Hyles gallii oder Hyles galii

    Hallo Kollegen!

    Ich habe Probleme mit der Nomenklatur: Heißt der Labkrautschwärmer Hyles gallii oder Hyles galii?
    In Google eingegeben, findet man beide Namen, mit einem und mit zwei "l".
    Die Hauptfutterpflanze heißt Galium verum.
    Was ist nun richtig?

    Ähnliches kann man bei vielen anderen lateinischen Namen erleben.

    Gibt es im Internet eine Seite, wo man die gültigen lateinischen Namen finden kann?

    Gruß Jürgen

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    Hallo zusammen.

    Laut "Fauna Europaea" lautet der korrekte Name "Hyles gallii".

    Link: http://www.faunaeur.org/full_results.php?id=295441

    Hyles galii (mit einem "l") wäre eine ungerechtfertigte Korrektur des gültigen mit zwei "l".

    Inwieweit "Fauna Europaea" den Status einer besonders glaubwürdigen Seite hat, entzieht sich meiner Kentniss.

    Allerdings arbeiten hier folgende Museen zusammen: [*]
    Zoological Museum Amsterdam / University of Amsterdam (general coordination) [*]
    Zoological Museum / University of Copenhagen [*]
    Muséum National d’Histoire Naturelle, Paris [*]
    Museum and Institute of Zoology, Polish Academy of Sciences, Warsaw


    Servus.

    Rudi

    Hallo Kollegen
    Das Problem mit der Nomenklatur(egal ob Pflanzen oder Tiere)hat es
    immer schon gegeben und wird auch weiterhin ein Problem bleiben.
    In der Systhematik werden seit einiger Zeit,(gerade bei Pflanzen)
    nach neustem Stand der Wissenschaft,(Genanalysen)sehr viele
    Umbenennungen und Neuzuordnungen vorgenommen,dass es sehr
    schwierig ist,einen Überblick zu behalten.

    Für mich heißt der Labkrautschwärmer Hyles gallii gallii, in Bezug auf,
    die Schwärmer der westlichen Palaearktis
    (Lepidoptera ; Sphingidae)
    Fritz Danner,Ulf Eitschberger u.Bernhard Surholt ( 1 9 9 8 )
    Hyles(Celerio)gallii gallii(Rottemburg,1775)

    Gruß Heiner

    Sphingidae :falter:

    Wer mit Tieren und Pflanzen in der richtigen Weise umzugehen weiß,
    erschließt für sich Quellen unversiegbaren Reichtums. ( Max Metzger )

    Hallo allerseits,
    wie Rudi schrieb, heißt der Labkrautschwärmer Hyles gallii.
    Rottemburg hat die Art als "Sphinx Gallii" beschrieben. (Der Naturforscher, siebentes Stück, Halle 1775, S. 107f.).
    Darin schreibt er: "..die Raupe unseres jetzt beschriebenen Vogels, die sich bloß vom Gallio naehret, habe ich niemals zum Genuß der Wolfsmilch bringen koennen ... und ich nenne ihn daher nach dem Futter der Raupe Sphinx Gallii"
    Ob nun die Schreibung von Galium mit Doppel-L seinerzeit verbreitet war oder aber ob das die Ansicht von Autor bzw. Verleger war, weiß ich nicht.

    Übrigens - die "Fauna Europaea" (http://www.faunaeur.org) ist sehr glaubwürdig und dürfte im Internet für die Taxonomie der europäischen Tiere das Maß der Dinge sein.

    Cheers
    Achim

    Vielen Dank an alle, die sich bemüht haben!

    Ich bin jetzt überzeugt, dass Hyles gallii die richtige Schreibweise ist, obwohl das Labkraut Galium heißt. Es kommen in der Nomenklatur bei der Erstbenennung immer wieder Fehler vor. Trotzdem gilt die vom Erst-Beschreiber verwendete Schreibweise. (Siehe auch Colias croceus, nicht crocea, weil FOURCROY, 1785 ihn so als Papilio croceus beschrieben hat, wenn auch die Wörter auf - as und -io im Lateinischen weiblich sind.)

    Gruß Jürgen

    Eine kleine und wirklich unwesentliche Bemerkung zu Colias croceus - crocea: dass, wie Jürgen 0211 sagt, alle Substantive auf -as im Lateinischen weiblich sind, stimmt wohl nicht, so ist nefas = Unrecht z.B. ein Neutrum. Die Regel gilt nur, wenn das Wort im Genitiv um eine Silbe verlängert wird, z.B. libertas - libertatis = Freiheit.
    Colias war der Beiname von Aphodite, "Aphrodite Kolias", bei den Römern als "Venus Colias", war die Beschützerin der Kurtisanen. Das Wort stammt vom Berg Kolias in Attica, wo Aphrodite einen bedeutenden Tempel hatte.
    Dem Gattungsnamen "Colias" an sich ist nicht anzusehen, ob es weiblich oder männlich ist, weil es im Lateinischen kein deklinierbares Substantiv ist, und erst die Internationale Zoologische Nomenklaturkommission hat festgelegt, das "Colias Fabricius 1807" weiblich sei und als Typenart "Papilio hyale Linnaeus 1758" festgelegt.

    Im übrigen sagt Art.34.2 ("species-group names") des ICZN (International Code of Zoological Nomenclature), dass wenn eine Art in eine andere Gattung versetzt wird, der adjektivische Artname sein Geschlecht ändern muss:

    "34.2. Species-group names. The ending of
    a Latin or latinized adjectival or participial species-group name must
    agree in gender with the generic name with which it is at any time
    combined; if the gender ending is incorrect it must be changed accordingly (the author and date of the name remain unchanged." (Zitat)

    "croceus" ist ein von "crocus" = "Safran" abgeleitetes Adjektiv, bedeutet "safranartig", bezogen auf die Farbe also "safrangelb".

    Bezüglich "Papilio" war von der Nomenklaturkommission festgelegt worden: "gender masculine"! Es wurde ferner anerkannt, dass Latreille die Typenart "Papilio machaon L." wirksam festgelegt hat.

    Nach den Regeln der Nomenklaturkommission folgt meiner Meining nach eindeutig aus all dem, dass es "Colias crocea" heißen muss, da der Artname von dem maskulinen Genus Papilio zum weiblichen Genus Colias versetzt wurde.

    Erwin

    Hallo Erwin,

    Danke für Deine Aufklärung bezüglich Colias crocea. Es war sehr interessant für mich und ich habe einiges dazu gelernt.Ich habe früher auch den Namen Colias crocea verwendet. Dann habe ich in der Arbeit von GRIESHUBER & LAMAS "A Synonymic List of the Genus Colias..." Colias croceus gelesen, und da sie ja als derzeitige Fachleute für die Nomenklatur der Gattung Colias gelten, diese Version übernommen. Jetzt hast Du mir Deine Erklärung gegeben, wonach doch Colias crocea richtig ist.
    Übrigens, das von Joe als sehr kompetent angegebene Forum "Fauna Europaea" nennt Colias croceus als richtige Schreibweise.

    Gruß Jürgen

    Spannend diese Ausführungen!
    Sie zeigen, dass Naturkundler lange Zeit sehr grosszügig mit dem Latein umgegangen sind. Da haben sich einige Falsch-Schreibweisen eingeschlichen, nicht nur in der entomologischen Taxonomie.
    Nicht ohne Stolz stelle ich im Namen des Labkrautschwärmers fest, dass bei ACTIAS sowohl in Börse als auch im Forum seine Bezeichnung durchwegs richtig geschrieben wird: Hyles gallii.
    Das ist vor allem wichtig für die Suchmaschinen. Die mögen keine Feler. :winking_face:

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    Hallo Marc,

    Apropos "lateinisches Gewurstel". - Die lateinischen Namen müssen richtig geschrieben werden, eben um sie später in Suchmaschinen wiederzufinden, wie Du ja selber sagst. Aber die Schwierigkeit ist oft, die richtige Schreibweise zu finden, wie eben bei Hyles gallii. Für diese Art ist das Problem ja jetzt Gott sei Dank gelöst! Schnauf!

    Gruß Jürgen

    Joe sagt: "Ob nun die Schreibung von Galium mit Doppel-L seinerzeit verbreitet war

    oder aber ob das die Ansicht von Autor bzw. Verleger war, weiß ich nicht."

    Dazu kann ich noch etwas sagen, wobei ich nicht weiß, ob das jemand unter den Entomologen hier wirklich interessiert: Linné nannt das Genus Galium (mit einem "l"), aber Philipp Miller, ein aus Schottland stammender Botaniker (der sich lange Zeit sträubte, die Prinzipien der binären Nomenklatur Linnés anzuwenden) nannte das Genus irrtümlicherweise "Gallium". Der Genusname "Gallium (mit zwei "l") wird in der botanischen Taxonomie offiziell als "SUO" betrachtet, d.h. "synonym - unavailable- orthographic mistake". ("unavailable" bedeutet, dass "Gallium" auch nicht für ein ganz anderes Genus mehr verwendet werden kann, der Name gilt als "verbraucht").

    Je nachdem, welche Autoren dann später weitere Arten beschrieben, folgten die einen Linné und schrieben "Galium ....", andere bevorzugten Millers Schreibweise und beschrieben ihre neuen Arten unter "Gallium .....". Auf letztere bezog sich Rottemburg bei der Benennung des Schwärmers...

    Erwin

    Hallo,

    Ich danke allen, die zu diesem trockenen Thema etwas geschrieben haben, besonders Joachim, der mich auf das Forum "Fauna Europaea" aufmerksam gemacht hat.
    Es hilft mir sehr, für die Bilder in der Galerie die derzeit gültigen Namen zu finden. Diese sind nötig, damit unsere Bilder künftig von Suchmaschinen erfasst werden können.

    Gruß Jürgen

    Ja, das scheint zu stimmen.

    Nach allem, was ich im Internet über das Abendpfauenauge herausfand, wurde der Falter 1758 von Linné als Spinx ocellata erstbeschrieben.
    1802 hat dann Latreille die Gattung Smerinthus aufgestellt, mit "Spinx ocellata" als Typenart. Sphinx ist weiblich, aber Smerinthus männlich.
    Also muss nach den Regeln der zoolog. Nomenklatur die Art jetzt Smerinthus ocellatus heißen.

    Was mich irritiert, ist aber, dass es im Internet auch einen "Smerinthus ocellatus Leech" gibt. John Henry Leech (1862-1900) hat
    "Smerinthus ocellatus" als neue Art 1888 beschrieben. An manchen Stellen heißt es "Smerinthus ocellatus Leech non Linné". Darauf kann ich
    mir beim besten Willen keinen Reim machen...

    Erwin

    Hallo Erwin und soil74!

    Ich habe in "Fauna Europaea" unter Smerinthus ocellata nachgesehen und die Meldung bekommen:
    "Smerinthus ocellata - inferred genus - valid as (gültig als) Smerinthus ocellatus".
    Also ist nach "Fauna Europaea" Smerinthus ocellatus der gültige Name und Ihr habt beide recht.

    Gute Nacht, Jürgen

    YES!
    Der coolste (deutsche) Name ist übrigens "stahlblaue Kiefernschonungsgespinstblattwespe". Da lobe ich mir doch mal ein kerniges "Cossus cossus". Da weiß man, was man hat. :thumbs_up:

    Och, da guck mal in den Bergmann, da findest du noch ganz andere (dt.) Namen (für Schmetterlinge). :grinning_squinting_face::bibber:

    MfG, spinne

    Viele Menschen sind zu gut erzogen, um mit vollem Mund zu sprechen,
    aber haben keine Bedenken, dies mit leerem Kopf zu tun,

    Orson Welles

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    Wissenschaftliche Namen müssen so benutzt werden, wie sie in der Erstbeschreibung verwendet wurden (abgesehen von der Anpassung an den Genus des Gattungsnamens) - wie Jürgen schon weiter oben geschrieben hat.

    Eine kleine Anekdote dazu am Rande (die während meines Studiums von unserem Botanik-Professor gern und öfters erzählt wurde):
    Der Ginkgo-Baum wurde von Linné als Ginkgo biloba beschrieben. Eigentlich sollte es aber "Ginkyo" heißen - so wie die Pflanze in Japan genannt wurde. Da aber Linné offenbar eine schwierige Handschrift hatte, und der Buchdrucker/Setzter ein "g" statt eines "y" gelesen hat, heißt die Pflanze (inzwischen auch im Volksmund) Ginkgo. Nur Meister Goethe widerstrebte es, ein solches Wort zu verwenden - deshalb benutzte er in seiner Gedichtsammlung West-östlicher Diwan die Bezeichnung Gingo.
    Ob diese Geschichte wahr ist, weiß ich nicht. Sie wurde jedoch dazu benutzt, uns einerseits das Prioritätsprinzip in der Systematik nahezubringen, andererseits uns anzuhalten, gefälligst deutlich zu schreiben :D.

    Cheers
    Achim

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