Klimaänderung und Tagfalter

    Hallo,

    in den letzten Jahren konnte ich interessante Beobachtungen machen. In meiner Heimat, dem Mühlviertel, machten die Temperaturen natürlich auch nicht halt, und so konnten sich Arten hier ansiedeln, die es früher nur selten oder sporadisch gab. Das Mühlviertel liegt zwischen der Donau und dem Böhmerwald und und besteht hauptsächlich aus Granit.
    Da ich mich mit vielen Kollegen austausche, kann ich das Bild der "Neuankömmlinge" besser einschätzen.

    Seit einigen Jahren ist z.B. der Segelfalter (podalirius) ein fester Bestandteil unserer Schmetterlingsfauna. Ihn kann ich mittlerweile jedes Jahr finden und konnte sogar schon Eier im tiefsten Hinterland entdecken.

    Schon im vorigen Jahr konnte ein Kollege einige Neptis rivularis bei ihm entdecken. Sie kamen wie einige andere Arten auch aus dem Niederösterreichischen Waldviertel zu uns.

    Die Überraschung heuer war der Baumweißling (Aporia crataegi). Die wurden vom nördlichen Hochmoor an der tschechischen Grenze bis zum Stadtrand von Linz gesehen und dokumentiert.

    Durch die vielen Hügel und Täler ist industrielle Landwirtschaft nicht so leicht möglich. Viele der Kleinen Landwirtschaften haben aufgehört und schwer zu bewirtschaftende Gebiete sind öfters noch in natürlichem Zustand.

    Aber auch mein Sehnsuchtsfalter, der Große Eisvogel (Limenitis populi) kommt noch immer weit verstreut aber selten vor. Leider kann ich ihn aber nur mit viiiiel Glück sehen. Eigentlich nur, wenn er mich finden will. So hatte ich vor kurzem das Glück ihn flüchtig zu sehen. Wenn ich meine Fundorte mit jenen meiner Bekannten addiere, ergibt sich ein Raster über einen großen Teil des Unteren Mühlviertels.


    Ich hoffe mit meinen Zeilen so manchen zu einem Ausflug in die Natur animiert zu haben.

    LG Leo

  • ANZEIGE

    Ob Baumweißling und Großer Eisvogel von der Klimaerwärmung profitieren, mag ich zu bezweifeln.

    Erstere Art neigt sowieso zu stark schwankenden Populationen, sie scheinen mancherorts jahrzehntelang verschwunden und taucht dann plötzlich in großer Anzahl dort wieder auf. So geschehen bei Memmingen.

    Der Baumweißling war in meiner Jugend bei meiner Heimatstadt fast völlig verschwunden.
    Dann kamen 1990 die Orkane Vivian und Wiebke und legten Teile der Fichtenmonokulturen flach.
    Auf diesen Windwurfflächen konnten sich Pioniergehölze wie Eberesche und Weißdorn ausbreiten, der Nahrung für die Raupen dieser Art.
    Zehn Jahre nach dieser "Katastrophe" flogen auf den Lichtungen überall Baumweißlinge.

    Der Große Eisvogel mag generell eher ein kühleres Klima, dem dürfte die Erwärmung eher schaden.

    Der Segelfalter ist bei mir leider noch nicht aufgetaucht, es gibt zwar einen Fotobeleg, der aber über zehn Jahre zurückliegt. Am besten Hilltopplace konnte ich zwar regelmäßig Schwalbenschwänze beobachten, aber podalirius war nicht dabei.

    LG

    Peter

    Zitat von butterfly 27

    Der Baumweißling war in meiner Jugend bei meiner Heimatstadt fast völlig verschwunden.
    Dann kamen 1990 die Orkane Vivian und Wiebke und legten Teile der Fichtenmonokulturen flach.
    Auf diesen Windwurfflächen konnten sich Pioniergehölze wie Eberesche und Weißdorn ausbreiten, der Nahrung für die Raupen dieser Art.


    Servus Peter und Leo.

    Das war bei mir auch so. Seit etwa 1994 ist der Baumweißling fast jährlich sehr zahlreich anzutreffen.

    Der große Eisvogel dagegen wird immer seltener(Abholzung in den Habitaten). Bis vor etwa 20 Jahren kannte ich 14 Vorkommensgebiete, jetzt anno 2026 noch 2. Leider hat es auch nicht geholfen sich mit dem Förster zu einigen, dass in den Fluggebieten die Espen, Pappeln, Salweiden etc. stehen bleiben sollten.

    Sie werden weiterhin umgeschnitten/umgedrückt und einfach liegen gelassen. Leider!!!

    Hallo Leo,

    Ebenfalls aus dem Mühlviertel (~Raum Bad Leonfelden) freut es mich, dass du den Segelfalter sehen konntest. Der Schwalbenschwanz ist über die letzten Jahre häufiger geworden, den Segelfalter habe ich noch nie bei uns gesehen. Verrätst du mir dein Beobachtungsgebiet, das würde mich sehr interessieren!

    Lg Hannes

    Abend zusammen,

    der Segelfalter ist hier nähe Dresden mittlerweile einer der häufigsten Falter an manchen Tagen. Landkärtchen ist quasi verschwunden, auch kleiner Fuchs und Tagpfauenauge sind stark im Rückgang. Dafür gibt es hier den Pappelkarmin und Nachtkerzenschwärmer.

    L. G. Peer

    Iphiclides podalirius ist in Wien wiederum sehr häufig, und selbst in den Grünanlagen von Gemeindebauten zu finden. Allerdings sehe ich die adulten Falter deutlich seltener als die sehr großen, auffälligen Eier. Hier fliegt er normalerweise in 2 Generationen aber in ungewöhnlichen Jahren kann man noch recht spät Raupen finden; 2018 konnte ich Ende November ausgewachsene Raupen finden, da war es in Wien recht lange warm und es kam wohl zu einer 3. Generation von der die Raupen stammten.

    Deutlich häufiger geworden sind Brinthesia circe, Nymphalis polychloros, gefühlt auch Hemaris fuciformis den ich vor ein paar Tagen sogar an der Hausfassade sitzen hatte.. es gibt sicher einige Arten die vom Klimawandel profitieren, aber genauso viele die wohl Schwierigkeiten haben werden sich anzupassen.

    Ein weiteres Problem könnte irgendwann auch dadurch entstehen, dass Pflanzen durch das erhöhte CO2 zwar besser wachsen, die Nährstoffe in der Pflanze aber wohl abnehmen- eine Befürchtung ist dass einige Arten quasi "mit vollem Magen verhungern" könnten.

    https://www.science.org/content/article/starving-grasshoppers-how-rising-carbon-dioxide-levels-may-promote-insect-apocalypse

    Irgendwie wurde es falsch verstanden. Limenitis Populi ist natürlich kein Gewinner der Erwärmung. Ich habe ihn nur erwähnt, wo er regional verbreitet trotz der Klimaveränderung immer wieder auftaucht. Das möchte ich eben auch auf die Struktur und Bewirtschaftung des Landes zurückführen. Es gibt eben noch verteilt kühlere Regionen im Land.

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!