Düngung von Pflanzen schädlich?

    Hallo,

    Ich möchte mir einige Pflanzen kaufen für mein Gewächshaus als Futterpflanzen für Exoten, konkret beispielsweise Passionsblume.

    Jetzt meine Frage: welche Düngemittel sind denn schädlich für die Raupen? Sind nur direkte Spritzmittel bzw insektizide schädlich oder auch normale Pflanzen Dünger wie sie im Handel erhältlich sind?

    Ein Händler sagte mir neulich, dass seine Pflanzen mit KEYZERS Dünger und Neemöl Gedüngt seien. Welche Stoffe im Dünger sind schädlich? Worauf muss ich achten? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht, oder kauft ihr generell nur komplett ungedüngte Pflanzen? Letztens habe ich gelesen dass manche Mittel bis zu einem Jahr in der Pflanze bleiben.

    Viele Grüße, Hannes 🙂

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    Hallo Hannes,

    Neem-Produkte enthalten den Inhaltsstoff Azadirachtin, der hier als Insektizid wirkt und bei Raupen die Häutung hormonell verhindet.

    Presskuchen von Neem-Samen werden häufig als Substanzen für die Planzenanzucht verwendet und z.T. kann die Pflanze dann auch das Insektzid mit aufnehmen, welches für Säugetiere aber unkritisch ist. Wie lang die Wirkung auf die Pflanzen besteht, kommt natürlich immer auf die Dosis an.

    Daher wenn man Raupen züchten möchte, unbedingt den Kontakt mit Neem-Produkten vermeiden!

    Ich hoffe dir reicht die Erklärung soweit aus. Anonsten müsstest du noch einmal bei Wikipedia ein wenig stöbern.


    Schöne Grüße

    Dirk

    Hallo Hannes,

    die Düngung macht nichts, ist sogar günstig für die Raupen. Es darf halt nur Dünger drin sein. Ich empfehle von blumen-passiflora den "Grün-Dünger". Fördert Blatt-Bildung, das will man ja. Garantiert für Raupen unschädlich. Und die Passionsblumen wachsen deutlich schneller. Viel zuviel Düngung fördert irgendwann Schwarzschimmel.

    Neu gekaufte Futterpflanzen lasse ich immer ein paar Wochen im Regen stehen, wegen der Bt-Behandlung, die selbst Biokräuter bekommen.

    SG

    • Offizieller Beitrag

    Normaler NPK-Dünger enthält keine für die Raupen an sich schädlichen Stoffe (also natürlich schon in der Konzentration, aber...). Grundsätzlich ist das gut für die Raupen, weil herbivore Insekten meistens stickstofflimitiert sind. Das kommt aber sicher auf die Art an, da es möglicherweise Arten gibt, die physiologisch keine hohen N Konzentrationen vertragen. Keine Ahnung. Gibt vermutlich keine Forschung dazu und werden auch wenn dann nur wenige sein. Jedenfalls erinnere ich mich an Geschichten dass nach der Düngung von Pflanzen alle Raupen fluchtartig die Pflanze verlassen haben sollen. Ich kann mich nicht mehr erinnern wo ich das gelesen habe und ich kann nicht beurteilen ob da was dran ist. Eine andere Sache ist, dass gesunde Pflanzen auch mehr sekundäre Metaboliten erzeugen können, die wiederum den Raupen durchaus schaden können. Es gibt zumindest Hinweise darauf, dass im Freiland tendenziell schwächere Pflanzen bevorzugt genutzt werden. Also Dünger an sich ist kein Problem, aber überdüngte Pflanzen unter Umständen vielleicht schon.

    Neem ist definitiv schlecht genauso wie alles andere was irgendwie insektizid wirkt, aber das erklärt sich ja von selbst. Der dazugehörige Wirkstoff Azadirachtin ist genause wie Bt, Spinosad und einige andere Wirkstoffe auch im Bio-Anbau erlaubt. Von daher besser fragen welche Mittel verwendet wurden oder auf Nummer sicher gehen und die Pflanzen nicht sofort verwenden, wie Holger sagt.

    Grüße Dennis

    .Es gibt zumindest Hinweise darauf, dass im Freiland tendenziell schwächere Pflanzen bevorzugt genutzt werden. Umständen vielleicht schon.

    Im Großraum Innsbruck kommt zum Glück Iphiclides podalirius noch relativ häufig vor.

    Ich habe die Raupen immer auf Felsenbirne gefunden und zwar meistens auf kleinen verkümmerten Sträuchern.

    Werner

    Bei z.B. Segelfaltern werden Kümmerlinge bevorzugt. (Steiner, Hermann, Settele: Ökologie einer Aussterbenden Population des Segelfalters...)

    Die Frage war aber nach Heliconius-Arten. Da sieht es anders aus. Eine Zucht im Gewächshaus ist prinzipiell erstmal vom Angebot an Raupenfutter begrenzt. Die Raupen dürfen halt nicht verhungern. Auch aus o.g. Gründen kann man nicht eben mal Passionsblumen nachkaufen. (Sonst sterben sie an Bt. Spezielle P-Arten kann man gar nicht mal so kaufen.) Schön wenn Nachschub schnell nachwächst. Keine Angst, die werden gern gefressen und sind unschädlich. Manche Arten bevorzugen zur Eiablage ältere, manche jüngere Blätter, manche Raupen fressen lieber an älteren, andere jüngere Blätter. Aber bei schnell wachsenden Pflanzen hast du immer beides.

    Die Sache mit den komplexen "Pflanzenstoffen" ist bei Heliconius... komplex. Passionsblumen produzieren hauptsächlich Cyanogene, die von den meisten Insekten zu tödlicher Blausäure umgewandelt werden. Je nach Art lagern Heliconius-Raupen aufgenommene Cyanogene ein oder produzieren sie sogar selbst. Z.T. werden sie auch an die Nachkommen weitergegeben. (Jiggins: The Ecology and Evolution of Heliconius Butterflies)

    • Offizieller Beitrag

    Keine Frage, für das konkrete Beispiel von Heliconius wird das sicher so sein. Ich hab selber weder Erfahrung noch Ahnung von Heliconius, würde aber auch davon ausgehen, dass Düngung da überhaupt kein Problem ist. Immerhin sind ja nun sicher alle hier erhältlichen Pflanzen gedüngt. Ich hatte meine Ausführungen bewusst weit gefasst, damit sie für andere Mitlesende, die sich vielleicht ähnliche Fragen stellen, ebenfalls hilfreich sind. Wie so oft bei biologischen Fragestellungen ist die Antwort auf eine Frage immer: Kommt darauf an.

    Grüße Dennis

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