26. September 2022 um 07:34 - Beitrag: Raupensuche, Thema: Schmetterlinge bestimmen
Ich habe es im Sommer mit grünen ex ovo pamphilus Raupen probiert.
Diese fluoreszieren überhaupt nicht!
Ich habe es im Sommer mit grünen ex ovo pamphilus Raupen probiert.
Diese fluoreszieren überhaupt nicht!
kann man auch mit anderen Wellenlängen arbeiten (IR), um andere Inhaltsstoffe zum
floureszieren zu bringen?
Ich bin kein Physiker, aber ich würde annehmen dass man mit IR nicht viel zum fluoreszieren bringt, weil die Energie dieser Wellenlängen relativ niedrig ist. Selbst wenn würde einem das nichts bringen, weil das emittierte Licht immer energiärmer ist als das absorbierte. Sprich wenn du was im nahen IR anstrahlst würde das wahrscheinlich irgendwo im mittleren IR wieder emittieren und das sieht man noch weniger als man das nahe IR sowieso schon nicht sieht. Wenn das ein Physiker lesen sollte, tut es mir leid.
Falls wer noch weitere Tipps hat, wäre ich froh.
H. fuciformis ist meines Erachtens am leichtesten als Ei oder L1/L2 zu finden. Gut besonnte Geißblätter oder Heckenkirschen an wärmebegünstigten Stellen finden und viele Blätter umdrehen führt in Gebieten mit Vorkommen normal relativ schnell zum Erfolg. Das mit dem UV ist finde ich nicht so nötig, man sieht die auch so ganz gut.
Ich habe es im Sommer mit grünen ex ovo pamphilus Raupen probiert.
Diese fluoreszieren überhaupt nicht!
Schade. Für Satyridae (ja, ja Satyrinae) wäre das ganze wohl mit am sinnvollsten anwendbar, weil man damit relativ schnell viel Fläche im Gras absuchen könnte.
im Sommer Hemaris fuciformis sehr gut damit nachweisen
Phänomenal, danke scx3n! ![]()
Hätte ich damals schon den Gedanken gehabt, hätte ich mir den Mehraufwand für die
Hemaris-Arten erspart. ![]()
Das vereinfacht das Ganze auf 1/10tel schätz ich. Ein ganz neues Kapitel in der Detektion
von Präimaginalstadien. Die Falter sind dann sogar 20x schwerer anzutreffen, schätz ich.
Vielleicht gibts da auch noch Alternativen im Suchmechanismus, um die Verbreitung von Arten besser zu erfassen.
Lichtfang, Köder (Pheromone), Lockpflanzen und die Freilandsuche für Tag-und Nachtfalter, aber für Präimaginalstadien immerhin zur Ei-/Raupensuche noch der etwas andere "Lichtfang".
Man verwendet schon ewig Lichtfallen, aber von der Detektion von Präimaginalstadien per UV hatte ich bis dato diesen Jahres noch nichts gehört.
Hemaris-Arten hab ich bewusst noch nie detektiert, viel zu selten. Mich würde interessieren, ob die Falter bevorzugte
Imaginalhabitate (Trockenhänge mit Blütenvielfalt) bzw. Präferenzen für bestimmte Saugpflanzen aufweisen und wie groß deren Wanderradius in Abhängigkeit vom Schlupfort ist. Taubenschwänzchen kann man an allerlei Blüten zufällig antreffen (wahrscheinlich da bevorzugt große Ausbreitung). Im städtischen Raum wohl bevorzugt an Balkonpflanzen.
Man sieht so viele Taubenschwänzchen, ich hab durch Zufall an 2 Stellen auf der Suche nach Hyles gallii
Raupen vom Taubenschwänzchen gefunden. 1x sogar beide Arten zusammen an Labkraut direkt am Schotterweg, gallii dabei in der lokal schwächer ausgeprägten 2. Generation, wobei ilia mittlerweile ja auch häufiger in die zweite Generation gehen soll.
Dabei wäre es interessant, ob jemand bereits ausgewachsene ilia-Raupen im August/September (?) finden konnte.
Generell eignet sich lokal viell. eine Suchanpassung einer lokalen 2. Generation. Allerdings wird der Suchaufwand in den meisten Fällen wohl ähnlich sein.
Aber die beiden Hemaris-Arten sind irgendwie anspruchsvoller. Ich hatte wahrscheinlich mal zufällig eine befressene Acker-Witwenblume mit Kot von Hemaris tityus an einem Wegrand gefunden.
Mir fällt auch noch eine weitere Art ein, die im Nachweismechanismus (sofern nicht lichtfliegend an Lichtfallen) maximal schwierig zu detektieren ist, Hyles vespertilio soll sich fast den ganzen Tag unter Steinen verstecken.
bellargus: Stimmt, ich schätze mit UV-Licht ist die Detektion weitestgehend abgedeckt. Ich hatte noch in Erinnerung, dass ich einmal einen Beitrag gelesen hatte, wo jemand parallel zu UV-Licht IR-Licht verwendet hatte, aber ich glaub dabei ging es um die Detektion von körperlichen Schäden. Bei hoher Wellenlänge, wird wahrscheinlich nur wenig absorbiertes Licht wieder emittiert.
Satyrinae und sicherlich einige weitere Schmetterlingsarten bleiben damit noch offen, aber das ist schonmal ein gutes Spektrum an Nachweismethoden. Optimalerweise hat man wenige Futterpflanzen auf Schotter oder ähnlich karg bewachsenen Flächen, aber bei einem großen Angebot bspw. an Heckenkirschen braucht man wohl einen recht großen Aufwand. Das lohnt wahrscheinlich nur, wenn die Art recht häufig ist.
Je seltener eine Art, umso mehr muss man verstehen, was nu genau Sache ist. Mir hat bisher immer geholfen, zu überlegen, was gefällt Parasiten und Pflanzen nicht und was ist noch gerade so fressbar. Wenn Hornklee fasst am krepieren ist und keine Schlupfwespen mehr anlocken kann, stürzen sich Icarus-Bläuling und Colias hyale drauf mit bis zu 3 Eiern/Blatt. ![]()
Nachteilig für die Falter ist, dass sie dann winziger werden (weniger Eier für Weibchen) und die Männchen schlechtere Duftschuppen (Werben von Weibchen) ausbilden. Das wurde auch mal in irgendeinem Bericht gut untersucht.
Ich schätze bis L4 kommen junge Räupchen auch noch gut mit einem gemeinsamen Fraßblatt aus, aber ab L5 werden ja ca. 86% der Nahrungsaufnahme insgesamt aufgenommen.
Bei iris konnte ich das mal gut beobachten. 9/10 Raupen schafften die Entwicklung zu L5 nicht. 4/10 kamen aber immerhin bis L4.
Ab L5 fand ich eine Raupe, die hatte den ganzen Weidenast kahl gefressen. Ab L5 erkennt man es dann auch an den Pflanzen. ![]()
Bei Aglais io kann ich ab L2 der Räupchen zu 40% Raupenfliegen in max. 50cm Entfernung zur Pflanze bei abwartender Haltung/ Eiablage an Brennnessel beobachten. In feuchteren Brennnesselfluren nimmt dann wahrscheinlich auch die Zahl der Schlupfwespen zu.
Bei der Raupensuche nach anderen Raupen fand ich häufiger Schlupfwespen in unmittelbarer Nähe, mitunter auch bei populi eine ca. 7cm lange Schlupfwespe. Bei Nymphalis polychloros eine Raupenfliege.
Aber die beiden Hemaris-Arten sind irgendwie anspruchsvoller
H. fuciformis finde ich nicht so problematisch. Wenn die Dichten gering sind vielleicht, aber in regelmäßig besetzten Gebieten sind die wie oben erwähnt durchaus gut nachweisbar. Auch die Falter sind in guten Fluggebieten z.B. an Salvia durchaus öfter zu beobachten. Es ist sicher keine gut nachweisbare Art, aber auch kein Problemfall. Ich hab aber zum Beispiel die Raupensuche nie weit ausgedehnt. Ich denke wenn man das intensiv machen würde könnte man da viele neue Stellen finden. H. tityus ist halt ein echter Problemfall, aber auch da weiß ich nicht ob es so sehr an der Auffindbarkeit der Raupen/Eier scheitert oder mehr an der Tatsache, dass die vermutlich oft in extrem geringen Dichten vorkommen. Wenn die Dichte hoch ist scheinen sie gut zu finden zu sein. Da kann Toni Kasiske sicher was zu sagen
. Meine Fundquote von Präimaginalstadien beläuft sich auf eine Eihülle
, also ich kann nicht wirklich was dazu sagen. Ich weiß nur, dass man Eier wohl finden können muss, wenn man Eihüllen findet. Die Raupen wird man wohl auch irgendwie finden können wenn genug da sind.
Hyles vespertilio soll sich fast den ganzen Tag unter Steinen verstecken.
Hyles vespertilio ist nicht so wahnsinnig schwer als Raupe nachzuweisen. Es ist nicht die einfachste Suche, aber wenn welche da sind findet man sie schon. Bis etwa L3 sind die Raupen noch an den Pflanzen und dort mehr oder weniger gut zu finden. Sind halt grün auf grün, aber auch nicht schlimmer als andere junge Hyles-Arten. Die letzten Stadien kann man gut anhand von Kot unter den Pflanzen suchen, der auf dem felsigen oder steinigen Untergrund der Habitate ziemlich auffällig ist. Die Raupen sind meist nicht weit von der Pflanzenbasis irgendwo unter einem losen Stein. Es kommt aber auch vor, dass Raupen frei auf Steinen in der Umgebung der Pflanze sitzen oder zum fressen auch tagsüber an der Pflanze sind. Mit ein bisschen Glück muss man also nichtmal viel buddeln.
Die Frage ist ja auch immer ein bisschen ist es eine gute Nachweismethode oder will man einfach Präimaginalstadien finden? Vielfach ist die Suche nach Präimaginalstadien eine brauchbare aber keine gute Nachweismethode einfach weil die Falter so viel einfacher nachzuweisen sind. So z.B. bei den meisten Lycaeniden. Präimaginalstadien zu suchen ist aber aus naturschützerischen wie ökologischen Gesichtspunkten viel interessanter, weil letzlich die Larvalhabitate das sind was hauptsächlich geschützt werden muss. Außerdem ist die Ökologie bei vielen Arten erstaunlich schlecht erforscht.
Grüße Dennis
Mein Problem ist immer, draußen nicht festzuwachsen. Wenn ich 1km aller 3h schaffe ist das viel. In artenreichen Gebieten ist die Zeit immer knapp. ![]()
Gibt halt ökologisch keine Grenzen. Angefangen hatte ich mit Favonius quercus als erste Hürde. So richtig schwierig finde ich ilia.
Ich hatte bisher 6 Raupen an insgesamt 4 Standorten gefunden. Jedesmal hatte ich die Kamera nicht sofort zur Hand. Danach suchte ich zw. 40min und einer Stunde bis ich die Raupen wiederfand. 1x vergeblich. Ich hatte mir selbst den besetzten Ast ca. 7x angeschaut und erst beim 8. Mal die Raupe wiedergefunden.
Mal sehen, ob sich Hyles-Raupen mit UV detektieren lassen. Am spannendsten fänd ich Agrius convolvuli bei Wucherungen an Zaunwinde und Acherontia atropos in Kartoffelfeldern. Da ist mir der Aufwand beim Ablaufen zu groß. Die Fraßbilder und Kotkrümel sind auch nicht hilfreich.
Mir geht es meist um den ökologischen Aspekt. Ich denk mir halt, wenn Leute vorbeilaufen, an dem Weg sitzen überall populi-Raupen oder dort ist eine spannende Ruderalsenke mit Schotter und rein äußerlich sind die Gebiete komplett unspektakulär.
Ist aber auch toll, zu wissen, egal wie eintönig die Landschaft aussieht, irgendeinem scheint es etwas zu nützen und man kann sich das Ganze noch ein zweites Mal genauer anschauen. Man lernt dann auch viel über den Ort in seiner Funktion.
Grüße Kai
...und der sehr seltene Daphnis nerii in trockenen Flusstalauen oder an Walnussbäumen.
Was soll nerii an Walnuss machen?
Was für Lampen benutzt Ihr denn für diese UV-Suche? Eine LepiLed ist vielleicht etwas unhandlich und augenschädigend, oder?
Moin,
also hab's grad bei Acherontia atropos getestet und bei denen ist in L4 und L5 die markante blau oder violette Rückzeichnung im UV-Licht gut zu sehen. Damit das aber wirklich auffällig ist, zb in einem Kartoffelfeld, braucht es schon eine starke Lampe.
Mit Hemaris tityus funktioniert es (bei mir!) leider nicht. Konnte ich auch dieses Jahr testen. Das hätte die Suche nach den Imaginalstadien stark erleichtert. Aaaaber soll nicht sein. Da bedeutet weiterhin viele Blätter drehen in scheinbar geeigneten Biotopen, im richtigen Zeitfenster, welches sich jedes etwas ändert, etc etc....man kann auch sagen, tityus ist schwer zu finden. In eng begrenzten Fluggebieten ist die Art aber meist leichter zu finden, wenn man schon etwas Erfahrung hat.
In geeigneten Biotopen ist auch tityus, so wie fuciformis, am späten Vormittag und frühen Nachmittag auf Nahrungsflug und lässt sich hier vor allem an blau und violett blühenden Pflanzen nachweisen. Ein geübtes Auge kann auch im Flug beide Arten unterscheiden. Sowohl am Flugverhalten, als auch in der Thoraxfärbung.
Allerdings sind die Biotopansprüche von tityus bedeutend höher angesiedelt, als denn die von fuciformis. So wird man lange suchen müssen, um geeignete Stellen zu finden, welche dann auch noch von tityus besetzt sind.
Ich war die letzten Jahre verstärkt in den Alpen unterwegs und nur an sehr wenigen der mir geeignet erscheinenden Stellen konnte ich tityus tatsächlich nachweisen, obwohl die Biotope mir ideal erschienen. Wie einige von euch wissen, beschäftige ich mich mit tityus seit über 20 Jahren und bilde mir ein mittlerweile einen "gewissen Blick" dafür entwickelt zu haben. Aber tityus ist ein echtes Mi....vieh. ![]()
Viel Glück bei der Suche
Rudi
Ich habe aktuell leider nicht die Zeit, in die Diskussion einzusteigen. Aber wenn ich hier von Rudis tityus-Erfahrungen und den Alpen lese, möchte ich wenigstens schnell noch ein Habitatbild meines letzten Fundes zeigen: eine wunderbare Edelweiß-Wiese auf ca. 2.300m, wenn ich es richtig im Kopf habe.
Und zur Vollständigkeit ein paar Bilder aus meiner Heimat, wo die Raupen im Sommer immer zu dutzenden an den Knautien anzutreffen waren (teils 5-10 Raupen pro Pflanze). Allerdings nur auf der kleinen im Bildausschnitt gezeigten Fläche und nirgends sonst
Die Falter hat man schon gut gehört, wenn man über die Wiese lief. Sitzend in der Vegetation und saugend an den Knautien waren sie gut anzutreffen.
Auch Paarungen waren zu beobachten...
Die Eier teils auf Gras, teils auf anderen Kräutern neben den Futterpflanzen...
Die Raupen quasi an jeder Pflanze - hier mal mind. 3, die ich auf die Schnelle im Bild finden konnte (zu schade, dass ich keine Videos davon habe...)
Aber nun genug gespammt. Ich freue mich, wenn ich endlich mal wieder mehr Zeit habe und eure Texte nochmal etwas tiefer lesen kann ![]()
Beste Grüße,
Toni
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