Artenvielfalt über Nord-Süd-Gradienten

  • N'Abend zusammen,


    ich hätte mal eine Frage an die Schwarmintelligenz:

    Hat jemand zu der Aussage "die Schmetterlingsvielfalt nimmt in Deutschland gegen Norden und Westen hin ab" spontan eine Quelle im Hinterkopf?
    Irgendwo habe ich dies vor längerer Zeit so gelesen gehabt - kann mich an die konkrete Quelle aber nichtmehr erinnern. Fällt jemandem dazu etwas ein?

    Also mir geht es vorrangig um wissenschaftliche Publikationen/ Bücher, wo dies genau so festgestellt oder genannt wurde.

    Ideen?


    Beste Grüße,

    Toni

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  • Ja, da gibt es ein Buch mit Karten zu Tagfaltern und da sieht man deutlich die abnahme nach Norden. Wenn du willst kann ich es dir mal zeigen. Außerdem kann ich es bestätigen. Als ich auf Rügen dieses Jahr war, gab es nur das Standardzeug. Ich werde bald aich nochmal einen Thread dazu eröffnen und meine Funde präsentieren - nicht so begeisternd. Jedenfalls der Infos von meiner Seite so.

  • Danke. Es geht mir aber auch eher wirklich um ne Untersuchung oder Aussage, wo sich damit ein bisschen intensiver beschäftigt wurde. Also dass es so ist, ist mir klar - aber ich will mir das eigtl. nicht aus Karten etc selbst erschließen, sondern bräuchte eher eine konkrete Aussage, auf die ich mich beziehen kann und die ggf. auch die ökologischen Hintergründe etwas diskutiert.

  • Rügen ist ebenfalls wie Usedom erstaunlich artenreich.

    Man muß halt auch dort wissen wann und wo...

    Deine Aussage ist als Beleg für die These so definitiv falsch.

    Hallo Andreas,


    also das ist interessant. Also mal eine Kurzfassung: alle Brennnesselfalter, ein Lycaena phlaes, rapae (kein brassicae!), umd möglicherweise ein Papilio machaon, da bin ich mir aber noch nicht sicher. Mit Käfern war es noch schlechter, aber das interessiert ja jetzt nicht. Ich war sogar im Roten Moor, ein jahrhundertaltes Naturschutzgebiet. Ameisen und Mücken hingegen waren häufig. Erfahrungsgemäß kann ich auch nicht meinen Heimatort zum Vergleich nehmen mit 71 Tagfalterarten, da es meist in anderen Orten weniger sind.

    Da würde ich später gerne nochmal drauf eingehen, wenn ich darüber einen kleinen "Reisebericht" starte. Würde mich wirklich interessieren, da ich mich da dumm umd dämlich gesucht habe.


    Mit freundlichen Grüßen

    Finn Küchenmeister

  • So weit ich mich erinnere, steht es in Ecology of Btfs in Europe von Settele und Shreeves ziemlich weit vorne. Eine ähnliche Zusammenfassung steht wahrscheinlich auch im Distrubution atlas of Btfs in Europe von Kudra. Ich bin zurzeit nicht zu Hause und kann nicht nachschauen.


    Es gibt aber mehrere Gradienten. Geographische Breite, Höhenprofil, Niederschlag, Größe der Insel und so weiter.


    Am Wochenende schicke ich dir die Literaturstelle.


    Schöne Grüße

  • Also wenn ich da mal was einschmeißen darf...


    Auf der Insel Rügen/Göhren Waldgebiet am Zeltplatz waren vor 20 Jahren immer massig an Faltern am Licht von dem Toiletten/Duschhausfenstern. Alles mögliche an Arten ( als Kind habe ich mich über die vielen unterschiedlichen Farben und Formen gefreut, weiß aber weißgottnicht was das für Arten waren). Sogar mal ein riesiger Schwärmer den meine Schwester als Totenkopf identifizierte, das war er aber 100% nicht, das wusste ich damals schon aber egal.😅


    Ich weiß aber nicht ob das immer noch so ist.

    Und wenn es nur um Tagfalter geht habe ich nichts gesagt.🤐

  • Also hast Du dort weder morrisi noch cursoria, elymi, neurica, brevilinea oder ripae gefunden.

    Das ist kein sonderlich gutes Argument, wenn du jetzt argumentieren willst, dass der Norden Deutschlands generell artenreicher als der Süden ist. Es gibt einige subjektiv interessante Arten der Küstendünen und der nördlichen Moore/Heiden, die teilweise auch exklusiv für den Norden sind. Die paar Arten steigern die Gesamtartenvielfalt aber nicht nennenswert. Also die Diskussion ob es im Norden wirklich weniger gibt können wir uns glaub ich sparen. Bei Tagfaltern wie bei Nachtfaltern.


    Grüße Dennis

  • Das Jemand zufällig dort im Urlaub nichts Gescheites gefunden hat ist aber auch kein Beleg für die Ausgangsthese - die ganz nebenbei durchaus richtig ist.

    Die Artenzahl nimmt natürlich Richtung Süden zu, genauso wie in Richtung Osten.

    Nur das Argument - mal nichts gefunden - ist dafür nicht hilfreich.

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  • Das Jemand zufällig dort im Urlaub nichts Gescheites gefunden hat ist aber auch kein Beleg für die Ausgangsthese - die ganz nebenbei durchaus richtig ist.

    Die Artenzahl nimmt natürlich Richtung Süden zu, genauso wie in Richtung Osten.

    Nur das Argument - mal nichts gefunden - ist dafür nicht hilfreich.

    Mich lasst ihr bitte in Zukunft als Negativbeispiel! Außerdem habe ich NUR meine Erfahrungen geteilt und nie gesagt, dass es so stimmen vermag. Habe ich gesagt, da muss man mal richtig lesen ;). Außerdem bringt uns das in keiner Weise weiter, sondern wieder auf die Diskussionsschiene, da mache ich aber nicht mehr mit. Wenn du andere Erfahrungen hast - gut, dann teile sie bitte mit.

    Aber haben ja jetzt wenigstens schonmal eine Lösung. Aber freut mich das wir uns im allgemeinen Einig sind.


    Zu Nachtfaltern kann ich nichts sagen. Ich habe nicht geleuchtet, denn wer weiß was da für Leute sind. Ich STELLE mir aber vor, dass es dort einige Arten häufiger gibt (ist ja auch so in den Roten Listen vermerkt). Und Dünenarten ist ja klar, da wirds in den anderen Gegenden in Deutschland kompliziert 🤭.


    Das wars dann auch von meiner Seite. Mehr kann ich zu dem Thema nicht beitragen.


    Mit freundlichen Grüßen

    Finn Küchenmeister

  • Um die Frage genauer anzugehen ist natürlich klar ein Areal mit unterschiedlichen Biotopen besitz eine größere Artenvielfalt. Ein Berg der 2000 m hoch ist hat natürlich eine größere Artenvielfalt als eine unstruckturierte Ebene. Die Tageslänge und die Temperatur spielen für die Insekten eine Rolle. So ist klar die aus dem Süden einwandernen Arten erhöhen die Artenvielfalt. Damit kann man die Nord Süd Frage klar beantworten. Bei der Frage warum gibt es ein Ost West gefälle, da ist die Sache nicht so einfach zu klären. Bezieht sich die Aussage vieleicht nur auf die BRD und die einwandernden Tiere aus dem Osten? Führen die aus östlichen Regionen einwandernden Tiere dazu? Eine Betrachtung von Hummeln, Bienen und Wespen zeigt ein ganz deutliches Nord Süd Profil. Ein Ost West gefälle ist da nicht zu bemerken.

  • Bezieht sich die Aussage vieleicht nur auf die BRD

    Ja, also meine Frage bezog sich auf Deutschland. Hier spielen vermutlich auch die bevölkerungsreichen und teils auch intensivst bewirtschafteten Gegenden im (Nord-) Westen eine Rolle, könnte ich mir vorstellen. Inwieweit da auch das Klima mit reinspielt, wäre ich mir nicht so sicher... Der (Nord-) Westen ist ja eher ozeanisch, wohingegen im Osten eher kontinentales Klima vorherrscht... Nasse milde Winter sind ja für einige Arten eher weniger verträglich - insofern könnte ich mir hier auch eine gewisse Auswirkung vorstellen

  • Das Ost West Gefälle sieht man wenn man Westeuropa und Sibirien vergleicht.

    Wenn man bedenkt das es im russischen Altai alleine rund 4000 nachgewiesene Eulenarten gibt ist das schon erschütternd.

    Es reicht aber auch wenn man nur 1000 km weiter Richtung Osten geht.

    Kenne da jemand der auf der gleichen nördlichen Breite wohnt wie ich...

    Und ähnliche Biotope wie bei mir..

    Aber die Fauna dort sind der absolute Wahnsinn - es kommen nicht nur östliche neue Arten dazu, sondern auch hier lange ausgestorbene Tiere feiern dort fröhliche Urstände bzw. Arten die hier erst hunderte Kilometer weiter südlich vorkommen.

    Südwesteuropa, Spanien, Portugal - ist sicherlich der Oberhammer, kann aber lange nicht gegen Sibirien und co. anstinken.


    Der Haken dabei : Das NordSüd Gefälle ist sicher für jeden nachvollziehbar - da das mildere Klima ein guter Grund dafür ist.

    Warum der Osten augenscheinlich attraktiver ist als der Westen ist nicht ganz so plausibel.

  • Hallo Toni,


    hier die versprochene Literaturstelle. David Gutierrez: Butterfly richness patterns and gradients, in Ecology of Btfs in Europe, edt's. J. Settele, T. Shreeve, er al. Cambridge Univ Press 2009, pp. 281-295.



    Neben Lattitude werden von Kudrna 2002 folgende Variablen genannt: evapotranspiration, plant species richness, January temperature, annual precipitation, log range in elevation, summer global vegetation index.


    Tolman & Lewington nennen 1997 zusätzlich: annual global vegetation index, area age, potential evapotranspiration und annual mean temperature.


    Ich hoffe, das hilft Dir weiter.

    Schöne Grüße

  • Ha! Gutierrez war es! Das war die Stelle, die mir im Kopf herum schwirrte aber ich nicht zuordnen konnte - und als gedrucktes Buch konnte ich es über die Suchbegriffe natürlich auch nicht so leicht finden... Perfekt, danke dir :thumbup::applaus:

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