Faunenverfälschung Schmetterlinge freilassen

  • Hallo Leute,
    ich habe da mal eine Frage zur Faunenverfälschung. Es stellt ja eine Gefahr da, wenn man exotische Arten an fremden Orten aussetzt. Wie ist es wenn ich eine einheimische Art die zum Beispiel aus 500 km Entfernung zu mir hole und hier frei lasse. Kann das schon eine Gefahr sein, dass sich die "fremden" Gene negativ auf den hier heimischen Bestand der Art auswirken?
    Ich danke schon mal im voraus über Antworten. :)

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  • Hallo,
    pauschal ist das schwer zu beantworten. Zunächst ist es wichtig zu wissen dass viele Arten nicht in ganz Deutschland vorkommen.


    Ich würde nur Wanderfalter (auch Binnenwanderer, z.B. Kleiner Fuchs) aussetzen. Ansonsten kann man sich fragen, ob es wirklich nötig ist Zuchtmaterial zu kaufen/zu ertauschen, wenn man die Falter aussetzen möchte. Man findet ja auch viel in der nahen Umgebung.

  • Lieber David,


    zur Faunenverfälschung möchte ich anmerken ein Erlebnis in den Anfängen der Entomologie für mich. Damals vor 30 Jahren hatte eine Fotografien beim Treffen der Münchner Entomologen ein Foto einer Zygaenidae dabei und erzählte einen abwesenden Zygaenidae Spezialisten dieses Foto hat sie diese Fotografien in Augsburg in der Nähe von der Ortschaft Xy gemacht. Dann hat dieser Spezialist erzählt dieser Falter fliegt mit dieser Zeichnung im Murnauer Moor zwischen den Ortschaften xy und xx. Dann hat die Fotografien erzählt da war sie auch und Ihr muss da ein Fehler unterlaufen sein im Fundort.


    Diese Aussage von dem Zygaenidae Spezialist von damals war der Beweggrund das ich mich auf Sphingidae spezialisierte. Das war neben den Hesperidae die kleinere Gruppe für die ich mich damals interessierte bei den Lepidoptera und entschied mich dann für die Schwärmer da die Dickkopffalter umfangreicher sind in der Summe.


    Grüße Michi

  • Um genau zu sein ist es sogar gefährlicher Arten hier aus zu setzen die 500 km weit entfernt gesammelt wurden, aber trotzdem hier vorkommen. Denn: tropische Arten kommen hier gar nicht vor, sie können sich folglich nicht mit Artgenossen kreuzen (es sei denn man setzt sehr viele aus) und haben auch meistens nicht richtigen Futterpflanzen zur verfügung, spätestens der Winter wird den meisten tropischen Arten den garaus machen. Das soll nicht heißen das man tropische Arten hier aussetzen sollte oder darf: Tut das bloß nicht ! Wenn du allerdings Arten z.B. aus dem Mittelmeergebiet hier aussetzt die hier auch vorkommen ist es möglich das sich diese Exemplare mit den hiesigen kreuzen und Hybriden entstehen. Nun ist es so das der Mittelmeerraum gänzlich andere Anforderungen an das Überleben einer Art stellt als Mitteleuropa und dementsprechend sind die Populationen mehr oder weniger gut daran angepasst (sie haben im Extremfall unterschiedliche Futterpflanzen oder kommen in unterschiedlichen Lebensräumen vor wie feucht/trocken). Kreuzt man nun beide kommt folglich ein Individuum heraus was mit beiden Eigentschaften/Anpassungen wild gemischt ist, sodass es weder in der einen noch in der anderen Region besonders gut überleben kann. Das führt unter Umständen dazu das die Hybride aussterben inklusive der früher hier heimischen Population, die quasi weghybridisiert wird. Das ist jetzt nun eher ein Extremfall und wäre so schlimm vermutlich nur bei Arten wo die genetische Durchmischung (Gendrift) nicht so groß ist, also Arten die nur sehr Kleinflächig vorkommen und nicht viel wandern. Wie oben erwähnt sind Wanderfalter wie Totenkopf, Windenschwärmer etc. dabei kein Problem, da hier die Durchmischung generell groß ist. Es kann auch vorkommen das die ausgesetzte Population hier sogar besser angepasst ist, als die heimische und diese verdrängt. Das halte ich bei Schmetterlingen eher für unwahrscheinlich, aber z.B. bei Edelkrebsen etc. passiert soetwas durchaus. Also die Wahrscheinlichkeit das etwas schlimmes dabei herauskommt ist eher gering, aber die Gefahr vorhanden und deshalb ist es keine gute Idee hier (bzw. in allen Gebieten) Lebewesen auszusetzen die von weit her stammen.


    Gruß Dennis

  • Danke nochmals für die Antworten. Totenkopfschwärmer wären durch das Wanderverhalten "ok". Wie ist es denn mit Ligusterschwärmern. In meiner Umgebung ist eine Population dieser tollen Art vorhanden. Jedes Jahr finde ich eine Hand voll Raupen, die leider sehr oft parasitiert sind, sodass es nie zu einer Nachzucht kam. Daher hatte ich den Gedanken: zu den Exemplaren, die ich in meiner Umgebung gefunden habe, noch welche dazu zu bestellen und nach der Kopula/Eiablage hier Frei zulassen.

  • Hallo,
    Aus Umweltschutzsicht bringt das nichts: Du erhöhst künstlich die Individuenzahl, dadurch haben die Parasiten mehr Nahrung und vermehren sich stärker, und sobald du aufhörst Tiere freizulassen wird die Population unter der hohen Anzahl an Parasiten leiden. Du kannst die Population einer Art so nicht verstärken, da sie von Umweltfaktoren (v.A. Nahrungsangebot und Fressfeinde) abhängig ist, die du nicht kontrollieren kannst.
    Der Effekt wird vermutlich aber auch nicht stark genug sein um die Ligusterschwärmer auszurotten, so gefährlich darf man sich das auch wieder nicht vorstellen.

  • Ich denke mit Zuchtmaterial aus Deutschland (am besten immer welches von Orten die so nah wie möglich liegen) ist noch vertretbar. Der Ligusterschwärmer ist wie alle Schwärmer ein guter flieger und unternimmt sicher häufiger längere Flüge, sodass die Population gut durchmischt ist. Von Zuchtmaterial aus dem Ausland würde ich da auf jeden Fall abraten. Ich will dir ja nicht die Freude verderben, aber wenn du gedenkst mit den paar Faltern die du züchten kannst (selbst wenn es hunderte wären) die Population bei dir irgendwie zu vergrößern, dann muss ich dich ebenfalls enttäuschen, das wird nicht viel bringen.


    Aus Umweltschutzsicht bringt das nichts: Du erhöhst künstlich die Individuenzahl, dadurch haben die Parasiten mehr Nahrung und vermehren sich stärker, und sobald du aufhörst Tiere freizulassen wird die Population unter der hohen Anzahl an Parasiten leiden.

    Dieser Effekt wird kaum auftreten, da die wenigen Individuen das nicht großartig beeinflussen werden.


    Der Effekt wird vermutlich aber auch nicht stark genug sein um die Ligusterschwärmer auszurotten, so gefährlich darf man sich das auch wieder nicht vorstellen.

    Das die Parasiten die Ligusterschwärmer ausrotten ist in der Tat mehr als Unwahrscheinlich. Für die Parasiten wäre das, je nach dem wie spezifisch sie sind, ebenfalls ein riesiger Verlust oder gar das Todesurteil. Aber soweit würde es nicht kommen, weil die Parasitenzahl ebenfalls abnehmen würde wenn die Population des Wirtes kleiner wird.


    Gruß Dennis

  • Ich glaube das wurde anders verstanden als ich es meinte. Ich wollte nur Tiere von anderen Züchtern her holen um die Chancen auf eine Nachzucht zu erhöhen und nicht um die hier vorhandene Population zu verstärken. Deshalb habe ich diese Diskussion gestartet, um zu erfahren ob das Freilassen der Tiere nach der Kopula und Eiablage gefahrlos möglich wäre.

  • Hallo


    wenn du eine einfache Antwort willst, dann kannst du pauschal sagen, dass Freilassen -abgesehen von wenigen aufwendigen Ansiedelungsprojekten- nie nützt und fast immer schadet. Selbst wenn es reinrassige Zuchten sind, die zum Standort gehören. Bei wilden Mischungen verschiedener Populationen siehts noch schlechter aus.


    Mit zugekauften Tieren hast du natürlich bessere Chancen auf ne Nachzucht. Aber du kannst ja dann wenns klappt auch überzählige Puppen eier raupen verkaufen verschenken oder eintauschen. Das ist besser als freilassen.


    Vg Chris

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  • Zu den Populationen von den Sphingidae möchte ich anschließ das in einer Langzeitstudie aus den Niederlanden von 1900 bis 1980 Laothoe populi und Mimas tiliae die erste Art seltner zu finden war am Anfang der Studie um 1900 und die Anzahl der Inividiumen ansteigte bis 1980 und bei Mimas die Population konstant zurück geht(Pittaway 1993. Da beide Arten keine große Wander leistung vollbringen stellt sich die Frage ab die zweite Art vor dem Aussterben ist. Möglicherweise trifft das vielleicht auch auf Deutschland zu.


    Zum Windenschwärmer könnte ich grünes Licht geben da diese Art extrem weit verbreitet ist von Afrika, Europa, Asien bis Australien und Fiji. Die Exemplare aus Fiji sind 1/3 kleiner als die gängie Art und im Natural History Museum in london ist ein Zettel im Kasten von den Fiji Inseln wo vermerkt ist NOV SPEC. (?). Wie die diversen Populationen sich vielleicht im Genital unterscheiden dazu kann ich noch keine Stellungnahme geben.


    SOweit zu den Sphingidae und einer Überlegung Arten auszusetzten, was ein Eingriff in die NAtur ist und eher schadet als das es NUtzen bringt , da das ganze umfangreicher betrachtet werden muss als es hier geschrieben werden kann.


    Grüße Michi

  • Selbst wenn es reinrassige Zuchten sind, die zum Standort gehören.

    Inwiefern schadet das Freilassen reinrassiger Zuchten vom selben Standort ? Ich meine es ist das selbe genetische Material oder habe ich was nicht verstanden ?


    Ich würde das aussetzen von Tieren aus einer nahegelegenen Region (sagen wir vielleicht im Umkreis von 100km) bei einer so flugstarken Art wie S. ligustri jetzt nicht ganz so eng sehen. Aber man sollte mit soetwas auf jeden Fall immer sehr vorsichtig sein.


    Gruß Dennis

  • Durch die Zucht kann sein das man geschwächte, untrainierte Tiere in die Natur entlässt.. Welche die Natur eigentlich ausgesondert hätte. So paaren sich nur die starken Tiere die überleben.. Wenn man schwache untrainierte Tiere freilässt und sich diese Paaren könnte es durchaus sein das die nachfolgenden Generationen nicht überleben, somit hätte man geschadet.

  • Zu den Populationen von den Sphingidae möchte ich anschließ das in einer Langzeitstudie aus den Niederlanden von 1900 bis 1980 Laothoe populi und Mimas tiliae die erste Art seltner zu finden war am Anfang der Studie um 1900 und die Anzahl der Inividiumen ansteigte bis 1980 und bei Mimas die Population konstant zurück geht(Pittaway 1993. Da beide Arten keine große Wander leistung vollbringen stellt sich die Frage ab die zweite Art vor dem Aussterben ist. Möglicherweise trifft das vielleicht auch auf Deutschland zu.

    Hallo Michi,


    ehrlich gesagt: ??? - ich verstehe nicht, was Du damit sagen willst.



    zur Faunenverfälschung möchte ich anmerken ein Erlebnis in den Anfängen der Entomologie für mich. Damals vor 30 Jahren hatte eine Fotografien beim Treffen der Münchner Entomologen ein Foto einer Zygaenidae dabei und erzählte einen abwesenden Zygaenidae Spezialisten dieses Foto hat sie diese Fotografien in Augsburg in der Nähe von der Ortschaft Xy gemacht. Dann hat dieser Spezialist erzählt dieser Falter fliegt mit dieser Zeichnung im Murnauer Moor zwischen den Ortschaften xy und xx. Dann hat die Fotografien erzählt da war sie auch und Ihr muss da ein Fehler unterlaufen sein im Fundort.
    Diese Aussage von dem Zygaenidae Spezialist von damals war der Beweggrund das ich mich auf Sphingidae spezialisierte. Das war neben den Hesperidae die kleinere Gruppe für die ich mich damals interessierte bei den Lepidoptera und entschied mich dann für die Schwärmer da die Dickkopffalter umfangreicher sind in der Summe.


    auch hier herrscht bei mir große Ratlosigkeit. Du bist zu den Schwärmer gekommen, weil jemand bei Zygaenen bei einer Fundortverwechslung erwischt wurde?


    Grüße und Danke vorab für Aufklärung
    Armin

  • Lieber Armin


    vielleicht ist mein Gedankengang nicht gleich dem Thema zuzuordnen! Ich wollte darauf hinweisen das Arten die in der Region ausgesetzt werden nicht durch ihre Zeichnung und Spezies dem neuen Fundort nicht immer gleich zuzuordnen wären. DA die Widderchen eine sehr kleine Familie ist so entschied ich mich damals auf die kleinste Gruppe zu spezialisieren und das waren die Schwärmer im Interessenbereich von Mir. Für mich war damals sehr beeindruckend das durch die Flügelzeichnung eine Spezies zu einen Fundort zuzuordnen ist oder war. Also nicht nur die Art bestimmen sondern auch einen Hinweis für den genauen Fundort dem Murnauer Moor zu geben. Also wenn ich dann Weibchen aus diesen Murnauer Moor in ein anderes Gebiet aussetzen würde dann würde sich die Flügelzeichnung und Art verfälschen in dem neuen Fundort – das sollte die Kernaussage von Mir sein.


    Zu der Langzeitstudie ist die Populationsdichte im Laufe von vielen Generationen sich verschieben kann. Das Arten die momentan selten sind sich vermehren wie beim Pappelschwärmer oder im Fall des Lindenschwärmer sich kontinuierlich reduzieren in der Stückzahl im Laufe von 80 Jahren in den Niederlanden. Das soll nicht heiße ich darf nun Lindenschwärmer aussetzen um die Population zu retten. Vielleicht verschiebt sich auch die Art in der Verbreitung aber das entzieht sich meiner Kenntnis.


    Grüße Michi

  • Was mich noch interessieren würde, gibt es zu diesem Thema auch Studien, die Belegen, dass das freilassen von einzelnen Tieren schädlich sein kann, oder sind das alles nur Thesen?

    Zum Freilassen von einzelnen Tieren sicher nicht, denn das wäre keine representative Versuchsgröße. Ein paar gute Literaturverweise sind in dem Link den du oben angegeben hast. Für Schmetterlinge gibt es wohl nur sehr wenige oder gar keine. Bis zu einem gewissen Grad sind Sachverhalte in der Biologie alles nur Theorien.
    Das Freilassen von einzelnen Tieren ist sicher nicht allzu schlimm (auf Schmetterlinge bezogen), kann aber vor allem bei kleinen Populationen durchaus auch schon reichen. Selbst wenn man sehr viele Tiere aussetzt kann das gut gehen. Das ist immer davon abhängig welche Art man hat und welche Populationsgröße sowie durchmischung der einzelnen Populationen. Die Gefahren die davon ausgehen werden wohl häufig unterschätzt und sind auch nicht wirklich gut untersucht. Aber das es in gewissen Fällen einen großen Einfluss haben kann ist denke ich klar. Solange man nicht für jede einzelne Art weiß ob das Gefahren birgt oder nicht würde ich das lassen, außer wie gesagt bei Faltern die sowieso viel wandern da kann man relativ sicher sagen das es keinen Einfluss hat. Das Wiederansiedeln oder Verstärken von Populationen sollte man auf alle Fälle Leuten überlassen die ganz genau wissen was sie tun ! Alles andere ist kontraproduktiv und falsch verstandener Naturschutz.


    Gruß Dennis

  • http://www.silkmoths.eu
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  • Dann möchte ich jetzt mal den Buchsbaumzünsler in den Raum werfen. Gibt es schon Nachweise, dass durch seine Verbreitung andere Schmetterlinge bzw Insekten "verdrängt" bzw in ihrer Population eingeschränkt werden? Mal abgesehen davon, dass Buchsbäume heftig darunter zu leiden haben, nimmt der Zünsler ja theoretisch auch die Nahrung anderer Falter weg, oder? Wie seht ihr das?

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