1. Dezember 2015 um 11:33 - Beitrag: Apollo, Thema: Schmetterlinge (Lepidoptera)
Hallo allerseits,
finde es wichtig noch was über die Rassenreinhaltung zu schreiben. Es gibt auch hier wie überall Licht und Schatten.
Die knapp 200 Rassen, manche reden sogar von Arten, des Parnassius apollo halte ich auch für übertrieben. Es ist aber ohne Zweifel daß die Art durch ihre geringe Wanderbereitschaft Rassen gebildet hat. Bei starken Fliegern braucht man sich auf dem Festland diesbez. keine Sorgen machen.
Ich habe Infos von mehreren Züchtern, auch aus der Schweiz und Italien. Kreuzungen zwischen thiemo und valesiacus gehen demnach nicht, zwischen valesiacus und siciliae schon. So was zu tun ist eigentlich Quatsch, dennoch können Erkenntnisse daraus wichtig sein. Grundsätzlich heißt es, Rassen lassen sich kreuzen, Arten nicht. Es geht auch mit Arten, dann spricht man von Hybriden, diese können unfruchtbar oder nicht überlebensfähig sein. Ist alles bekannt. Ob es sich bei valesiacus und thiemo um Rassen oder Arten handelt kann ich nicht klären, aber sie haben einen anderen Zyklus. Hochgebirgsrassen zB. von Chamonix, Montana oder Fusio aus 2000m fliegen 3 Monate später als Tiere des Tieflandes. Die Eier liegen 4-6 Wochen, in dieser Zeit entwickelt sich die Raupe, dann werden sie mit Schnee bedeckt. Im Mai schlüpft die Raupe wenn der Schnee schmilzt. Legen diese Tiere unter Tieflandbedingungen im Mai- Juni schlüpfen die Raupen im November. Glaubt es mir, es ist so. Die Raupe hat ohne Eihülle keine Chance den Winter zu Überstehen. Die Eier der Tieflandrassen liegen den ganzen Sommer über und schlüpfen im März. Vermischen sich diese Rassen kann es zu Problemen bei der einheimischen Art kommen. Scheinbar wird auch die Futterart der Raupe in ihrer Entwicklung geprägt und vererbt, so daß Jungraupen nicht gerne an Futter gehen das ihre Eltern nicht gehabt haben. Ein Futterwechsel ab L3 sollte keine Probleme machen.
Wie schon erwähnt fliegt ein Apollo nicht gern weite Strecken über Flachland. Er segelt lieber bequem im Aufwind, also am Hang, und dreht auch über Wald nach 300m um. Zurück zu seinem bequemen Felsen. So wandert er nur entlang der Flusstäler. Also muß man bei Auswilderungen die Flussgebiete berücksichtigen. Es können in Vogesen, Schwarzwald, Hegau und Alb verschiedene Rassen sein. Nur auf der Alb gibt es noch Vorkommen, also sollte die gesamte Alb auch nur mit dieser Art bevölkert werden. Im Moseltal kann sich das ganze Tal auf natürliche Weise bevölkern wenn mit der Giftspritzerei aus der Luft, Daher also der Name "Himlisches Tröpfchen, aufgehört wird. Am Deutschen Eck bei der Hohenbreitstein habe ich vor Jahren große Flächen Sedum gesehen, normalerweise müßten diese mit P.a.vinningensis bevölkert sein. Falls nicht wäre es ein großer Fehler dort eine andere Rasse einzubürgern, weil es zum Flussgebiet Rhein -Mosel gehört und dort der Moselapollo vorkommt.
Es wurde schon oft diskutiert, aber man muß es immer wieder erwähnen. Überlegt Euch gut was ihr wo freilasst. Also nicht" ich hab da einen schönen Hang gesehen, da lass ich mal was raus". Das gilt für alle Tier und Pflanzenarten. In unserem Fall halte ich es für gut wenn die Informationen irgendwo zusammen laufen, wenn es für bestimmte Arten Spezialisten gibt die wissen was wo los ist. Ich mach`s nicht weil ich andere Pläne habe. Also dachte ich wieso nicht ein Freier Mitarbeiter des Regierungspräsidiums, der hauptberuflich mit Schmetterlingen arbeitet, der an alle Infos kommt, Dinge beeinflussen kann und uns Entomologen gut gesonnen ist. Vielleicht ein Fehler, Vielleicht die Rettung, Wenn wir zu viel Aufmerksamkeit erregen machen wir uns angreifbar, Manche wollen uns komplett aus dem Weg räumen, andere finden gut was wir machen, ich weiß es nicht. LICHT UND SCHATTEN.
Gruß Elmar