dann zwar wieder in den Bereich der Käfer( Arten die in Mulmhöhlen leben) doch alles im allen ist es doch das gleiche. Die Traubenkirsche nimmt das ganze Licht weg und am Boden können vielleicht im Frühjahr noch vereinzelt Leberblümchen blühen. Aber im Sommer ist dort alles dunkel.DieKirsche profitiert ja dann auch noch von der Abholzung. Daher vermehrt sie sich weiter, woraus eine stärkere Verdunklung des Bodens resultiert.Es wachsen dann nur noch Traubenkirsche und der Restbestand an Eichen.

    Umaber auf die Maht zurück zukommen. Ich denke auch, dass sie in geregleten Maßen nur förderlich sein kann. Durch die extreme Düngung undwas ich was die da alles auf den Acker hauen wachsen einige Pflanzen super und die anderen werden daher überwuchert. Ich habe von einem "Naturschutzprojekt" in der Nähe von Hamburg gehört, wo eine Feuchtwieseunter Schutz gestellt wurde. Dazu ist zu sagen, dass der Bauer sie nur einmal im Jahr mähte. Schnell siedelten sich Erlen und Schilf an und schwupps waren die schützenswerten Pflanzen weg. Da sieht man doch, das die Maht auch förderlich sein kann.

    Dahersollte man nicht einfach sagen: Maht ist schlecht! Klar wenn Nachbar Meier jeden dritten Tag mit dem Rasenmäher alles auf 5mm kurzschneidet und zudem die anderen Nachbarn mit seinem tuckernden Rasenmäher nervt ist das sicherlich schlecht. Doch wenn Bauer Schmidt einmal im Septemberseine Wiese mäht um Kuh Erna im Winter zu versorgen, sollte das kein Problem sein. Das ganze Jahr über können die Pflanzen gut wachsen und durch die Maht wird dieser dichte Überwuchs von den ganzen Gräsern verhindert. In meiner Umgebung gibt es davon genug Wiesen. Alle die sich
    selbst überlassen sind, sind das ganze Jahr mit Gras (ca. 60cm hoch) bewachsen. Die anderen Wiesen sind immer grün und blühen bis in den Spätsommer.

    Doch wenn Bauer Schmidt einmal im Septemberseine Wiese mäht um Kuh Erna im Winter zu versorgen, sollte das kein Problem sein.

    Doch für viele Arten eben schon. Es gibt Arten die reagieren absolut Mahdunfreundlich. Sprich nach ein paar Jahren existieren diese Tiere nicht mehr auf der Wiese, auch wenn die Wiese nur 1mal im Jahr gemäht wird.
    Dafür kann der Bauer Schmidt aber nichts dafür. In der Schweiz sind die Bauern gezwungen die Wiesen zu bestimmten Zeitpunkten zu mähen. Das wird von den Behörden festgelegt. Und wenn er das nicht tun würde, bekommt er auch keine Subventionen.


    Das Problem im Allgemeinen ist, dass man die Natur nicht Natur sein lässt. Denn richtige Natur kann nur dort existieren, wo der Mensch nicht eingreift! Weswegen ich auch kein Freund von Pseudonaturschutzorganisationen bin. Es bringt den meisten Tieren herzlich wenig wenn ein Teich für Molche und Kröten unter Schutz gestellt wird, aber alles um das Wasser herum im Herbst und bisweilen auch Frühling totgemäht wird. Klar die Molche haben ihren Teich, aber viele andere Tiere die um den Teich herum leben verschwinden über kurz oder lang. So ist es auch kein Wunder, dass bisweilen in Naturschutzgebieten die Artenvielfalt deutlich geringer ist als auf einem Industriegelände, das Brach liegt...

    Hallo Geronimo,
    Du scheinst ja von Ökologie recht wenig zu verstehen. Ein Wiesen-Schmetterling, der mahdunfreundlich ist, ist ein Paradoxum. Unser Artenreichtum ist menschengemacht. In Naturlandschaften (bei uns = Urwälder) wäre der Artenreichtum wesentlich geringer. Wenn man Wiesen nicht mehr mäht, entstehen daraus Staudenfluren und letztendlich Wald. Aber die wenigsten Tagfalterarten leben im geschlossenen Wald. Die meisten Arten würden in einer ungenutzen "Naturlandschaft" aussterben, oder wenigstens sehr viel seltener, denn die meisten Offenlandarten kommen ursprünglich aus dem Süden oder Osten Europas und konnten sich hier nur durch die Art der Landnutzung (besondes der Wiesenmahd) zu uns ausbreiten. Natürlich muss man Mahhdzeitpunkte und die Anzahl der Mahdtermine festlegen, um Tagfalter zu erhalten, aber eine Nutzungsaufgabe wäre deren sicherer Tod. Du solltest noch mal darüber nachdenken, ob Dein "Pseudonaturschutz" der richtige Weg ist.
    Gruß
    Klaus-Bernhard

    Klaus-Bernhard hat vollkommen recht.
    Jeder - wirklich jeder Eingriff durch den Menschen hat irgendwelche ökologischen Folgen, oft Folgen, die man aus der ersten Draufsicht vielleicht nicht bemerkt.
    Das liegt unter anderem an der Komplexität und der Vernetzung der ökologischen Systeme und Zusammenhänge.
    Und dafür gibt es viel zu wenige Spezialisten bei den Entscheidungsträgern, daher das Dilemma mit dem Naturschutz.
    Und Artenschutz ist oft nur möglich, wenn massiv in Ökosysteme eingegriffen wird, etwa um xerotherme Trockenhänge vor der Verbuschung zu schützen>Apollofalter u.a.

    Und schließlich: Spätestens wenn die Frage heißt: Mensch oder Tier(Insekt)? ist die Antwort klar.
    Gruß
    Arnd

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