Saturnia pavonia Faunenverfälschung?

    Hallo Zusammen,

    ich hätte mal eine Frage bezüglich Saturnia pavonia. Ich habe mir über Actias Eier der Art bestellt, aber mit Herkunft aus einem Hochmoor (aus Deutschland) und möchte die aufziehen und die Falter nächstes Jahr durch Freilandanflug bei mir hier verpaaren.

    Jetzt meine Frage:

    Ist es Faunenverfälschung wenn ich das tue und die Nachkommen dann wieder hier bei mir freilasse? Ich stelle mir die Frage, da die Falter ja im Hochmoor an andere Bedingungen (z.B. feuchter) angepasst sind als die die bei mir hier im ,,normalen“ Gebiet herumfliegen. Dann wären durch einen Freilandanflug bei mir ja die Gene mit den jeweiligen Anpassungen an die verschiedenen Gebiete vermischt oder macht das nichts aus? Ich habe gedacht, ich frage hier lieber mal nach, nicht das ich am Ende noch Faunenverfälschung betreibe.

    Falls mir jemand bezüglich meiner Frage weiterhelfen kann, würde ich mich sehr über eine kurze Antwort freuen :)!


    Liebe Grüße

    Emil

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    Schmetterlinge sind kein Spielzeug und keine "Kuscheltiere". Egal ob Actias oder Morpho,

    es sind Lebewesen die nicht nur so zum Spaß gehalten und gezüchtet werden sollten.

    Tiere ohne genauen Fundort sind wissenschaftlich wertlos und reines Deko-Material.

    Viele, eigentlich die Meisten, hier im ACTIAS agebotenen Zuchten haben keinen Fundort.

    Tiere mit Fundort sollten nur am Fundort oder in direkter Umgebung frei gelassen werden.

    Für sensible Menschen ist die Schmetterlingszucht nicht geeignet, da die Falter getötet werden

    müssen um nichts einzubürgern oder im Käfig/Aerarium langsam den Tod finden.

    Dies muß einmal deutlich gesagt werden.

    Bin ziemlich neu hier, aber vielleicht muß jemand mal die Wahrheit sagen.

    Das meiste hier angebote Material ist ohne exakten Fundort, also eher was für sogenannte "Schmetterlingssammler". Für wissenschaftlich arbeitete Entomologen unbrauchbar.

    Wissenschaftlich arbeitende Entomologen sollten wenigstens zwei Sätze fehlerfrei hinbekommen. Vielleicht könnten sich diese Kapazitäten zur Beantwortung der Ausgangsfrage von Emil herablassen.

    Viele Grüsse,

    Frank

    • Offizieller Beitrag

    Ich hab das Gefühl, bei manche haben schon wieder mehr Lust, themenfremd auf andre Personen zu antworten, statt einfach selbst eine sinnvolle Antwort beizutragen (egal, in welch gutem Deutsch sie formuliert sein möge)...

    Emil hat super sinnvolle und wichtige Fragen und Gedanken.

    Zuersteinmal muss man erwähnen, dass rein rechtlich betrachtet gem. §40 BNatSchG jegliches Aussetzen von Tieren in der freien Natur untersagt ist. Also demnach dürfte theoretisch niemand hier gekauftes Material bei sich freilassen. Wie sinn- oder nicht sinnvoll das in dem jeweiligen Falle ist, ist eine andere Geschichte. Auch wo hier Grenzen zu ziehen sind. Bspw. wie verhält es sich mit aufgenommenen Tieren, die dann später wieder an einer etwas anderen Stelle wieder freigelassen werden? Welche Distanz ist relevant? Dazu gibt es für Insekten meines Wissens auch kaum Urteile, auf die man sich beziehen kann. Grundsätzlich sollten solche Regelungen Ber vermutlich eher mit Populationsbezug ausgelegt werden - also befindet sich der Ort des Aussetzens innerhalb der Population, in der das Tier entnommen wurde. Auch dies ist allerdings subjektiv, artabhängig und schwer nachzuweisen.

    Das sind zumindest die rechtlichen Regelungen, die man im Kopf haben sollte (wieauchimmer man persönlich damit umgeht).

    Grundsätzlich ist es aber schon so, dass die Herkunft eine Rolle spielen kann und auch dieser Paragraph nicht ganz unbegründet ist. Emil, wie du schon gesagt hast, gibt es ja lokale Anpassungen der Arten. Also ein Tier aus dem Gebirge kann sich evtl schon bei viel kühleren Temperaturen entwickeln als zB ein Tier der gleichen Art an der Küste. Tauscht Man nun also beide Tiere, so kann es sein, dass das Tier aus dem Gebirge an der Küste plötzlich schon viel früher schlüpft als seine Artgenossen vor Ort. Wiederum das Küstentier kann im Gebirge seinen Lebenslauf vor dem nächsten Winter evtl gar nicht rechtzeitig abschließen. Schaffen es die Tiere aber trotzdem irgendwie, sich mit den Tieren vor Ort zu paaren, könnte sich die falsche Anpassung verbreiten - und am Ende im dümmsten Fall ganze Populationen gefährden. Und das, obwohl man doch eigtl. etwas Gutes tun wollte. Also man sollte den Faktor defintiv im Blick haben. Aber auch das ist natürlich abhängig der Art (extrem mobile Arten werden zB weniger betroffen sein, als ganz lokale). Also grundsätzlich würde ich zumindest empfehlen, je näher an der Ausgangspopulation, desto besser. Oft kennt man einfach mögliche Auswirkungen nicht und alles bleibt quasi Spekulation. Die Anpassung an einen Moorstandort? Tja, schwierig abzuschätzen. Ich würde denken, daß Habitat selbst spielt weniger eine Rolle als die geografische Distanz.

    Eine andere Diskussion wäre grundsätzlich noch die Sinnhaftigkeit von ausgesetzten Tieren. Haben diese überhaupt einen positiven Effekt für die lokale Population? Ich bin der Meinung, dass auch das in den überwiegenden Fällen nicht sinnvoll ist - aber das wäre vllt nochmal eine ganz andere Diskussion.

    Liebe Grüße, Toni

    Rechtschreibefehler sind gewollt und dienen zum Test der Leseaufmerksamkeit und Erheiterung des Forums :winking_face:

    Hallo alles zusammen,

    Ich würde mich generell dem anschließen was Toni gesagt hat. Zum Punkt der Sinnhaftigkeit des Aussetzens kann ich jedoch sagen, dass das in vielen, wenn nicht sogar den meisten Fällen gar nicht der Grund ist. Klar kann man denken ich lasse hier Art X frei um die lokalen Populationen zu stärken. Dass das etwas bringt mag ich ebenfalls anzweifeln, da das Problem für Populationsrückgänge einen Grund hat, der damit nicht behoben werden würde. Der meiner Einschätzung nach häufigere Grund fürs Freilassen der Tiere ist das Tierwohl. Falter in der Freiheit können viel besser fliegen als bei wem im Wohnzimmer in einem Flugkäfig. Das ist der Grund aus dem zumindest ich alle Falter (ggf. Nach Paarung und Eiablage) freilasse. Außerdem ist es schön anzusehen, wie die liebevoll aufgezogenen Tiere davonfliegen. Sammeln tue ich persönlich nicht, also warum sollte ich die Tiere unnötig lange in einem begrenzten Käfig halten? Selbstverständlich lasse ich nur jene Tiere frei, die ich auch bei mir in der Gegend gefunden habe.

    Beste Grüße,

    David

    Grundsätzlich ist es aber schon so, dass die Herkunft eine Rolle spielen kann und auch dieser Paragraph nicht ganz unbegründet ist. Emil, wie du schon gesagt hast, gibt es ja lokale Anpassungen der Arten. Also ein Tier aus dem Gebirge kann sich evtl schon bei viel kühleren Temperaturen entwickeln als zB ein Tier der gleichen Art an der Küste.


    Dazu: habe letztes Jahr Ende Mai eine Gyne von Camponotus herculeanus auf 800m im Taunus gefunden. Die haben ja einen endogenen Jahresrhythmus.

    Ein bekannter fand zwei Wochen früher eine auf ca. 400m im Rhein-Graben.

    Letztere hat sch 4 Wochen früher entschieden, dieses Jahr aus der Winterruhe zu starten.

    Werde das natürlich ein paar Jährchen beobachten und mit anderen Haltenden abgleichen, sehe aber ein Indiz für dein Argument (plus: rein logisch ergibt es ja auch Sinn).

    Ich hatte vor einigen Jahren mal pavonia aus Spanien mit den heimischen verpaart. Die spanischen sind größer und dunkler, als die, die hier bei mir fliegen. Es gab eine Schlupfrate von nicht mal 50% bei den Eiern und auch die Raupen waren nicht wirklich stabil. Die geschlüpften Falter sahen kräftig aus und ähnlich dunkel wie die Mutter aus Spanien. Eine weitere Paarung gab unbefruchtete Eier.

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    Schaffen es die Tiere aber trotzdem irgendwie, sich mit den Tieren vor Ort zu paaren, könnte sich die falsche Anpassung verbreiten - und am Ende im dümmsten Fall ganze Populationen gefährden.

    Diese Gefahr sehe ich höchstens bei seltenen, ja gefährdeten Arten. Bei relativ häufigen wie pavonia wäre zu erwarten, dass die schlecht angepasste Fraktion dem Selektionsdruck nicht standhalten kann. Selbst bei einer Verpaarung mit einheimischen, würden die Nachkommen schlechter abschneiden als die gut angepassten und schließlich aussterben. Auf lange Sicht würden nur positiven Gene in der heimischen Population Einzug halten.

    In der Tat haben wir eher Probleme mit zu gut angepassten Einschleppungen wie zum Beispiel die Afrikanische Biene / Mörderbiene in Amerika oder bei uns den exotischen Marienkäfer, die Riesenhornisse und die argentinische Ameise. Im Falle von S. pavonia müsste man da schon eine Supervariante einschleppen, die vielleicht für Fressfeinde ungenießbar ist, die heimische Population verdrängt und riesige Fressschäden anrichtet.

    Allemal ein interessantes Thema.

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